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15.07.2013

19:09 Uhr

Serie: Wir sind die Neuen

Vom Soldaten zum Friedensstifter

VonMaike Freund

Was macht ein Soldat, wenn er den Dienst quittiert? Er geht in die Politik – am besten gleich in den Bundestag, um dort als Pirat für Frieden einzutreten. Das jedenfalls ist der Plan von Sebastian Harmel.

Sebastian Harmel will für die Piraten in den Bundestag - und für mehr Frieden sorgen. Foto: Maike Freund

Sebastian Harmel will für die Piraten in den Bundestag - und für mehr Frieden sorgen. Foto: Maike Freund

DresdenAn manchen Tagen fühlte er sich so ohnmächtig, weil er den Kopf einfach nicht frei bekam. Die Verantwortung für die Kameraden, die Gewalt, der Tod – das war alles ganz schön heftig. „Entweder du trinkst viel Alkohol oder machst viel Sport“, sagt Sebastian Harmel „Und dann merkst du: Nichts davon hilft, nichts betäubt dich genug.“

Mit 18 wurde Harmel Zeitsoldat, auch drei Auslandseinsätze gehörten in den vergangenen Jahren dazu. Erst war der heute 31-Jährige Hauptmann im Kosovo, später zweimal in Afghanistan stationiert. Bei Fahrten durch den Hindukusch führte er hunderte Gespräche mit den Einheimischen und erlebte, wie fragwürdig der Anspruch ist, in dieser vollkommen fremden Kulturen als Ordnungsmacht auftreten zu wollen. Harmel weiß, was Krieg bedeutet. Und er hat die Nase voll davon.

Serie: „Wir sind die Neuen“: Charmant, gelassen und ein wenig großspurig

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Charmant, gelassen und ein wenig großspurig

Der FDP-Politiker Bernd Buchholz kann überzeugen, wenn er nur will. Und er will. Manager war er schon, jetzt langweilt er sich beim Golf. Doch nun hat er ein neues großes Ziel im Visier, in Berlin.

Nun läuft sein Vertrag mit der Bundeswehr aus. Und Harmel hat für sich einen Weg aus dem Desaster zwischen Gewissen und beruflicher Pflicht gefunden: Er will für die Piraten in den Bundestag, um sich dort für Frieden einzusetzen. Harmel glaubt: Die Gesellschaft müsse einen anderen Weg finden, um mit Konflikten umzugehen. „Krieg ist niemals eine Lösung“, sagt er. „Warum nicht stattdessen gleich Gutes tun?“

Dass er dabei so klingt, als wäre er in der falschen Partei, lässt dieses Lachen auf seinem Gesicht aufblitzen, das von einem Ohr zum anderen zu reichen scheint. Die Piraten haben noch keine detaillierte Partei-Haltung in Sachen Krieg und Frieden – ganz im Gegensatz zu den Linken oder den Grünen. Und tatsächlich ist es Zufall, dass Harmel bei den Piraten gelandet ist:

Mit dem Fahrrad fuhr er durch die Dresdener Altstadt, wo er nach Stationen wie Hamburg oder Koblenz seit gut einem Jahr wieder wohnt. „Eigentlich sind diese Infostände nichts für mich“, sagt er. Doch dieses Mal hielt er an. Warum genau, weiß er auch nicht. Vielleicht war es eben genau diese Suche nach einem Ausweg aus dem Kopfkino aus Gewalt und Krieg, die ihn beschäftigte. Vielleicht auch die Frage, in welcher Welt sein Kind aufwachsen soll. Oder beides.

Kommentare (8)

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shining

15.07.2013, 19:47 Uhr

Jeder Soldat ist Frieden: er verkörpert ihn nachgeradezu.
Deswegen ist es ja so eine ausgemachte Frechheit wenn er "fällt" während er anderen die Freiheit beizubringen wünscht.
Ich bin ja dumm.
Aber andere umzubringen für meine Freiheit, die ja auch keine
sein kann: wie tapfer.

fein_aber_auch

15.07.2013, 19:56 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

15.07.2013, 20:36 Uhr

Das mit dem fehlenden Parteiprogramm der Piraten ist aber längst erledigt: http://www.piratenpartei.de/wp-content/uploads/2013/06/PP-Bund-BTW13v1.pdf

Schönen Tag noch
Landshark

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