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27.09.2016

20:45 Uhr

Sexismus-Debatte in der Union

Männerbünde, Mails und Mobbing

Der Sexismus-Streit der Berliner CDU greift auf die Bundespartei über: Generalsekretär Peter Tauber sieht sich plötzlich mit Mobbing-Vorwürfen konfrontiert – und tut wenig, um sie zu entkräften.

Hat Peter Tauber versucht, die ehemalige Geschäftsführerin seines CDU-Kreisverbands wegzumobben? E-Mails deuten darauf hin. AFP; Files; Francois Guillot

CDU-Generalsekretär

Hat Peter Tauber versucht, die ehemalige Geschäftsführerin seines CDU-Kreisverbands wegzumobben? E-Mails deuten darauf hin.

BerlinIn der Debatte um Sexismus und Mobbing in der CDU ist Generalsekretär Peter Tauber in den Fokus geraten. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitierte aus einem Mail-Wechsel Taubers mit Parteifreunden, in dem in einem männerbündischen Tonfall über CDU-Politikerinnen gesprochen wird. Nach den Berichten über Mobbing-Pläne gegen die damalige Geschäftsführerin in Taubers Kreisverband forderte die SPD ein Eingreifen von CDU-Chefin Angela Merkel.

Der 42-jährige Tauber ist seit knapp drei Jahren CDU-Generalsekretär. In dieser Rolle versucht der Hesse, der Partei ein modernes Image zu geben. Nachdem die Berliner CDU-Kommunalpolitikerin Jenna Behrends vergangene Woche Parteikollegen öffentlich Sexismus und Verleumdungen vorwarf, befürwortete Tauber eine Debatte über solche Vorfälle. Der „SZ“-Bericht vom Dienstag könnte Taubers Glaubwürdigkeit in dem Punkt aber in Zweifel ziehen.

Sexismus, Mobbing und Twitter-Entgleisungen in der CDU

Unruhe in der CDU

In der CDU gibt es Unruhe: Es geht um Sexismus-Vorwürfe, Mobbing und umstrittene Twitter-Äußerungen einer Bundestagsabgeordneten. In den Fokus gerät dabei auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber.

Sexismus

Ausgelöst hat die Debatte um Sexismus in der CDU die Berliner Kommunalpolitikerin Jenna Behrends, die am vergangenen Freitag Parteikollegen in einem offenen Brief Sexismus und Verleumdungen vorwarf. Namentlich nannte sie den Berliner CDU-Landeschef Frank Henkel. Seitdem erfuhr Behrends Zuspruch aus den eigenen Reihen, erntete aber auch heftige Kritik. „Geschichten wie diese bekomme ich immer wieder geschildert“, sagte Tauber. Er unterstützte eine Debatte über Sexismus.

Sexismus II

Ein Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zitierte am Dienstag aus einem E-Mail-Austausch Taubers mit männlichen Parteifreunden aus dem 2012, in dem es um die Neubesetzung des Postens der Vorsitzenden der Frauen-Union geht. In Antworten auf eine E-Mail Taubers wird eine mögliche Kandidatin als „pseudoengagiert“ bezeichnet, einer anderen wird bescheinigt: „Rein optisch wäre sie ein Gewinn.“ In seiner Reaktion distanzierte sich Tauber dem Bericht zufolge nicht von der Wortwahl seiner CDU-Kollegen.

Mobbing

Taubers Name wird auch genannt im Zusammenhang mit einer Mobbing-Affäre in seinem CDU-Heimatverband in Hessen. Unter dem Titel „Pflegehinweise für das Kaninchen“ kursierte dort im Jahr 2006 ein Plan, die damalige Geschäftsführerin der CDU im Main-Kinzig-Kreis von ihrem Posten wegzumobben. Gegenüber der „SZ“ räumte Tauber ein, das Papier gekannt zu haben. Er bestreitet demnach aber, den Text auch verfasst zu haben. SPD-Vizechef Thorsten Schäfer-Gümbel rief CDU-Chefin Angela Merkel auf, Tauber zur Aufklärung der Mobbing-Vorwürfe in seinem Kreisverband aufzufordern.

Twitter-Entgleisungen

Die sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla hat Parteikollegen innerhalb weniger Tage mit zwei umstrittenen Äußerungen auf Twitter gegen sich aufgebracht. Erst bezeichnete sie den früheren Chefredakteur der türkischen Oppositionszeitung „Cumhuriyet“ Can Dündar als „Cansel Dünnschiss“. Dann kritisierte Kudla die Flüchtlingspolitik der Regierung mit dem NS-Propagandabegriff „Umvolkung“. Parlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (CDU) kritisierte die Äußerungen scharf. Er will Kudla nun in einem direkten Gespräch zur Rede stellen. Über mögliche Konsequenzen soll im Anschluss entschieden werden. (Quelle: afp)

Die Zeitung zitiert aus einem Mail-Wechsel aus dem Jahr 2012 zwischen Tauber und fünf männlichen Parteifreunden. Tauber, der zu dem Zeitpunkt Bundestagsabgeordneter und CDU-Vorsitzender im Main-Kinzig-Kreis ist, schreibt demnach in die Runde: „Hallo Jungs, wir haben ein neues Problem: die Frauen Union. Es gibt derzeit niemanden, der den Vorsitz übernehmen will. Die Frage ist: ist das verzichtbar? Auf jeden Fall sollten wir das nicht an die große Glocke hängen.“

Der damalige Geschäftsführer der CDU-Kreistagsfraktion antwortet der „SZ“ zufolge, verzichtbar seien die Frauen „allemal“. Er schlägt dennoch eine CDU-Politikerin, die sei schließlich „so pseudoengagiert“. Ein weiterer Adressat nennt eine andere Kandidatin und fügt hinzu: „Rein optisch wäre sie ein Gewinn.“ Tauber distanzierte sich dem Bericht zufolge in dem Mailwechsel nicht von der Wortwahl. Der CDU-Generalsekretär äußerte sich am Dienstag auf AFP-Anfrage nicht zu dem Austausch.

Zuvor war Taubers Name bereits in Berichten über Mobbing-Vorwürfe in seinem CDU-Heimatverband genannt worden. Dort kursierte demnach im Jahr 2006 ein Plan, die damalige CDU-Geschäftsführerin im Main-Kinzig-Kreis von ihrem Posten wegzumobben. Gegenüber der „SZ“ räumte Tauber ein, das Papier gekannt zu haben. Er bestreitet aber, den Text auch verfasst zu haben.

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