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18.04.2012

17:29 Uhr

Sexismus, Rassismus, Antisemitismus

Wie ein Pirat seiner Partei Manieren beibringen will

VonAndreas Niesmann

ExklusivDer interne Streit der Piratenpartei eskaliert: In einem Blog werden sexistische Äußerungen von Parteimitgliedern dokumentiert. Kritiker nennen das eine „Pranger“, der Initiator spricht von einer „Verteidigungsreaktion“.

Luftballon mit Parteilogo der Piraten: harte Streitkultur. dpa

Luftballon mit Parteilogo der Piraten: harte Streitkultur.

DüsseldorfMarina Weisband hatte die Gefahr kommen sehen. Beim Parteitag der Piratenpartei in Offenbach hatte sich die politische Geschäftsführerin mit einer „persönlichen Bitte“ an die Parteimitglieder gewendet. Die Piraten sollten einander zuhören, sagte sie mit Blick auf die zum Teil harte Streitkultur ihrer Partei. „Reißt euch zusammen, streitet Euch weiter, aber tut es produktiv und tut es auf einer sachlichen Ebene“, appellierte die Chef-Piratin. „Wir sind hier keine Feinde.“

Wirklich nicht? Fast fünf Monate nach Weisbands Auftritt scheint es fast so, als seien die Piraten zerstrittener als je zuvor. Mitten im größten Höhenflug der Parteigeschichte und kurz vor der wichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen macht die Partei mit internen Querelen Schlagzeilen. Die Vorwürfe, die dabei von Mitgliedern gegen Mitglieder erhoben werden, haben es in sich:  Rassismus, Sexismus und Antisemitismus.

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Die politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband, ist davon überzeugt, dass Parteien mit dem basisdemokratischen Konzept der Piraten schneller auf neue Herausforderungen reagieren können.

In einem Blog werden jetzt die schlimmsten Verbalentgleisungen von Parteimitgliedern dokumentiert. Viele Piraten verurteilen die öffentliche Zurschaustellung und wehren sich gegen den „Internet-Pranger“. Der Initiator der Aktion sieht das anders: Er spricht im Interview mit Handelsblatt Online von einer „Verteidigungsreaktion“.

Aber der Reihe nach.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die pirateneieigene Jugendorganisation, die vor knapp zwei Wochen einen geharnischten offenen Brief an die übrigen Parteimitglieder schrieb. Seit geraumer Zeit betrachte man die „Verhältnisse innerhalb der Piratenpartei mit großer Sorge und zunehmendem Ärger“, hieß es in dem Schreiben. Immer wieder würden Mitglieder der Partei durch „rassistische, sexistische, aber auch anderweitig diskriminierende Aussagen oder Verhaltensweisen“ auffallen, klagte der Piratennachwuchs und forderte eine kritische Auseinandersetzung mit dem Problem.

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Joachim Paul (@Nick_Haflinger), Spitzenkandidat der Piraten in NRW, stellte sich Mittwochabend in Düsseldorf den Fragen von @Oli_Stock (Chefredakteur Handelsblatt Online) und des Publikums. Das Protokoll zum Nachlesen.

Seither tobt in Foren und beim Kurznachrichtendienst Twitter eine heftige Debatte. Die einen finden, der Vorstoß der jungen Piraten gehe in die richtige Richtung, andere halten den offenen Brief für kontraproduktiv.

Keine gute Figur machte der Bundesvorstand, als er versuchte, das Thema klein zu reden. Die Jungpiraten würden die Sache „sehr vereinfacht und sehr einseitig“ darstellen, ließ sich der Vorsitzende Sebastian Nerz von „Spiegel Online“ zitieren. Der stellvertretende Piratensprecher Aleks Lessmann sagte, in jeder Partei gebe es „zehn Prozent Idioten“.

Kommentare (31)

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Rapid

18.04.2012, 17:54 Uhr

Es handelt sich hier um typische Kinderkrankheiten einer jungen Partei mit jungen Mitgliedern, die noch nicht alle die Spielregeln der pol. cor. mit der Muttermilch aufgesogen haben und meinen frei-Schnauze zu reden, sei schon ein Beitrag zur Politik und pol. Debatte. Sie werden lernen müssen, an ihren Aussagen zu feilen und so zu formulieren, dass das, was als pol. Anstand gilt, gewahrt bleibt. Als Angehöriger der Generation, der die 68iger Bewegung miterlebt hat, kann ich sagen, was seinerzeit an verbalen "Besonderheiten" produziert wurde, das Maß der heutigen "Entgleisungen" bei weitem überstiegen hatte.
Mein Ratschlag, "tiefer hängen" und nicht aus jedem Mondkalb einen Dinosaurier machen.
Danke

tawat

18.04.2012, 18:04 Uhr

Eine einstmals frische, junge Partei ... nun eben auch unterwandert von linken Gutmensch-Betroffenheitsidioten.
Wie die anderen 'etablierten' Parteien eben auch.
Siehe Bedingungsloses Grundeinkommen, um nur den Anfang o.g. Unterwanderung zu nennen.
Schade.

Holzauge

18.04.2012, 18:17 Uhr

"In einem Blog werden sexistische Äußerungen von Parteimitgliedern dokumentiert"

Das ist ja Big Brother mässig, voll uncool.

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