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13.02.2017

12:35 Uhr

Siebeneinhalb Jahre Haft für Ex-Chef des NRW-Baubetriebs

Hartes Urteil in spektakulärer Korruptionsaffäre

VonKathrin Witsch

Ende eines großen Skandals: Im Prozess um die Korruptionsaffäre bei Bauprojekten des Landes NRW ist der Ex-BLB Chef zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er wird noch im Gerichtssaal festgenommen.

Der ehemalige Geschäftsführer des Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein -Westfalen (BLB), Ferdinand Tiggemann, ist wegen Bestechlichkeit und Untreue zu sechs Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. dpa

Ferdinand Tiggemann verurteilt

Der ehemalige Geschäftsführer des Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein -Westfalen (BLB), Ferdinand Tiggemann, ist wegen Bestechlichkeit und Untreue zu sechs Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden.

DüsseldorfNach fast sechsjähriger Ermittlungsarbeit gibt es in der spektakulärsten Korruptionsaffäre seit Jahren in Nordrhein-Westfalen nun ein Urteil vom Düsseldorfer Landgericht: Der Ex-Chef des milliardenschweren landeseigenen Baubetriebs BLB, Ferdinand Tiggemann, ist wegen Bestechlichkeit und Untreue zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Die Richter des Landgerichts Düsseldorf gingen damit in ihrem am Montag verkündeten Urteil sogar über die Forderung der Staatsanwaltschaft von sechs Jahren Haft hinaus. Die Verteidiger hatten die Vorwürfe zurückgewiesen und Freispruch beantragt. Unmittelbar nach seiner Verurteilung wurde Tiggemann noch im Gerichtssaal verhaftet. Die Richter sahen Fluchtgefahr.

Die BLB-Affäre gilt als einer größten Skandale in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Es geht um eine Reihe verdächtiger Immobiliengeschäfte, um stark ansteigende Baukosten, schwarze Kassen und Korruption. Bei Grundstückskäufen und Bauprojekten sollen dem Steuerzahler Schäden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden sein. Das hatte der Landesrechnungshof festgestellt.

Öffentlich wurde der Verdacht bereits 2010 durch die Kostenexplosion beim Bau des NRW-Landesarchivs in Duisburg, bei dem die Kosten binnen drei Jahren von 30 Millionen auf 190 Millionen anstiegen. Die an den BLB zu zahlende Jahresmiete stieg von vier auf sechs Millionen Euro. Als es dann immer noch teurer wurde, zog irgendwann das Kabinett die Reißleine: Keine weitere Mieterhöhung, soll der damalige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gesagt haben. Trotzdem stiegen die Kosten weiter – auf jetzt rund 196 Millionen Euro. Das Land zahlt gut sieben Millionen Euro Miete.

Hinzu kommen weitere Fälle: Gelände für den Neubau einer Fachhochschule in der Landeshauptstadt, das Polizeipräsidium Köln, Schloss Kellenberg in Jülich, das ehemalige Landesbehördenhaus in Bonn und dem Justizzentrum in Düsseldorf - in dem Tiggemann jetzt ironischerweise auf der Anklagebank saß. Tiggemann wusste laut Ermittlern, dass das Land das Gelände für den Neubau erwerben wollte. Er informierte zwei Komplizen. Die schnappten dem Land das Gelände vor der Nase weg und ließen es sich dann viel teurer wieder abkaufen. Das Land zahlte drei Millionen zu viel.

Ein gängiges Muster beim Vorgehen des ehemaligen BLB-Vorsitzenden: Wenn sein Landesbetrieb ein Grundstück kaufen wollte, verriet er die Erwerbspläne. Ein anderes Bauunternehmen schnappte daraufhin dem Land das Areal vor der Nase weg, sodass das Land dem Dritten das Gelände zu einem höheren Preis wieder abkaufen musste. Den Gewinn sollen sich das Bauunternehmen und Tiggemann geteilt haben. Doch die Spuren von Bestechung und Korruption sind für die Ermittler schwer zu finden und nachzuzeichnen. Ein Indiz: Tiggemann verfügte über erstaunliche Mengen Bargeld, kaufte damit sogar ein Auto für 36.000 Euro.

Der 2012 eingesetzte Landtagsuntersuchungsausschuss kam zu dem Schluss, dass Tiggemann für die Missstände beim BLB verantwortlich sei. Er sei erhebliche Risiken eingegangen, habe Bedenken ignoriert und seine Entscheidungsfindung meist nicht dokumentiert, heißt es in dem 800 Seiten starken Abschlussbericht. Innerhalb der BLB sei er der „unantastbare“ Chef gewesen.

Kommentare (1)

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Herr Paul Kersey

13.02.2017, 12:47 Uhr

Freu mich schon auf eine Untersuchung zu den Kosten der Elbphilharmonie (700 Mio. statt 70 Mio.) Solche Projekte sind für bestimmte Leute doch Gelddruckmachinen.

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