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21.04.2016

17:29 Uhr

Sikh-Gebetshaus angegriffen

Polizei spricht von islamistischem „Terrorakt“

Zwei Jugendliche haben am Samstag ein Sikh-Gebetshaus in Essen angegriffen. Sie wurden festgenommen. Die Polizei geht davon aus, dass das Bombenattentat einen islamistischen Hintergrund hatte.

Nach einer Hochzeit haben die mutmaßlichen Täter den Sprengsatz zur Detonation gebracht. AP

Sikh-Tempel in Essen

Nach einer Hochzeit haben die mutmaßlichen Täter den Sprengsatz zur Detonation gebracht.

EssenFünf Tage nach einem Bombenanschlag auf ein Gebetshaus der Sikhs in Essen hat die Polizei zwei 16-jährige Salafisten unter Terrorverdacht festgenommen. Die Polizei vermutet, dass die beiden Jugendlichen nicht allein für die Bombenexplosion verantwortlich sind. „Wir gehen davon aus, dass noch weitere Festnahmen erfolgen werden“, sagte Essens Polizeipräsident Frank Richter am Donnerstag. Er nannte die Tat einen „Terrorakt“.

Dem NRW-Staatsschutz seien die beiden 16-Jährigen schon früher aufgefallen, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Nun werde geprüft, ob sie sich selbst radikalisiert hätten oder ob sie von Islamisten angeworben wurden. „Ob und wieweit das Ganze dschihadistisch motiviert ist, muss jetzt sauber ermittelt werden“, sagte Jäger.

Die beiden Jugendlichen sollen am Samstag nach einer indischen Hochzeit im Gebetshaus der Religionsgemeinschaft Sikh in Essen eine Bombe gezündet haben. Drei Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Er wird nach wie vor im Krankenhaus behandelt. „Es hätte sehr viel mehr passieren können, wenn sich zum Zeitpunkt des Anschlages noch Menschen in dem Gebäude befunden hätten“, sagte Polizeipräsident Richter.

Die beiden mutmaßlichen Täter seien in Deutschland geboren und groß geworden. „Ich finde es erschreckend, dass Menschen, die unter uns aufgewachsen sind, in der der Lage und bereit sind, Bomben zu bauen und Menschenleben Anderer zu gefährden“, sagte der Innenminister.

Anti-Terror-Forderungen in Deutschland und ihre Umsetzbarkeit

Schärfere Grenzkontrollen

Schon jetzt wird wieder kontrolliert – vor allem wegen des anhaltenden Flüchtlingsandrangs in Bayern. Nach den Attentaten lässt Innenminister Thomas de Maizière auch die Grenze zu Frankreich stärker überwachen sowie den Flug- und Zugverkehr.

Grenzschließung

Die Grenzen völlig dicht zu machen, gilt aber als unmöglich – niemand kann Tausende Kilometer grüne Grenze lückenlos überwachen, ohne neue Mauern und Zäune zu bauen. Letzteres will Kanzlerin Angela Merkel auf keinen Fall.

Verdächtige Islamisten lückenlos überwachen

Angesichts der benötigten Anzahl von Polizisten gilt das als unmöglich. Um nur einen „Gefährder“, der jederzeit einen Terrorakt begehen könnte, rund um die Uhr zu bewachen, sind laut Experten im Schnitt rund 40 Beamte nötig. Derzeit sind den Behörden 420 „Gefährder“ bekannt. Hochgerechnet bedeutet das, es müssten fast 17.000 Beamte allein für die Überwachung dieses Islamistenkreises eingesetzt werden.

Kommunikation möglicher Terroristen besser überwachen

Nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ stockt die Bundesregierung die Geheimdienste um fast 500 Stellen auf, ein Teil davon soll im Kampf gegen den Terrorismus eingesetzt werden. Der Bundesnachrichtendienst und das Bundesamt für Verfassungsschutz versuchen schon jetzt rund um die Uhr, mögliche Attentäter zu entdecken, wenn sie ihre Taten im Internet vorbereiten oder absprechen. Lückenlosen Schutz können aber auch solche Lauschaktionen nicht bringen – zumal sie in der öffentlichen Debatte höchst umstritten sind.

Einer der beiden Jugendlichen stellte sich in der Nacht zum Donnerstag selbst der Polizei. Der andere sei nach Hinweisen aus der Bevölkerung in seinem Elternhaus festgenommen worden, sagte der Polizeipräsident. Beide hätten die Tat teilweise eingeräumt, aber keine Angaben über ihr Motiv gemacht. Kurz nach dem Anschlag hatten die Ermittler erklärt, es gebe keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund.

Die Bundesanwaltschaft sei noch nicht mit dem Fall befasst, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Walther Müggenburg. „Wenn sich zureichende Anhaltspunkte für eine Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft ergeben, legen wir das zur Prüfung vor.“ Die Ermittlungen rund um den Anschlag gehen nach den Festnahmen weiter. Innenminister Jäger versicherte: „Der Fahndungs- und Ermittlungsdruck in NRW ist hoch.“

Von

dpa

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