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06.04.2016

16:37 Uhr

Silvester in Köln

Minister weist Vertuschungsvorwürfe zurück

In der Silvesternacht kam es zu hunderten Angriffen auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof. Einem Bericht zufolge wollte die Polizei später eine Vergewaltigung vertuschen. Das NRW-Innenministerium weist die Vorwürfe zurück.

Nach der Silvesternacht gingen bei der Staatsanwaltschaft mehr als 1100 Anzeigen ein – über 480 davon wegen einer Sexualstraftat. dpa

Diebstahl, Raub und sexuelle Nötigung

Nach der Silvesternacht gingen bei der Staatsanwaltschaft mehr als 1100 Anzeigen ein – über 480 davon wegen einer Sexualstraftat.

KölnDas NRW-Innenministerium hat Vertuschungsvorwürfe im Zusammenhang mit den massiven Übergriffen auf Frauen an Silvester in Köln zurückgewiesen. Der Zeitung „Express“ zufolge soll eine dem Düsseldorfer Ministerium untergeordnete Stelle versucht haben, auf eine Kölner Polizeimeldung nachträglich Einfluss zu nehmen. Ein Beamter der Landesleitstelle habe nach Erhalt eines brisanten Berichts über zahlreiche Raub- und Sexualdelikten am 1. Januar bei der Kölner Polizei angerufen, „um die Bitte zu übermitteln, die Meldung zu „stornieren“ bzw. den Begriff der „Vergewaltigung“ zu streichen“. Dies sei „ein Wunsch aus dem Ministerium“.

Das schreibt der „Express“ unter Berufung auf einen Polizeibeamten, auf interne Polizeivermerke und E-Mails. Die Kölner Polizei sei „standhaft“ geblieben. Das nordrhein-westfälische Ministerium reagierte am Mittwoch umgehend: „Das Innenministerium weist die Vorwürfe des „Express“ entschieden zurück.“ Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte auf Nachfrage von Journalisten in Düsseldorf, sie habe keinen anderen Sachstand als das Ministerium. Innenminister Ralf Jäger (SPD) habe den Sachverhalt „glaubhaft“ dargestellt und die Vorhaltungen zurückgewiesen.

Missbrauch in der Silvesternacht

Was ist über die Täter bekannt?

Bisher erstaunlich wenig. Zeugen und Opfer berichten - laut Polizei übereinstimmend - von Männern, die „dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum“ stammen. So hat es der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers auf der Pressekonferenz am Montag formuliert. Demnach soll eine Gruppe von Männern auf dem Domplatz gewesen sein, die meisten von ihnen zwischen 15 und 35. In kleineren Gruppen sollen sie Frauen umzingelt, sexuell belästigt und ausgeraubt haben, in einem Fall auch vergewaltigt. 90 Anzeigen gibt es bis Dienstagmittag. „Wir haben noch keine konkreten Täterhinweise“, sagt Heidemarie Wiehler von der Direktion Kriminalität.

Hatten sich die Männer vorab verabredet?

Die Polizei gibt auf diese Frage keine konkrete Antwort. Wenn aber so viele Taten nach einem so ähnlichem Muster verübt würden, liege die Vermutung nahe, dass die Täter in irgendeiner Form miteinander verbunden seien, sagt ein Polizeisprecher lediglich.

Wie war die Polizei aufgestellt?

Die Bundespolizei, die für den Bahnhof zuständig ist, war nach Angaben von Wolfgang Wurm, Präsident der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin, mit 70 Kräften vor Ort. Die Kölner Polizei hatte im Bereich Hauptbahnhof und Dom rund 140 Beamte im Einsatz. Einige davon wurden aus anderen Teilen der Innenstadt zum Bahnhof geschickt, als dort die Lage eskalierte. „Für den Einsatz, den wir voraussehen konnten, waren wir sehr gut aufgestellt“, sagt Wurm. Wie sich der Einsatz dann tatsächlich entwickelt habe, sei eine „völlig neue Erfahrung“ und „für uns nicht absehbar“ gewesen: „Dafür hätten wir sicherlich ein wenig mehr Kräfte benötigt.“

Wie konnte es trotz Polizeipräsenz zu so vielen Straftaten kommen?

Von den sexuellen Übergriffen und Diebstählen erfuhr die Polizei Wurm zufolge größtenteils im Laufe der Silvesternacht durch die wachsende Zahl von Anzeigen. Die Taten selbst hätten die anwesenden Polizeibeamten nicht beobachtet, weil diese sich in einer riesigen und unübersichtlichen Menschenmenge abgespielt hätten. Festnahmen habe es keine gegeben, weil Zeugen und Opfer die Täter im Getümmel nicht wiedererkannt hätten.

Was will die Polizei künftig anders machen?

Vor allem im Hinblick auf den bevorstehenden Karneval kündigt die Polizei an, die Einsatzkräfte bei Großveranstaltungen weiter aufzustocken, auch mit Zivilbeamten. Polizeipräsident Albers zufolge soll auch geprüft werden, ob bestimmte Bereiche stärker mit Videokameras überwacht werden. Über weitere Maßnahmen wollen Polizei und Stadt gemeinsam nachdenken.

In der Stellungnahme des Innenressorts heißt es, das Ministerium „hat am 1. Januar 2016 keinen Auftrag zur Stornierung der WE-Meldung des Polizeipräsidiums Köln zu den Ereignissen der Silvesternacht gegeben“. Auf Formulierungen sei ebenfalls kein Einfluss genommen worden.

In der Silvesternacht war es zu hunderten sexuellen Angriffen auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof gekommen, trotz Anwesenheit der Polizei. Die Täter sollen überwiegend Männer nordafrikanischer Herkunft gewesen sein.

Von

dpa

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