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11.01.2016

14:51 Uhr

Silvesternacht in Köln

„Terroristisches Attentat mit Testosteron“

Die rumänische Zeitung „Evenimentul Zilei“ geht davon aus, dass die Übergriffe in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof abgesprochen waren. Das Blatt setzt die Ereignisse mit einem terroristischen Attentat gleich.

Die Übergriffe in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof haben weltweit für Schlagzeilen gesorgt. dpa

Hauptbahnhof in Köln

Die Übergriffe in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof haben weltweit für Schlagzeilen gesorgt.

BukarestIn ihrem Kommentar vom Montag zeigt sich die konservative rumänische Tageszeitung „Evenimentul Zilei“ überzeugt, dass die Kölner Übergriffe in der Silvesternacht abgesprochen waren

„Eines der schlagendsten Argumente zugunsten der Theorie, dass die Ereignisse in Deutschland nicht zufällig waren, ist der Zettel mit den ins Deutsche übersetzten Beschimpfungen. (...) War der Idiot mit dem Zettel in der Hosentasche der einzige, der nicht Deutsch kann? Nein, eher war er eine Art Gruppenchef, der den Ton für die Rufe der anderen angab. Es geht hier natürlich nicht um tausend Terroristen, sondern um fast tausend dumme, brünftige Schafe und um ein paar Agitatoren, die genau wussten, was geschehen und was vermittelt werden sollte.

Stimmen zu den Übergriffen in Köln

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker...

... bezeichnete die Vorfälle im „Kölner Stadt-Anzeiger“ als „ungeheuerlich“. Es könne nicht sein, dass Besucher, die nach Köln kämen, Angst haben müssten, überfallen zu werden. „Wir können nicht tolerieren, dass hier ein rechtsfreier Raum entsteht“, sagte die parteilose Politikerin der Zeitung. Polizei und Bundespolizei seien „dringend gefordert“. Es müssten Schritte unternommen werden, um „insbesondere Frauen vor solchen Übergriffen zu schützen“. Möglicherweise müsse man auch die Video-Überwachung im Hauptbahnhof ausweiten.

NRW-Innenminister Ralf Jäger...

... (SPD) reagierte scharf auf die Ereignisse. „Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen“, zitierten der Kölner „Express“ und der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Dienstag) den Minister. „Deshalb ist es notwendig, dass die Kölner Polizei konsequent ermittelt und zur Abschreckung Präsenz zeigt.“

Die FDP-Landtagsfraktion...

... forderte, dass Innenminister Ralf Jäger im Innenausschuss Ende Januar Rede und Antwort zu den Übergriffen stehen müsse. „Wenn es selbst mit einem aufgrund der Silvesternacht bereits verstärkten Aufgebot an Einsatzkräften der Polizei nicht mehr gelingt, Straftaten mit Nachdruck zu unterbinden und Täter unverzüglich festzusetzen, gerät unser Rechtsstaat ins Wanken“, sagte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Marc Lürbke, laut Mitteilung.

Der GdP-Landesvorsitzende Arnold Plickert...

... sagte, erst als zwischen 1 und 1.30 Uhr bei der Kölner Polizei und Bundespolizei die ersten Anzeigen erstattet wurden, habe die Polizei von dem „massiven Vorgehen“ erfahren. Die Vorfälle hätten eine neue Qualität. „Das ist im Prinzip ein organisiertes Vorgehen, was wir da festgestellt haben“, sagte Plickert. Es müsse ermittelt werden, wie es eigentlich möglich gewesen sei, „dass diese Tausend nach Köln gekommen sind und sich da getroffen haben“.

Bundesjustizminister Heiko Maas...

... hat einen besseren Schutz vor Gewalt in den Städten verlangt. „Die feigen und abscheulichen Übergriffe werden wir nicht hinnehmen", erklärte er. „Das ist offenbar eine völlig neue Dimension organisierter Kriminalität." Alle Täter müssten ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen in unseren Städten blanker Gewalt schutzlos ausgeliefert sind."

Polizeipräsident Wolfgang Albers...

... bezeichnet die Vorfälle als „Straftaten einer völlig neuen Dimension. Es ist ein unerträglicher Zustand, dass mitten in der Stadt solche Straftaten begangen werden“, sagte er am Montag.

CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach...

... fordert eine Befassung des Bundestags mit den Gewalttaten in der Silvesternacht in Köln. „Es wäre sinnvoll, wenn sich der Innenausschuss des Bundestags mit den Vorgängen in Köln in der Silvesternacht beschäftigen würde, weil der Bahnhof und das Bahnhofsgelände in der Verantwortung der Bundespolizei liegt", sagte Bosbach der „Rheinischen Post". Die Bundespolizei sei dort für Gefahrenabwehr und die Aufklärung von Straftaten verantwortlich. „Im Bahnhofsumfeld ist die Landespolizei NRW zuständig. Es stellen sich zwei Fragen: Hatten wir genügend Kräfte und wie läuft die Kooperation zwischen Bundespolizei und Landespolizei?"

CDU-Politiker Jens Spahn...

... fordert einen erneuten gesellschaftlichen „Aufschrei“. „Wo ist eigentlich d #aufschrei, wenn es wirklich einen braucht? Bei Dirndlwitzen lautstarke Helden überall, jetzt aber betretenes Schweigen“, twitterte Spahn am Dienstag. Mit dem Hashtag #Aufschrei berichteten vor rund zwei Jahren Internetnutzer von Sexismus-Erfahrungen und Belästigungen im Alltag. Ausgelöst hatte die Debatte damals eine Dirndl-Bemerkung des FDP-Politikers Rainer Brüderle zu einer Journalistin.

Was haben sie vermittelt? Vor allem Misstrauen in die Behörden (...) und Angst in der Bevölkerung. Sie haben soziale Spannungen geschürt. Ihre Botschaft war, dass alle Führer des Landes unfähig, dumm und einfallslos sind. Diese Liste der Ängste und Spannungen entspricht genau den Botschaften jedes anderen terroristischen Attentats! Nur dass es diesmal nicht mit Sprengsätzen, Maschinengewehren oder Autobomben verübt wurde. Es war scheinbar ein Attentat mit Testosteron!“

Von

dpa

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