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07.03.2016

17:54 Uhr

Silvesternacht in Köln

Wer hat in Köln versagt?

VonNils Wischmeyer

Nach der Kölner Silvesternacht sprach die Kölner Polizei zunächst von einem „friedlichen“ Abend – und wurde dafür scharf kritisiert. Die frühere Polizeisprecherin musste am Montag vor einem Untersuchungsausschuss aussagen.

Die frühere Pressesprecherin der Kölner Polizei, Martina Kaiser, sagte am Montag vor dem Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags aus. dpa

Untersuchungsausschuss in Düsseldorf

Die frühere Pressesprecherin der Kölner Polizei, Martina Kaiser, sagte am Montag vor dem Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags aus.

DüsseldorfNoch bevor ihr die erste Frage gestellt wird, will die ehemalige Polizeisprecherin Martina Kaiser etwas loswerden: „Es ist für mich als Polizistin das Schlimmste, dass wir diese Straftaten ganz in unserer Nähe nicht mitbekommen haben. Das belastet mich“, sagt die 57-Jährige und fügt an: „Das hat etwas mit mir gemacht und das macht etwas mit mir.“ Dann nickt sie kurz - und die Befragung im Untersuchungsausschuss in Düsseldorf beginnt. Darin wird sich die Sprecherin verteidigen.

Die langjährige Leiterin der Pressestelle der Kölner Polizei war wegen einer Pressemeldung am Neujahrestag in die Kritik geraten. Darin heißt es, die Nacht sei „friedlich“ verlaufen, und dass die Polizei „gut aufgestellt war“. Diese Aussagen mussten später revidiert werden. Daraufhin traten sowohl der damalige Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers als auch Martina Kaiser zurück. Heute sagt Kaiser: „Wir haben die Lage falsch eingeschätzt.“

Am Montag nahm der Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtages zur Kölner Silvesternacht seine Arbeit auf. Die ersten zwei Zeugen wurden befragt. Der Untersuchungsausschuss soll vor allem die zentrale Frage klären, warum die Polizei die Opfer in der Silvesternacht nicht schützen konnte und ob es Defizite im Zusammenwirken von Landes- und Bundespolizei gab. In der Nacht zum 1. Januar 2016 war es am Kölner Hauptbahnhof zu massiven Übergriffen auf Frauen gekommen; die Polizei konnte dies nicht verhindern. Die Täter stammten laut Berichten von Augenzeugen vor allem aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum.

Martina Kaiser berichtete, wie es zu der umstrittenen Pressemitteilung am Neujahrstag kam. Sie sei kurz vor Mitternacht in der Silvesternacht angerufen und über die Räumung des Bahnhofsvorplatzes informiert worden, sagte die frühere Leiterin der Pressestelle. „Mir wurde gesagt, dass alles ruhig sei“, sagte sie.

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Bis zum nächsten Morgen, als die Pressemitteilung um 8:57 Uhr an die Medien rausging, habe sich an dieser Informationslage nichts geändert, sagte Kaiser. Sie habe weder Kenntnisse von den Übergriffen noch von anderen außergewöhnlichen Vorkommnissen erhalten. Ihr seien lediglich drei Sexualdelikte mitgeteilt worden. Kaiser: „Drei Delikte dieser Art sind in einer Stadt wie Köln nichts, was außergewöhnlich ist.“ In der Silvesternacht 2014 habe es ein Sexualdelikt gegeben.

Erst im Laufe des Neujahrstages habe sie erfahren, dass es immer mehr Anzeigen gebe, sagte Kaiser. Daraufhin bildete sich nach ihrer Aussage eine Ermittlungsgruppe. „Dann haben wir gewartet, bis weitere Informationen vorlagen.“ Dabei sei sie in ständigem Kontakt mit dem damaligem Polizeipräsident Wolfgang Albers gewesen und habe die weiteren Schritte - darunter ein Pressegespräch - geplant. Ab dem 4. Januar habe sie bei Anrufen von Medienvertretern über die Vorkommnisse am Bahnhof gesprochen, sagte Kaiser. Eine Pressemitteilung, die die Missstände benannte, sei am 8. Januar veröffentlicht worden.

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