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15.05.2013

12:45 Uhr

Sinkende Geburtenraten

Immer weniger Deutsche leben als Familie

Die Familie als Lebensform verliert an Bedeutung. Nur knapp jeder zweite in Deutschland lebt mit Eltern oder Kindern zusammen. Das ist der niedrigste Stand seit der Zählung. Besonders stark ist der Wandel im Osten.

Vater, Mutter, Kind: Eine Familie im Sinne der Statistik ist jeder Haushalt, in dem mindestens ein Elternteil mit Kind lebt. dpa

Vater, Mutter, Kind: Eine Familie im Sinne der Statistik ist jeder Haushalt, in dem mindestens ein Elternteil mit Kind lebt.

WiesbadenDeutschlands Gesellschaft wandelt sich mit den sinkenden Geburtenzahlen rasant. Nicht einmal mehr die Hälfte der Einwohner Deutschlands lebt in einer Familie. 49 Prozent der Bevölkerung lebten 2011 mit Eltern oder Kindern zusammen, das ist der niedrigste Stand seit 1996, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch berichtete. Damals habe der Anteil noch 57 Prozent betragen. Die Jahre zuvor sind wegen der unterschiedlichen Zählweise nicht vergleichbar.

Nach Bundesländern ergibt sich ein starkes Ost-West-Gefälle: In den östlichen Bundesländern leben nur noch 42 Prozent der Menschen in Familien, im Westen sind es 51 Prozent. Überall wurde ein Rückgang verzeichnet, am stärksten war er in Mecklenburg-Vorpommern mit 21 Prozentpunkten im Vergleich zu 1996. Dort lebten 2011 noch 42 Prozent der Menschen in Familien.

In den Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin ist der Anteil der Bevölkerung, die in Familien lebt, mit 40 bis 42 Prozent genauso niedrig. Am höchsten ist er in Baden-Württemberg und Bayern mit jeweils 53 Prozent und 51 Prozent in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Familienpolitische Leistungen und ihre Folgen

195 Milliarden pro Jahr

Die Förderung von Familie und Ehe lässt sich der Staat viel kosten. Die Förderung setzt sich aus 160 Einzelmaßnahmen zusammen und kostet nach den aktuellsten Zahlen 195 Milliarden Euro pro Jahr.

Kindergeld

Für das Kindergeld zahlt der Staat jährlich gut 33 Milliarden Euro aus - hinzu kommen weitere drei Milliarden Euro steuerliche Familienförderung.

Ehegattensplitting

Der Einnahmeverlust des Staates durch das Ehegattensplitting beläuft sich auf jährlich gut 20 Milliarden Euro. Vom Splitting profitieren sowohl Paare mit und ohne Kinder. Ökonomen kritisieren, das Ehegattensplitting biete Müttern einen Anreiz, eher weniger oder gar nicht zu arbeiten. Tatsächlich ist die Erwerbstätigenquote der Frauen in Deutschland relativ niedrig, und die durchschnittliche Teilzeit umfasst weit weniger Stunden als in den meisten anderen Industrieländern.
Unter den 34 OECD-Staaten ist Deutschland das Land, das am stärksten auf Steuervergünstigungen setzt: Hier entfällt rund ein Drittel aller Familienleistungen darauf - im OECD-Schnitt sind es nur zehn Prozent.

Monetäre Leistungen

Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung kosten den Staat 11,5 Milliarden, das Bafög für Studenten 1,6 Milliarden.

Krankenversicherung

Die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern und Jugendlichen bis 20 Jahren in der gesetzlichen Krankenversicherung kostet jährlich rund 15 Milliarden Euro. Die Summe wurde bisher vom Bund erstattet, weil es sich um „versicherungsfremde Leistungen“ handelt.
Die beitragsfreie Mitversicherung nichterwerbstätiger Ehegatten kostet weitere elf Milliarden Euro.

Elterngeld

2011 gab der Staat dafür 4,7 Milliarden Euro aus.

Kitas

Die Kinder- und Jugendhilfe kostete Bund, Länder und Gemeinden zuletzt rund 29 Milliarden Euro, fast 18 Milliarden davon entfielen auf die Kindertagesbetreuung.

Seit Jahrzehnten sinkt die Zahl der Geburten in Deutschland. 2011 war mit 663 000 der bis dahin niedrigste Stand erreicht. Im Rekordjahr 1964 waren in Deutschland 1,4 Millionen Babys zur Welt gekommen, mehr als doppelt so viele.

Zu Familien zählen die Statistiker Mütter und Väter – auch Stief-, Pflege- oder Adoptiveltern – und die mit ihnen in einem Haushalt zusammen lebenden minder- oder volljährigen Kinder. Ob die Eltern miteinander verheiratet sind, spielt keine Rolle. Auch Alleinerziehende mit Kindern sind für die Statistiker Familien. Basis der Zahlen ist der Mikrozensus, die größte jährliche Haushaltsbefragung in Deutschland und Europa.

Von

dpa

Kommentare (16)

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Prophet

15.05.2013, 14:10 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Hagbard_Celine

15.05.2013, 14:15 Uhr

Dem ist so, weil Frauen durch die Medien und die Politik vermittelt wird das sie wertlos sind wenn sie nicht den ganzen Tag im Hamster Rad der Wirtschaft laufen.

Unsere Politiker und Medien sind größten Teils Volksverweser die sich für alles mögliche einsetzten nur nicht das Wohlergehen des deutschen Volkes.

Wer zum Gemeinwohl beiträgt, dem gebührt Anerkennung und Respekt ob seine Leistung nun moneterisiert ist oder nicht.


Drangela

15.05.2013, 15:46 Uhr

Ja, so entwickelt sich eine Gesellschaft, deren Frauen unablässig eingeredet wird, dass Kinder kriegen und Mutter sein rückständig sei und in der Homosexuelle sogar steuerlich (!) gleich gestellt werden und eine Partei mit pädophilem Hintergrund heute als cool und hipp gilt. Ich frage mich manchmal, wo unsere Gesellschaft jetzt stünde, wäre dieser Wahnsinn schon vor 100 oder 200 Jahren zugelassen worden. In der Politik geschieht nichts zufällig. Erinnern wir uns doch an den Fall Eva Hermann, die, allen voran die geifernden Feministinnen, mit Schimpf und Schande aus der Medienlandschaft vertrieben wurde, weil sie es gewagt hatte die heutige Familienpolitik zu kritisieren. Die allseits propagierte, an Dekadenz grenzende Allestoleranz der westlichen Gesellschaften, die Negierung unserer christlichen Wurzeln und Werte, kann, so meine bescheidene Meinung, langfristig kein Vorteil sein.

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