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22.10.2013

11:49 Uhr

Sitzverteilung im Bundestag

Stühlerücken links von Merkel

VonAnnkathrin Frind

Die Union schluckt die FDP, bei den Grünen dürfen Schwerhörige nach vorn rücken und um die erste Reihe gab's Zoff: An der neuen Sitzverteilung im Bundestag zeigt sich ein Zusammenspiel von Etikette und Anarchie.

Umbau im Bundestag: Techniker haben in der vergangenen Woche Tische und Stühle montiert. dpa

Umbau im Bundestag: Techniker haben in der vergangenen Woche Tische und Stühle montiert.

DüsseldorfMein linker, linker Platz ist frei. Ließe sich Angela Merkel (CDU) heute zu diesem Satz hinreißen, würde die Bundeskanzlerin der SPD wohl nichts durch die Blume sagen wollen. Hinter dieser Aussage versteckt sich keine politische Botschaft an den möglichen Koalitionspartner. Bevor sie mit ihrem linken Partner weiter an der Großen Koalition tüftelt, kommen die Abgeordneten das erste Mal zusammen. Der neue Bundestag konstituiert sich, wählt das Präsidium – dann kann er mit der Arbeit loslegen.

Als politisch links gilt Volker Kauder nicht. Allerdings lässt er sich im Plenarsaal gerne links neben der Kanzlerin nieder. Treu zur rechten Seite steht, nein sitzt, der Kanzlerin Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe. Drumherum sucht sich Michael Grosse-Brömer, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU, noch einen von vier freien Plätzchen ganz vorne. Wer auf den drei weiteren Stühlen der ersten Reihe sitzen darf, sei „noch nicht ausbaldowert“, teilt die Fraktion mit.  

Fahrplan zur neuen Regierung

Dienstag, 22. Oktober

Der neu gewählte Bundestag kommt um 11 Uhr zur konstituierenden Sitzung zusammen. Um 17 Uhr erhalten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Mitglieder ihres schwarz-gelben Kabinetts die Entlassungsurkunden von Bundespräsident Joachim Gauck. Sie bleiben aber vorerst geschäftsführend im Amt.

Mittwoch, 23. Oktober

Nach getrennten Vorbesprechungen kommt eine große Runde von Union und SPD um 12 Uhr in der Berliner CDU-Zentrale zum Auftakt der Koalitionsverhandlungen zusammen.

Mittwoch, 30. Oktober

Vorgemerkter Termin für eine nächste Sitzung der großen Verhandlungsrunde, diesmal in der SPD-Zentrale.

November

Vorgesehen für Koalitionsverhandlungen in Arbeitsgruppen und in der großen Verhandlungsrunde von Union und SPD.

Donnerstag, 14. November

Vom 14. bis 16. November trifft sich die SPD zum Bundesparteitag in Leipzig.

Montag, 18. November

Der CDU-Bundesvorstand könnte ein Datum für einen Kleinen Parteitag (Bundesausschuss) festlegen, der über einen Koalitionsvertrag abstimmen soll.

Freitag, 22. November

Die CSU trifft sich in München zu einem zweitägigen Parteitag.

Voraussichtlich Anfang Dezember

Über ein Ergebnis von Koalitionsverhandlungen sollen die 470.000 Mitglieder der SPD abstimmen. Dies dürfte rund zwei Wochen dauern.

Begehrt sind sie, die 16 berühmtesten blauen Sessel der Republik – die in der der ersten Reihe. Wie viele davon welcher Fraktion zugewiesen werden, hat der „Vor-Ältestenrat“ – bestehend aus den Parlamentarischen Geschäftsführern der Fraktionen – in der vergangenen Woche verhandelt.

Ruhig bleibt's beim Kampf um die blauen Sessel der ersten Reihe nicht. „Da fliegen richtig die Fetzen“, sagt der Mitarbeiter eines Abgeordneten. Mit der Vergabe der Plätze hat der Vor-Ältestenrat aber nichts mehr zu tun. Das müssen die Fraktionen intern regeln. Einfach ist das nicht.

Aus drei mach fünf heißt es bei den Sozialdemokraten für die erste Reihe. Mit dem Mehr an Wählerstimmen, wächst auch die Zahl an Sitzplätzen ganz vorn. Mit SPD-Parteigranden wie Thomas Oppermann, parlamentarischer Geschäftsführer, und Parteichef Sigmar Gabriel – falls er nach einem Krankheitstag wieder gesund sein sollte – ist neben Steinmeier fest zu rechnen. In den Reihen dahinter gilt die Weisheit: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Grundsätzlich aber gilt: Die vorderen Reihen sind reserviert für die Parteiprominenz. „Ein Parlamentsneuling würde sich nie weit nach vorne setzen“, sagt ein SPD-Sprecher, „das würden die sich nicht trauen. Dafür haben sie zu viel Respekt.“ Falls doch ein SPD-Mann aus Versehen Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier den Platz wegschnappen würde, klärten ihn entweder die Parteikollegen oder die Plenarassistenten auf.

Kommentare (9)

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Tabu

22.10.2013, 12:18 Uhr

Ruhig bleibt’s beim Kampf um die blauen Sessel der ersten Reihe nicht. „Da fliegen richtig die Fetzen“, sagt der Mitarbeiter eines Abgeordneten.
—————-
Wie die Kesselflicker..
Und wehe einer tanzt aus der Reihe und nimmt sich z.B.
Steinmeiers Platzhirschstuhl..hehe
Aber wie sagt es ein SPD Sprecher..dem wird dann
schon wegen Respektlosigkeit Bescheid gestossen.
Aber bisher,hätte das noch kein Neuling,je gewagt.

Im Kindergarten,geht es gesitteter zu.
Im Bundestag,wollen alle Sonnenkönige sein.
Und wehe nicht,dann siehe Text oben,fliegen die Fetzen.

Genau die Leute,von denen der Bürger unbedingt vertreten
werden will..Schwadroneure,Hassadeure,paar Psychopathen,
Bankrotteure,eitle Flaneure,nochmal ein paar Psychos,
und dann sind da noch Gysi und Wagenknecht.

Ich hoffe die bringen den Laden in Stimmung.
Die einzigen,von denen ich mir Klartext erwarte.

Account gelöscht!

22.10.2013, 13:20 Uhr

Dann haben also Schweden, Norwegen, die Niederlande, Dänemark, Israel, Estland, Finnland, die Vatikanstadt – Grundgesetz des Staates der Vatikanstadt und Ungarn keine Verfassung, weil sie nur ein Grundgesetz haben?

Merkur

22.10.2013, 13:26 Uhr

Folgendes steht im Artikel:
"Treu zur rechten Seite steht, nein sitzt, der Kanzlerin Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe."
> Haben wir schon eine neue Kanzlerin, die Gerda Hasselfeldt heißt? Aber dann müsste es ja DIE Kanzlerin heißen. Oder hat da wieder mal jemand bei der Überprüfung des Artikels geschlafen???

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