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09.10.2013

17:19 Uhr

Skandal um Limburger Bischof

„Immenser Schaden für die Katholische Kirche“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer Skandal um den Limburger Bischof zieht immer weitere Kreise. Von einem „immensen“ Schaden für die Katholische Kirche spricht die Reformbewegung „Wir sind Kirche“. Das lässt auch die Berliner Politik nicht ungerührt.

Unter Dauerbeschuss: der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. dpa

Unter Dauerbeschuss: der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

BerlinAngesichts des Skandals um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst fordert die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ Konsequenzen für die künftige Ernennung von Bischöfen. „Limburg ist auch ein Signal an alle anderen deutschen Bischöfe: Es braucht eine stärkere Beteiligung des Kirchenvolkes an der Bischofsbestellung. Und die Bischöfe im Amt müssen noch viel von der Demut und Bescheidenheit des Bischofs von Rom, Papst Franziskus lernen, wenn sie glaubwürdig die Kirche vertreten wollen“, sagte der Sprecher der Laienorganisation, Christian Weisner, Handelsblatt Online.

Weisner sieht durch den Limburger Skandal-Bischof den Ruf der gesamten Katholischen Kirche in Mitleidenschaft gezogen. „Der Schaden für das Ansehen der katholischen Kirche ist immens und besonders bedauerlich, da mit Papst Franziskus die katholische Kirche endlich wieder aus den negativen Schlagzeilen gekommen ist“, sagte er. „Auch wenn es zu einem Rücktritt oder gar einer Amtsenthebung kommt, wird es lange dauern, bis die Wunden im Bistum wieder verheilt sein werden.“

Warum Bischöfe nicht mehr ihres Amtes walten

Amtsverzicht

Laut Kirchenrecht kann ein katholischer Bischof nicht eigenmächtig von seinem Amt zurücktreten. Er benötigt in jedem Fall die Zustimmung des Papstes.

Amtsverzicht aus Altersgründen

Im römisch-katholischen Kirchenrecht heißt es:

§1. „Ein Diözesanbischof, der das 75. Lebensjahr vollendet hat, wird gebeten, seinen Amtsverzicht dem Papst anzubieten, der nach Abwägung aller Umstände entscheiden wird.“

Amtsverzicht aus einem schwerwiegenden Grund

Im Kirchenrecht heißt es weiter unter §2:

„Ein Diözesanbischof, der wegen seiner angegriffenen Gesundheit oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund nicht mehr in der Lage ist, seine Amtsgeschäfte wahrzunehmen, wird nachdrücklich gebeten, den Amtsverzicht anzubieten.“

Ein solcher Amtsverzicht wird allerdings nicht zwangsläufig vom Papst angenommen. Ein „anderer, schwerwiegender Grund“ lag beispielsweise beim Rücktritt von Walter Mixa als Folge von Misshandlungs- und Veruntreuungsvorwürfen vor.

Amtsenthebung

Für die Amtsenthebung ist ein Verfahren notwendig, dass mit einem schriftlichen Beschluss beendet wird. Für die Enthebung führt das Kirchenrecht drei mögliche Gründe an:

Den Verlust des Klerikerstandes, den öffentlichen Abfall vom katholischen glauben oder von der Gemeinschaft der Kirche und den Versuch, eine Ehe zu schließen.

Absetzung

Die Absetzung ist eine schwere Strafe.

Möglich ist auch, dass der Bischof in eine andere Diözese versetzt wird. Das kann auch gegen den Willen des Amtsinhabers erfolgen. Dazu muss ein schwerwiegender Grund vorliegen.

Den Vorwurf, die die Medien würden eine Kampagne gegen den Bischof fahren, hält Weisner für unbegründet. Die neuesten Kostenangaben zeigten vielmehr, dass die Sanierung des Bischofshauses ganz aus dem Ruder gelaufen sei. „Alle Kontrollmechanismen haben versagt oder sind vom Bischof und seinen schlechten Beratern außer Kraft gesetzt worden“, sagte der „Wir sind Kirche“-Chef.

Die Kosten für das gesamte Bauvorhaben in Limburg stiegen nach Bistumsangaben auf 31 Millionen Euro. Ursprünglich war ein einstelliger Millionenbetrag veranschlagt worden. Nach Bekanntwerden dieser Kostenexplosion wurden zahlreiche Rücktrittsforderungen gegen den Bischof laut.

Der Vorgang beschäftigt inzwischen auch die Politik. „Die exorbitanten Kostensteigerungen beim Bau der neuen Limburger Bischofsresidenz werfen zweifellos schwerwiegende Fragen auf“, sagte der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz Handelsblatt Online.

„Eine Diskrepanz zwischen den enormen Ausgaben für den Neubau der Limburger Bischofsresidenz und den vom neuen Papst eingeschlagenen Weg der Bescheidenheit ist offensichtlich.“ Vor diesem Hintergrund wünsche er den Verantwortlichen „Kraft und Mut diese schwierige Situation zu überwinden und den reformorientierten Kurs des neuen Papstes auch innerhalb der Katholischen Kirche in Deutschland um- und fortzusetzen“.

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

09.10.2013, 17:29 Uhr

Er ist überfordert und/oder krank und/oder gierig.

Alles keine geeignete Eigenschaft für einen Bischof !

Rücktritt oder Entlassung !!

Account gelöscht!

09.10.2013, 17:38 Uhr


Rettet seine "korrupten Aussenstände" mit lokaler Republik-ESM und alle lehnen sich friedlich vergessend im Sessel zurück.
Wie Flughafenprojet etc, beispielhaft für diese so funktionierende Republik.

Keine Kontrollmechnanismen, kein Anstand, keine Vernunft, keine Bremsklötze.
Nur Schweiger. Oder dumme Sprüch.

Gott_ist_ein_Reicher

09.10.2013, 18:07 Uhr

Leider gibt es keinen Gott, auch wenn wir dafür bezahlen!!!
Wenn es denn einen geben würde, wie würde dieser Gott den Nimmersatt den bremsen?

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