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29.07.2013

13:58 Uhr

Skandaldrohne

Industrie verteidigt „Euro Hawk”

Die Rüstungssparte Cassidian kann den Verkaufsstopp der „Euro Hawk”-Drohne nicht nachvollziehen. Eine Verwendung für andere Zwecke ist noch nicht abzusehen. Die Drohnen haben bereits hunderte Millionen Euro gekostet.

Wird in absehbarer Zeit nicht serienmäßig fliegen: Der „Euro Hawk”. dpa

Wird in absehbarer Zeit nicht serienmäßig fliegen: Der „Euro Hawk”.

BerlinIm scharfen Gegensatz zur Einschätzung der Fachpolitiker hat die Industrie den Stopp des Drohnen-Programms „Euro Hawk“ als unnötig kritisiert. Der Chef der EADS-Rüstungssparte Cassidian, Bernhard Gerwert, nannte die Entscheidung gegen eine serienmäßige Beschaffung der Aufklärungsdrohne am Montag im Untersuchungsausschuss des Bundestags nicht nachvollziehbar. Cassidian stellt die Aufklärungstechnik „Isis“ für die Drohne.

Eine Weiterverwendung in einem anderen Flugzeug, wie sie vom Verteidigungsministerium angestrebt wird, hält Gerwert noch nicht für gesichert. „Ob alternative Träger dazu genutzt werden können, kann ich zumindest heute nicht sagen.“ Gerwert kritisierte auch das Verhalten des Verteidigungsministeriums gegenüber der Industrie beim Abbruch des Projekts. „Ich habe das aus der Zeitung erfahren“, sagte er. Das sei „schon etwas Besonderes“. Seiner Darstellung zufolge hat es vor der Entscheidung auch keinen Versuch des Ministeriums gegeben, das Projekt in Gesprächen mit den Herstellern zu retten. „Es gab kein einziges Verhandlungsgespräch zwischen mir und den Staatssekretären zu dieser Problematik.“

Das US-Unternehmen Northrop Grumman forderte das Bundesverteidigungsministerium zur Zusammenarbeit auf, um die Skandal-Drohne „Euro Hawk“ doch noch zu retten. „Wir stehen weiter voll hinter dem Programm“, sagte Vizepräsident Janis Pamiljans am Montag vor dem Drohnen-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Er widersprach der Schätzung des Ministeriums, dass für eine Zulassung der Aufklärungsdrohne für den deutschen Luftraum bis zu 600 Millionen Euro zusätzlich fällig würden. Stattdessen gehe es um 160 bis 193 Millionen Euro. Eine Garantie, dass dieser Preisrahmen nicht gesprengt würde, wollte er aber nicht geben.

Euro-Hawk-Pleite

Kosten

Projektkosten: etwa 600 Mio. Euro (Quelle: Steuerzahlerbund)

Infrastruktur

Infrastruktur im Wert von 36,5 Mio. Euro wird seit 2011 auf dem Flugplatz Jagel vorgehalten

Nachrüstung

Keine Zulassung des Eurohawk für den Luftverkehr, Kosten für die Nachrüstung: 500 bis 800 Mio. Euro

Projektende

Projekt beendet: keine weitere Beschaffung vorgesehen

Northrop Grumman hat die Drohne „Euro Hawk“ zusammen mit dem europäischen Konzern EADS entwickelt. Das US-Unternehmen stellt den unbemannten Flieger, EADS die Aufklärungstechnik. Die Aufklärungstechnik soll nun in ein anderes Flugzeug integriert werden. Pamiljans sagte, dies würde teurer werden als eine „Euro Hawk“-Beschaffung und eine erhebliche Verzögerung von bis zu zehn Jahren bedeuten. „Wir glauben, dass der "Euro Hawk" das System ist, das zu den geringsten Kosten führt.“

Das Verteidigungsministerium hatte sich gegen eine serienmäßige Beschaffung des „Euro Hawks“ entschieden, nachdem bereits 668 Millionen Euro in die Entwicklung geflossen waren. Grund waren massive Probleme bei der Zulassung für den deutschen Luftraum und eine erwartete Kostensteigerung von 500 bis 600 Millionen Euro.

Gerwert hält diese Schätzung für überzogen. „Ich kann die Zahl 500 bis 600 (Millionen) nicht nachvollziehen. Ich kann die Zahl 200 (Millionen) nachvollziehen.“ Auf etwa 200 Millionen schätzt das US-Partnerunternehmen Northrop Grumman die Mehrkosten für die Erstellung von Zertifikaten, die für eine Zulassung notwendig sind. Northrop Grumman stellt den unbemannten Flieger her, der im Original ohne die „Isis“-Technik „Global Hawk“ heißt. Am Montag sollte auch der für unbemannte Systeme zuständige Vizepräsident des Unternehmens, Janis Pamiljans, den Abgeordneten Rede und Antwort stehen.

Kommentare (7)

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nunja

29.07.2013, 11:35 Uhr

Wäre man schlecht erzogen, könnte man von einer Verteidigungsindustrie reden.
Aber sowas macht ja keiner.

Account gelöscht!

29.07.2013, 11:39 Uhr

"Skandaldrohne"?

Bei Drohnen sind wir erst am Anfang einer Entwicklung, gleich ob zivil oder militärisch, die nicht aufzuhalten ist.

Der Skandal ist nicht die Drohne, sondern das Unvermögen der Bürokratie und Politik, diese neue Technologie zu integrieren.

btw

29.07.2013, 11:47 Uhr

Und:

Der Skandal bleibt, dass in einem Gemeinwesen nie darüber diskutiert wird, ob eine Technologie überhaupt wünschenswert sein kann, und wer in einem Land von Hochtechnologien, wie sie skizziert werden, überhaupt noch ein lebenswertes Leben führen kann.

Drohnen als Demokratieregulativ?

Wer will sowas schon besprechen wollen...

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