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17.01.2014

15:00 Uhr

Social-Media-Experte Faas

„Das Internet vergisst nichts“

VonDietmar Neuerer

ExklusivImmer mehr Politiker nutzen Twitter oder Facebook für die Verbreitung ihrer Botschaften. Warum diese Form der Kommunikation nicht nur neue Chancen eröffnet, erklärt der Mainzer Politikwissenschaftler Faas im Interview.

Thorsten Faas ist Professor für Politikwissenschaft im Bereich Empirische Politikforschung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. PR

Thorsten Faas ist Professor für Politikwissenschaft im Bereich Empirische Politikforschung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Handelsblatt Online: Überrascht es Sie, dass sich Social Media als zusätzliche Form der Kommunikation offenbar nun auch in der Politik, vor allem bei Ministern, immer mehr durchsetzt?

Thorsten Faas (bei Twitter: @wahlforschung): Nein, überhaupt nicht. Auch früher haben sich in der politischen Kommunikation neue Kanäle etabliert, man denke nur an das Fernsehen. Interessant wird allerdings zu sehen sein, was sich ändert: Werden die Bindungen zwischen Wählern und Gewählten dadurch enger? Oder wird es ein „inner circle“ bleiben, der untereinander kommuniziert – via Twitter etwa.

Was macht den besonderen Reiz aus, Social-Media-Kanäle für die politische Kommunikation zu nutzen?

Zunächst einmal schafft es Möglichkeiten für Politiker, mit den Bürgerinnen und Bürgern direkt in Kontakt zu treten - an klassischen Medien vorbei. Teilweise sind die Followerzahlen ja auch beachtlich. Theoretisch eröffnen sich hier auch Rückkanäle, die es bisher nicht gab. Inwieweit die aber genutzt werden und sich etablieren, wird man erst sehen müssen.

Wie steht die deutsche Politik in Bezug auf die Nutzung von Facebook, Twitter oder YouTube im Vergleich zu anderen Ländern da?

Grundsätzlich sieht das nicht schlecht aus, das zeigen ja auch die regelmäßig durchgeführten Studien zur Anzahl von Accounts und Tweets etwa. Der oder die nächste Kanzlerin wird sicher auch twittern. Und außerdem ist Twitter inzwischen auch hierzulande ein zitierfähiger Kanal, der von vielen Seiten – und eben auch von klassischen Medien – beobachtet wird.

Wofür eignen sich die diversen Web-2.0-Plattformen? Was bringen sie der Politik?

Kontrolle über die eigene Darstellung mit beachtlicher Reichweite in die Bürgerschaft hinein und das alles noch in einem modernen und als modern und zeitgemäß geltenden Umfeld.

Ist bei Twitter & Co. überhaupt seriös Politik möglich?

Klar.

Über Twitter kann theoretisch jeder User in eine Debatte mit einem Politiker einsteigen. Ist das Instrument somit auch ein nützliches Mittel, um der Politikverdrossenheit zu begegnen?

Grundsätzlich ja. Aber zugleich muss man auch fragen: Wollen wir einen Politiker, der mehrere Stunden pro Tag in Twitter oder Facebook investiert? Auch in Zeiten neuer Medien braucht es eine „gesunde“ Mischung zwischen Politik-Herstellung und -Darstellung. Zu erwarten, dass der Kanzler in Twitter-Echtzeit auf einen an ihn adressierten Tweet reagiert, ist geradezu fahrlässig.

Was fasziniert Sie an Twitter oder Facebook?

Peter Tauber, CDU-Generalsekretär

Soziale Medien sind für mich eine tolle Möglichkeit, einer interessierten Personengruppe Inhalte zu vermitteln, die sie ansonsten nicht wahrgenommen hätte. Vor allem Twitter nutze ich gerne, denn es ist schnell, spontan, ungeschminkt und bisweilen frech. Die Kommunikation ist viel direkter, man kann gut Stimmungen und Meinungen aufnehmen – dem Volk aufs Maul schauen, wie Luther sagen würde.

Volker Beck, Grünen-Innenexperte

Die Geschwindigkeit! Durch das Internet hat sich in den  letzten beiden Jahrzehnten das politische Tempo  unaufhaltsam erhöht und gleichzeitig neue Möglichkeiten  der Transparenz geschaffen. Zum einen können wir nun bei  Protesten in Kiew oder Istanbul oder politischen Debatten  auf Parteitagen der Konkurrenz live dabei sein. Zum anderen werden auf YouTube zum Beispiel Übergriffe der Polizei oder Gräueltaten in Bürgerkriegen dokumentiert und keiner kann mehr behaupten, er habe davon nichts gewusst.

Michael Grosse-Brömer (CDU), Unions-Fraktionsgeschäftsführer

Die direkte und schnelle Art der Kommunikation.

Ralf Stegner, SPD-Vize

Social Media ist heute weder exotisch noch faszinierend, sondern hat sich als fester Bestandteil politischer Kommunikation etabliert.

Dorothee Bär, CSU-Internet-Staatssekretärin

Dass sie sowohl die Kommunikation aber auch die Verfügbarkeit von und den Umgang mit Informationen und Inhalten ganz unterschiedlicher Art völlig verändert haben.

Lars Klingbeil, SPD-Netzexperte

Der direkte und schnelle Austausch. Und zwar in beide Richtungen. In der Politik gibt es häufig formalisierte Abläufe der Kommunikation, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Online gibt es schnelle Reaktionszeiten und einen direkten Kontakt. Ich kann mitteilen, bekomme aber auch Ideen und schnelles Feedback. Das schätze ich an Twitter und Facebook. 

Volker Wissing, FDP-Präsidiumsmitglied

Soziale Medien wie Twitter und Facebook ermöglichen es jedem Politiker, unabhängig von den traditionellen Medien einen eigenen Zugang zu politisch interessierten Bürgerinnen und Bürgern aufzubauen.

Ulrich Kelber, SPD-Verbraucherstaatssekretär

Der unmittelbare, ungefilterte und schnelle Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern.

Malte Spitz, Grünen-Netzexperte

Ich freue mich über den direkten Austausch mit Menschen, die Niedrigschwelligkeit und Flexibilität die es bietet. Twitter ist für mich zu einem der wesentlichen Orte geworden wo ich Informationen und Hinweise auf spannende Artikel aus der ganzen Welt erhalte. Facebook bleibt bei mir immer weiter außen vor. Ich liebäugle schon länger damit mein Facebook Profil für meine politische Arbeit abzuschalten, da ich es wenig nutze und einen deutlich geringeren Mehrwert für mich darin sehe.

Johannes Kahrs, SPD-Chefhaushälter

Die Schnelligkeit und die Vielfalt der Informationen.

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