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23.02.2012

14:19 Uhr

Sonnenenergie

Kürzung der Solarförderung beschlossen

Nun ist es offiziell: Wie berichtet werden die Förderungen für Solarenergie gekürzt. Die Vergütung für neue Anlagen sogar um fast 30 Prozent. Umweltschützer und Unternehmen sind erzürnt.

Besonders für solche Großanlagen fließt weniger Förderung. dapd

Besonders für solche Großanlagen fließt weniger Förderung.

BerlinNach langem Streit haben Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und  Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) heute eine gemeinsame Position zur Kürzung der Solarförderung und zur Energieeffizienz-Richtlinie der EU vorgelegt. Die Vergütung für Solarstrom soll demnach bereits ab 9. März erneut deutlich gekürzt werden. Für mehr Energieeffizienz will sich die Bundesregierung für konkrete Zielvorgaben einsetzen, die aber flexibel erreicht werden können.

Die Betreiber einer Solaranlage erhalten für ihren Strom über 20 Jahre eine garantierte Einspeisevergütung. Finanziert wird dies über eine Umlage auf alle Stromverbraucher. Röttgen sagte, die Bundesregierung werde Zubaumenge und Kosten der Solarstrom-Förderung nun „wirksam begrenzen“.

Im Vergleich zum Jahr 2009 werden die Vergütungssätze demnach halbiert. Konkret sollen die Fördersätze für Anlagen, die ab dem 9. März neu installiert werden - je nach Größe -, um 20,2 Prozent bis 29 Prozent sinken. Zudem soll die Förderung ab 1. Mai monatlich weiter um 0,15 Cent pro Kilowattstunde sinken.

Außerdem soll bei Neuanlagen nur noch 90 Prozent des erzeugten Stroms nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet werden, bei kleinen Dachanlagen sogar nur 85 Prozent. Den Rest sollen die Erzeuger selbst verbrauchen oder vermarkten. Besitzer von Altanlagen sollen zudem verpflichtet werden, durch staatlich geförderte Umrüstungen zu mehr Netzstabilität beizutragen.

Die Solarunternehmen reagierten wütend. „Das ist ein Schlag ins Gesicht für uns“, sagte etwa First-Solar-Manager David Wortmann er Nachrichtenagentur Reuters. First Solar hat sich wie Phoenix Solar auf den Bau großer Solaranlagen auf freien Flächen spezialisiert. Vor allem diese Firmen sehen ihre Felle davonschwimmen, weil die Regierung bei Freiflächenanlagen besonders stark kürzt. Dieser Markt werde „abgewürgt“, konstatierte Phoenix-Solar-Chef Andreas Hänel und kritisierte die erneute Änderung der Rahmenbedingungen nach nur wenigen Wochen. „Verlässlichkeit und Vertrauensschutz scheinen in der Politik keine Bedeutung mehr zu haben.“

Jahrelang haben die Solarfirmen von der staatlichen Förderung der Erneuerbaren Energien besonders profitiert, nun fürchten sie um Arbeitsplätze und die Technologieführerschaft. „Die Umsetzung der radikalen Kürzungen haben existenzielle Auswirkungen auf die Solarindustrie in Deutschland“, erklärte SMA -Chef Pierre-Pascal Urbon. Davon werde auch sein Konzern mit 5.000 Beschäftigten betroffen sein.

First Solar hatte bereits Anfang des Monats für 1.200 Mitarbeiter in den beiden Werken in Frankfurt/Oder Kurzarbeit beantragt. Erst im Herbst hatte die Tochter des größten amerikanischen Solar-Modulherstellers das zweite Werk in Betrieb genommen. Inwieweit der deutsche Standort nun wackelt, wollte Wortmann nicht sagen.

Kommentare (19)

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vandale

23.02.2012, 14:50 Uhr

Die Sonneneinstrahlung ist unzureichend um diese für eine industrielle Stromerzeugung auf der Erde nutzen zu können. Das wechselhafte Wetter in D macht den erzeugten Strom zu einem ziemlich wertlosen Zufallsstrom, Wert 1c/kWh, Subvention aktuell 24c/kWh.

Die Politiker lieben es Lasten in die Zukunft zu verschieben und so werden die Subventionen für die sachlich gesehen nutzlosen, umweltschädlichen Solarzellen über 20 Jahre verteilt. Die Solarzelle des Jahres 2005 erhält Subventionen bis 2025, die des Jahres 2010 bis 2030. Aufgrund der steigenden Installationszahlen steigen die Subventionen steil an. Ohne Dämpfung würden diese Subventionen schnell ins Unendliche steigen.

Somit ist es im Sinne der "Solarunternehmer" (meist in China beheimatet) und der Oekobranche weise die Subventionen regelmässig ein wenig zu kürzen um das System nicht in den Zusammenbruch zu führen.

Wünschenswert wäre anstelle der geringfügigen Kürzungen eine Regelung, dass die Oekogläubigen ihre Solarzellen selber bezahlen und nicht die Allgemeinheit in der viele Menschen anderen Glaubensrichtungen anhängen.

Aus Umweltgründen wäre es sinnvoll wenn man zumindest die CdTe Zellen verbieten würde. Anstelle dessen könnte man buntes strukturiertes Glas auf den Dächern befestigen. Dieses könnten die Gläubigen dann symbolisch anbeten.

Vandale

sgk_10

23.02.2012, 16:02 Uhr

@ Vandale
Solarenergie ist mit Kosten von 0.15-0.20 €/kWh bereits heute günstiger als Strom aus dem Netz.
Solarenergie ist eine dezentrale Energie, die es ermöglicht Strom verbrauchsnah zu erzeugen. Zudem kann der Strom selbst verbraucht werden, wodurch der Strombedarf gesenkt wird.
Dies ist EON und RWE bekannt und daher ein Dorn im Auge. Daher muss aus deren Sicht die PV, die gerade im Durchbruch ist, akut beseitigt werden.
Atomenergie wurde bisher mit 200 Mrd. Euro gefördert. Die durch den Staat bezahlten Endlager für den Strahlungsabfall werden in den nächsten 100.000en Jahren eine noch hohe Menge Geld verschlingen.
Die Steinkohleenergie wurde bisher mit mehreren Mrd. Euro pro Jahr gefördert.
90% aller Solarzellen bestehen aus Silizium, welches ungfitig ist und aus Sand gewonnen wird. Silizium ist das zweithäufigste Element in der Erdkruste und damit unendlich verfügbar.
Vor einem Jahr wurde die Energiewende als poltisches Ziel posthuliert. Mit dem heutigen Tag zeigt sie abermals, wie unglaubwürdig die politische Führung geworden ist.
Umfragen zeigen, dass über 94% der Bürger die Energiewende unterstützen und mehr als 60% bereit sind mehr zu zahlen, um diese zu beschleunigen.
Das Argument von Herrn Rösler, die Wirtschaft muss vor hohen Strompreisen geschützt werden ist falsch. Er selbst hat durchgesetzt, dass viele Betriebe von der EEG-Umlage befreit sind. Die Unternehmen profitieren sogar von den Erneuerbaren die dazu führen, dass der Strompreis an der EEX stark fällt.
Solarenergie ist in Deutschland mit 1000-1200 kWh/m²/y verfügbar. In den sonnenreichsten Gebieten der Erde ist diese mit etwa 2400 kWh/m²/y (Chile) lediglich um den Faktor 2 größer. Sonnenenergie ist also sehr homogen auf der Welt verteilt und überall kostenlos verfügbar.

vandale

23.02.2012, 16:26 Uhr

Hallo Sgk 10...Grundsätzlich sollten Sie, sofern Sie Ihren eigenen Aussagen Glauben schenken, die Abschaffung der staatlichen Solarsubventionen unterstützen.

Vielleicht ein paar Korrekturen Ihrer Aussagen..

Solarstrom ist als Zufallsstrom denkbar ungeeignet für einen Eigenverbrauch. Ein Arbeitnehmerhaushalt verbraucht Strom am Morgen und am Abend, die Sonne scheint am ehesten Mittags. Somit können Sie etwa 10% des umweltschädlichen Stroms selbst nutzen.

Solarstrom ist auch denkbar ungeeignet für eine dezentrale Versorgung. Hierzu bedarf es schnell regelbarer Erzeuger, z.B. eines Dieselgenerators. Ueberschüssiger Oekostrom wird teilweise den Nachbarländern für Lau ins Netz gedrückt. Das ist nicht sehr dezentral.

Kosten von 15 - 20c/kWh liegen ein zig-faches über dem Wert des Solarstroms. Ein Vergleich der Erzeugerkosten von Solarstrom mit dem Haushaltsstrompreis inkl. Steuern, Vertriebskosten, Netzkosten, Regelenergie ist ökoreligiöse Selbstbeschwindelung.

Kernenergiesubventionen für die kommerzielle Kernenergie sind mir und anderen die sich mit der Thematik beschäftigen unbekannt. In der ökoreligiösen Literatur finden Sie allerdings beliebige Zahlen.

Gem. der Gesetzeslage müssen Kernkraftbetreiber für die Entsorgung ihrer Abfälle aufkommen. Die Versorger haben hierfür Rückstellungen gebildet. Ein Blick in einem nüchternen Augenblick in einen GB könnte helfen. Die technisch notwendigen Kosten liegen weit unterhalb der Rückstellungen. Gorleben Wallfahrten, "ungelöste" Endlagerfragen, eine Bergung des vorbildlichen Versuchsendlagers Asse und die hierdurch anfallenden Kosten sind Kosten der Oekoreligion.

Vandale

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