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14.10.2014

00:00 Uhr

Sorge um Air-Berlin-Allianz mit Etihad

CDU-Politiker attackieren Luftfahrtbundesamt

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Fluggesellschaft Etihad und ihr Partner Air Berlin steuern auf schwere Zeiten zu. Die Araber müssen auf 34 Flugverbindungen verzichten. In der CDU stößt die Entscheidung des Luftfahrtbundesamts auf scharfe Kritik.

Flugzeug der deutschen Fluggesellschaft Air Berlin auf dem Flughafen in Stuttgart (Baden-Württemberg): Kooperation mit Großaktionär Etihad in Gefahr. dpa

Flugzeug der deutschen Fluggesellschaft Air Berlin auf dem Flughafen in Stuttgart (Baden-Württemberg): Kooperation mit Großaktionär Etihad in Gefahr.

BerlinDass das Luftfahrtbundesamt (LBA) der staatlich kontrollierten arabischen Fluggesellschaft Etihad, die Großaktionär von Air Berlin ist, Flugrechte für Verbindungen von deutschen Flughäfen verweigert, stößt in der CDU auf harsche Kritik. Dabei geht es um sogenannte Code-Share-Rechte für Flüge, die zwar von der Air-Berlin-Flotte geflogen werden, aber zusätzlich eine Flugnummer von Etihad tragen und somit auch Etihad-Flüge sind.

„Da die Codeshares bisher stets genehmigt wurden, trifft die Entscheidung des Luftfahrtbundesamtes auf mein scharfes Unverständnis“, sagte der Generalsekretär der Berliner CDU, der Bundestagsabgeordnete Kai Wegner, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Air Berlin als zweitgrößtes deutsches Luftfahrtunternehmen unternehme große Anstrengungen, um sich in einem schwierigen Marktfeld zu behaupten. „Es ist bedenklich, wenn das Luftfahrtbundesamt der Fluggesellschaft jetzt Knüppel zwischen die Beine wirft.“

Scharfe Kritik kommt auch vom Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler. Er hält das Vorgehen der Bundesbehörde für wirtschaftlich fragwürdig. „Bei der zunehmenden Konkurrenz der Fluggesellschaften auf den Langstrecken wird es ohne Zusammenarbeit über Europa hinaus, langfristig keine ertragfähigen Geschäftsmodelle geben. Die Entscheidung des Luftfahrtbundesamts gefährdet Arbeitsplätze bei Air Berlin“, sagte Bäumler dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Das Luftfahrtbundesamt müsse nun erklären, warum in den letzten Jahren die betreffenden Codeshares genehmigt wurden.

Auch der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Steffel äußerte Kritik. „Die Kooperation zwischen Air Berlin und Etihad ist entscheidend für die Zukunft von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft“, sagte Steffel dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Das Verbot zahlreicher Code-Share-Flüge der beiden Fluggesellschaften durch das LBA erfülle ihn daher mit Sorge, besonders im Hinblick auf die vielen Arbeitsplätze. „Es muss daher alles unternommen werden, den Sachverhalt zu klären und das Verbot doch noch abzuwenden.“

Das Bundesverkehrsministerium nimmt bereits die früheren Genehmigungen für die nun vom Luftfahrt-Bundesamt untersagten Codeshare-Flüge unter die Lupe. In Regierungskreisen hieß es dazu am Sonntag, es werde nun geprüft, wieso die Genehmigungen zuvor erteilt worden waren.

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zufolge hätten die gemeinsamen Flugverbindungen der Fluggesellschaften nicht genehmigt werden dürfen. Das gehe aus einer Zusatzvereinbarung zu einem Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten hervor, berichtet das Magazin.

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