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24.04.2014

10:44 Uhr

„Sozialpolitische Ignoranz“

Sozialverband wirft Großer Koalition Untätigkeit vor

Der Paritätische Gesamtverband malt ein düsteres Bild der sozialen Lage in Deutschland: Er wirft der Politik Tatenlosigkeit vor und kritisiert die aktuellen Rentenpläne, die die Altersarmut nicht bekämpfen könnten.

Die Armutsquote hat laut Paritätischem Gesamtverband mit 15,2 Prozent einen Höchststand erreicht. Jeder zehnte Erwachsene gilt mittlerweile als überschuldet. dpa

Die Armutsquote hat laut Paritätischem Gesamtverband mit 15,2 Prozent einen Höchststand erreicht. Jeder zehnte Erwachsene gilt mittlerweile als überschuldet.

BerlinDer Paritätische Gesamtverband beklagt eine wachsende soziale Spaltung in Deutschland. In seinem am Donnerstag veröffentlichten Jahresgutachten 2014 wirft der Verband der Politik Passivität vor, „die bisweilen schon an sozialpolitische Ignoranz grenzt“. Die politischen Maßnahmen sowohl von Schwarz-Gelb als auch von Schwarz-Rot hätten so gut wie nichts dazu beigetragen, den Trend einer wachsenden sozialen Spaltung zu ändern.

Die Armutsquote habe mit 15,2 Prozent einen Höchststand erreicht. Dabei seien Erwerbslose (59,3 Prozent) und Alleinerziehende (41 Prozent) besonders armutsgefährdet, so die Studie. Es habe noch nie so viel Privatvermögen in Deutschland gegeben wie heute, aber auch noch nie so viele überschuldete Menschen. Jeder zehnte Erwachsene gelte mittlerweile als überschuldet.

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es nach Einschätzung des Verbands immer weniger klassische sozialversicherungspflichtige Vollzeit-Jobs. „Gute Arbeit“ werde immer seltener, das sogenannte Normalarbeitsverhältnis sei immer weniger normal, wird in dem Gutachten beklagt. Es habe noch nie so viele Erwerbstätige wie heute gegeben, aber auch noch nie mehr Minijobs. Aber nicht Arbeit um jeden Preis stärke den sozialen Zusammenhalt, vielmehr könne dieser nur wachsen, wenn „gute Arbeit“ zunehme.

Es ist das erste umfassende Gutachten des Paritätischen Gesamtverbands. Er will es künftig einmal im Jahr vorlegen und versteht es ausdrücklich als Gegenstück zum auf die Wirtschaft ausgerichteten Gutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Wirtschaftsweise“).

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An die große Koalition gerichtet hieß es, die Rente mit 63 sei ein Privileg für langjährige Versicherte über 50 und trage nichts dazu bei, Altersarmut zu bekämpfen und die Kluft zwischen Arm und Reich zu schließen. Die Einführung des Mindestlohns sei zu begrüßen. Er sei aber auch kein Instrument der Armutsbekämpfung. Eines der zentralen Ergebnisse des Gutachtens ist demnach: Noch nie sei im vereinigten Deutschland die Spanne zwischen Arm und Reich größer gewesen.

Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von Mitte März relativieren solche häufig gehörten Aussagen. „Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen im internationalen Vergleich verschiedener Sozialindikatoren gut da“, hieß es bei der OECD. Die verfügbaren Haushaltseinkommen seien in Deutschland in den ersten Jahren der Wirtschafts- und Finanzkrise (2007 bis 2010) stärker gewachsen als die Inflation.

Und die Einkommensungleichheit sei in den drei Staaten geringer als im Schnitt der OECD-Länder: Der Abstand zwischen den zehn Prozent der Bevölkerung mit dem geringsten und den zehn Prozent mit dem höchsten Einkommen sei in Deutschland mit dem Faktor 6,7 erheblich kleiner als im OECD-Mittel (Faktor 9,5).

Von

dpa

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

24.04.2014, 11:13 Uhr

Entsetzlich, dieses Umverteilungsgejammere. Kümmert Euch lieber um eine ordentliche Währung mit Sozialdividende!

Account gelöscht!

24.04.2014, 11:37 Uhr

"Düsteres Bild der sozialen Lage in Deutschland"
Diese Gutmenschen sollten sich mal im restlichen Europa bzw. dem Rest der Welt umschauen!
Hier in Deutschland gibt es für das "Nichtstun" mehr als in den meisten Ländern der Erde für mindestens (!) einen Vollzeitjob, von den sozialen Leistungen (Krankenversicherung!!!) mal ganz abgesehen!
Ich empfehle diesen Menschen, die ein "düsteres Bild" malen, ihren nächsten Urlaub ausserhalb Europas und ausserhalb der Urlaubsgebiete zu verbringen. Dann erfahren sie was ein wirklich düsteres Bild ist!
Es liegt der Gedanke nahe, dass hier nur "getrommelt" wird um noch mehr Geld für die Sozialkassen einzujammern, damit noch mehr für deren Verwaltung übrig bleibt!

Account gelöscht!

24.04.2014, 12:53 Uhr

Stimme voll zu. Abschaffen diesen Verband.

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