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10.06.2014

14:52 Uhr

Sozialverband kritisiert Ex-Bundespräsident

„Christian Wulff verhöhnt Hartz-IV-Bezieher“

ExklusivZwei Jahre nach seinem spektakulären Rücktritt als Bundespräsident meldet sich Christian Wulff zurück. In Berlin stellt er sein neues Buch „Ganz oben, ganz unten“ vor. Schon der Titel provoziert harsche Kritik.

Ex-Bundespräsident Christian Wulff: Der Jurist hat mit der Eröffnung einer eigenen Anwaltskanzlei in Hamburg längst begonnen, neue Weichen zu setzen. dpa

Ex-Bundespräsident Christian Wulff: Der Jurist hat mit der Eröffnung einer eigenen Anwaltskanzlei in Hamburg längst begonnen, neue Weichen zu setzen.

BerlinDer Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtverbands, Ulrich Schneider, hat Ex-Bundespräsident Christian Wulff für dessen Buch „Ganz oben, ganz unten“ scharf attackiert. Der Titel des Buchs sei „ein peinlicher Fehlgriff, der bestenfalls noch Kopfschütteln auslöst“, sagte Schneider Handelsblatt Online. „Ganz unten heißt im Fall des Ex-Bundespräsidenten 200.000 Euro Ehrensold pro Jahr bis zum Lebensende, Chauffeur und Büro - ein Standard, der für den Normalbürger völlig außerhalb jeder Reichweite liegt.“

Er gestehe dem Ex-Präsidenten zwar zu, dass er in seinem Renommee „sehr tief gefallen“ sei, sagte Schneider weiter. „Doch hätte Herrn Wulff bei der Wahl seines Titels auffallen müssen, dass Menschen, die wirklich „ganz unten“ sind, darunter über sechs Millionen Hartz-IV-Bezieher, sich geradezu verhöhnt fühlen müssen.“ Für alle anderen sei dieser Titel „zumindest ein weiteres Indiz dafür, dass sich Teile der Politik immer weiter von der Lebensrealität der Bevölkerung entfernen“.

Auch in Wulffs Partei, der CDU, regt sich Unmut. „Von Christian Wulf hätte ich bei der Auswahl des Buchtitels etwas mehr Sensibilität für die Lebenssituation anderer Menschen erwartet“, sagte der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, Handelsblatt Online. „Wir dürfen diejenigen Menschen, die wirklich ganz unten sind, nicht aus den Augen verlieren.“

Angesichts der vielen Zuwendungen, die Wulff nach seiner Amtsaufgabe zustehen, hält es Bäumler eine Debatte über eine Mindestsicherung für geboten. Der CDA-Vize forderte eine steuerfinanzierte Rente für Geringverdiener. Langzeitarbeitslose sollten zudem durch einen „sozialen Arbeitsmarkt“ wieder in die Gesellschaft integriert werden.

Christian Wulff: Ein Steckbrief

Geburt

Christian Wulff ist am 9. Juni 1959 in Osnabrück als Christian Wilhelm Walter Wulff geboren.

Ausbildung

Sein Abitur bestand Wulff 1980 mit der Note 1,9. Danach studierte Wulff bis 1986 Jura in seiner Heimatstadt Osnabrück.

Beruf

1990 Niederlassung als Rechtsanwalt in Osnabrück .

Partei

1975 CDU-Eintritt, 1978-1980 Bundesvorsitzender Schüler-Union, 1994-2008 Landesvorsitzender in Niedersachsen, seit 1998 stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender.

Abgeordneter

Von 1986 bis 2001 im Rat der Stadt Osnabrück, von 1994 bis 2010 im niedersächsischen Landtag

Wahlen

Niederlagen: 1994 und 1998 erfolglose Kandidatur gegen Gerhard Schröder (SPD) um das Amt des Ministerpräsidenten in Hannover.

Wahlsiege: 2003 Gewinn der Landtagswahl und Ministerpräsident Niedersachsens bis 2010, im gleichen Jahr wird Wulff im dritten Wahlgang zum Bundespräsidenten und somit zum Staatsoberhaupt gewählt.

Familie

Verheiratet: Von 1988 bis 2006 mit Rechtsanwältin Christiane; von 2008 bis 2013 mit Journalistin Bettina.

Kinder: aus erster Ehe Tochter Annalena (geb. 1993), gemeinsam mit Bettina Sohn Linus Florian (geb. 2008); Bettina Wulff hat aus früherer Beziehung Sohn Leander (geb. 2003).

Zuletzt betrugen die Ruhebezüge für Bundespräsidenten, der sogenannte Ehrensold, 199.000 Euro im Jahr - entsprechend dem Gehalt des amtierenden Bundespräsidenten. Grundlage ist ein Gesetz aus dem Jahr 1953. „Scheidet der Bundespräsident mit Ablauf seiner Amtszeit oder vorher aus politischen oder gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt aus, so erhält er einen Ehrensold in Höhe der Amtsbezüge mit Ausnahme der Aufwandsgelder“, heißt es darin.

Kommentare (40)

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10.06.2014, 11:30 Uhr

"Doch hätte Herrn Wulff bei der Wahl seines Titels auffallen müssen, dass Menschen, die wirklich „ganz unten“ sind, darunter über sechs Millionen Hartz-IV-Bezieher, sich geradezu verhöhnt fühlen müssen.“

Hartz-4 Bezieher sind mit Sicherheit nicht diejenigen, die ganz unten in der Gesellschaft sind. Ganz unten, sieht nochmal ganz anders aus.

Schneider versteht den Titel falsch- weil er ihn falsch verstehen will.

Account gelöscht!

10.06.2014, 11:37 Uhr

Wer wirklich Hart IV Bezieher verhöhnt,...

... sind die etablierten Parteien, die trotz 6 Millionen Harz-IV-Empfängern eine Masseneinwanderung auf Völkerwanderungsninevau (über 1 Million Migranten) zulassen, sowie Wirtschaftslobby-Verbände, deren neoliberale Think Tanks, Stiftungen, Organisationen u. Interessensvertreter in der Politik, die nach mehr und immer mehr Zuwanderung schreien,

... und dies ganze zutiefst unsoziale Politik auch noch mit der Lüge des "Fachkräftemangels" rechtfertigen versuchen, und damit Millionen Arbeitslose indirekt als zu zu faul oder zu ungebildet zum arbeiten diffamieren.

Das ist eine Politik der Verhöhnung und aktiven Schädigung der sechs Millionen Harz-IV-Empfängern.

Account gelöscht!

10.06.2014, 11:51 Uhr

Wenn ich mir die Hartz-IV-Bezieher, besonders die Berliner Spezies, anschaue, habe ich angesichts der ausgeprägten Leibesfülle und der Ausstattung mit elektronischen Medien überhaupt nicht den Eindruck, dass diese Herrschaften am Hungertuch nagen. "Verhöhnung" der Hartz-IV-Bezieher"? Herr Schneider versucht anscheinend auf Kosten von, Wulff Aufmerksamkeit zu erheischen. Dabei glaubt er die Oberempörer auf seiner Seite, nachdem Wulff schon nach allen Regeln der Kunst demontiert wurde.

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