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07.10.2014

11:44 Uhr

Sozialverband verteidigt Altkanzler

„So etwas geht nicht. Auch nicht mit Kohl“

Rückendeckung von ungewohnter Seite: Dass von Helmut Kohl nicht autorisierte Äußerungen über dessen politische Weggefährten öffentlich werden, findet der Sozialverband „einfach nur fies“. Das Buch wird heute präsentiert.

Altkanzler Helmut Kohl und seine Äußerungen: Die bisher geheimen Gesprächsprotokolle erschüttern die politische Landschaft. Reuters

Altkanzler Helmut Kohl und seine Äußerungen: Die bisher geheimen Gesprächsprotokolle erschüttern die politische Landschaft.

BerlinDer Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, hat in der Debatte um die umstrittenen Aufzeichnungen von Gesprächen mit Helmut Kohl Partei für den Altkanzler ergriffen. Er finde es „einfach nur fies“, dass der „Spiegel“ vorab über die „geheimen Gesprächsprotokolle“ zwischen Kohl und dem Journalisten Heribert Schwan berichtet hat. „Großes Krawallpotential. Großes Verkaufspotential“, schreibt Schneider auf seiner Facebook-Seite.

Das Buch Schwans mit den Äußerungen Kohls wird heute in Berlin präsentiert. „Die Kohl-Protokolle“ lautet der Untertitel, und gemeint sind damit Aufzeichnungen über 630 Gesprächsstunden des Altkanzlers mit dem damaligen Ghostwriter seiner Memoiren in den Jahren 2001 und 2002 – eigentlich mitgeschnitten auf Kassette. Zwischen beiden kam es aber zum Zerwürfnis und schließlich zum Rechtsstreit über die Frage, in wessen Hände die 200 Tonbänder gehören. Das Oberlandesgericht Köln sprach sie Kohl zu, Schwan will die Sache noch vor den Bundesgerichtshof bringen.

Vorher veröffentlicht er jetzt aber ein Buch, das auf Abschriften der Tonbänder beruht – und auch eine „Abrechnung“ Kohls mit Weggefährten darstellt, wie der „Spiegel“ formulierte. Das Magazin zitierte vorab mehrere Passagen, in denen Kohl in der Gemütsverfassung von 2001/2002 harsch über Parteifreunde urteilt – da hatte seine bis heute währende Weigerung, Namen anonymer Spender zu offenbaren, gerade zum offenen Bruch mit der CDU geführt. Im Visier stehen etwa sein langjähriger Arbeitsminister Norbert Blüm („Verräter“), Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker („hält sich für den Klügsten“) und auch Angela Merkel („hat keine Ahnung“), die Kohl in Kanzleramt und CDU-Vorsitz beerbte.

Kommentare (10)

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Herr Woifi Fischer

07.10.2014, 11:24 Uhr

Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, hat in der Debatte um die umstrittenen Aufzeichnungen von Gesprächen mit Helmut Kohl Partei für den Altkanzler ergriffen.
Es ist verwunderlich dass Herr Schneider in die Diskussion um Helmut Kohl einmischt, was hat Herr Kohl ihm in der Vergangenheit positives getan?
Will er für sich oder seinen Verband verbergen?
Herr Kohl war in seiner Regierungszeit nicht gerade als Sozial bekannt.
Also was will Herr Schneider???

Herr Peter Petersen

07.10.2014, 11:34 Uhr

Helmut Kohl war sicherlich vieles aber ganz sicher nicht fair. Hat jemand der über viele Jahre ein ganzes Volk verarscht hat das Recht auf faire Behandlung??

Herr Dietmar Nieder

07.10.2014, 11:35 Uhr

Ich finde nicht, dass sich Kohl selbst demontiert. Die Aussagen sind "uralt", Kohl selbst ist politisch nicht mehr tätig. Er hat die einmalige Gelegenheit zur Wiedervereinigung genutzt, das ist gut so. Dass dabei nicht alles richtig und gut durchdacht war, ist nicht ihm alleine anzulasten. Der durchschittliche Wessi, auch in der Politik, hatte keine Ahnung von der DDR. Ich war schon als Kind fast jedes Jahr für ein paar Wochen dort und hätte erwartet, dass sich nur Leute mit ähnlicher Sachkunde um das Zusammenwachsen kümmern. Trotz aller Fehler halte ich das Verdienst von Kohl in dieser Beziehung für überragend.
Die Äußerungen gegenüber anderen Politikern finde ich ehrlich. Ehrlichkeit fehlt leider in der Politik, deshalb ist sie erfrischend, selbst wenn ich anderer Meinung sein sollte. Lieber mit einem ehrlichen Gegner als einem hinterfotzigen Parteifreund.
Und von den heutigen Politikern halte ich allesamt fast nichts, also macht es nichts, dass die Bemerkungen von einem Altkanzler und nicht von einem Satiriker stammen. Erfrischend sind sie allemal.

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