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03.02.2014

17:09 Uhr

SPD-Chefhaushälter

Schwarzer soll komplette Steuerschuld begleichen

ExklusivDie SPD hält die Empörung der Frauenrechtlerin Schwarzer über die Enthüllung ihres Steuerbetrugs für scheinheilig und fordert, sie solle ihre späte Ehrlichkeit mit einer weiteren Steuernachzahlung unter Beweis stellen.

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer: Wegen Steuer-Beichte unter Druck. dpa

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer: Wegen Steuer-Beichte unter Druck.

BerlinDer Chefhaushälter der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Kahrs, hat Alice Schwarzer aufgefordert, ihre komplette Steuerschuld nachzuzahlen. „Wenn Frau Schwarzer sagt, dass sie einen Fehler gemacht hat und das von ganzen Herzen bedauert, warum zahlt sie dann nur die Steuern für die letzten zehn Jahre nach und nicht seit Anfang der 1980er Jahre? So wirkt ihr „Bedauern“ weder aufrichtig noch ehrlich“, sagte Kahrs Handelsblatt Online.

Schwarzer hatte sich am Sonntag dazu bekannt, seit den 80er Jahren ein Schweizer Konto gehabt und es erst im vergangenen Jahr beim Finanzamt angezeigt zu haben. Für die vergangenen zehn Jahre habe sie insgesamt etwa 200.000 Euro an Steuern nachgezahlt - plus Säumniszinsen.

Der Vize-Vorsitzende der SPD, Ralf Stegner, wies in diesem Zusammenhang die Empörung Schwarzers darüber, dass ihre Steuerhinterziehung und das heimliche Schweizer Bankkonto öffentlich geworden sind, als scheinheilig zurück. „Sie hat mit der Selbstanzeige wegen Verjährung finanziell gegenüber ehrlichen Steuerzahlern vermutlich immer noch einen guten Schnitt gemacht“, sagte Stegner Handelsblatt Online. „Dass sie sich jetzt als Opfer stilisiert und sich in eine Reihe mit wirklichen Opfern zu stellen versucht, hat den faden Beigeschmack der Selbstgerechtigkeit von einer selbst ernannten moralischen Instanz, die bei Attacken auf andere selten übertriebener Zimperlichkeit bezichtigt worden ist.“

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Vielleicht bedauere Schwarzer ja wie Uli Hoeneß weniger ihre Tat, „sondern vor allem den Umstand, dass der schwarz-gelbe Steuerhinterzieher-Begünstigungsdeal mit der Schweiz am rot-grünen Widerstand gescheitert ist“, sagte Stegner weiter und fügte hinzu: „Mitleid mit Steuerkriminellen - nein danke!“

Die Kritik der SPD kommt nicht von ungefähr. Denn die Chefin des feministischen Magazins „Emma“ hat sich gegenüber dem ehrlichen Steuerzahler tatsächlich einen Vorteil verschafft. Das Schweizer Konto führte sie nach eigenen Angaben seit den 80er Jahren. Dort habe sie ihr versteuertes Einkommen angelegt, ohne für Zinsen und Zinseszinsen die fälligen Steuern zu entrichten. Nachgezahlt hat sie aber nur für zehn Jahre, weil Steuerhinterziehung dann verjährt.

„Bombengeschäft für Schwarzer“, schrieb die „taz“. Ein Kommentar auf Twitter: „45 Jahre Zeigefinger, 30 Jahre Steuern hinterziehen, 20 Jahre steuerfrei, zehn bezahlen. Ich weiß auch nicht, wieso man Schwarzer kritisiert.“

Kommentare (21)

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Kaufmann

03.02.2014, 17:27 Uhr

Zitat A.S.:
"Frauen begnügen sich nicht mehr mit der Hälfte des Himmels, sie wollen die Hälfte der Welt."

kein Kommentar!

Wiebitte

03.02.2014, 17:28 Uhr

Zitat: "......das Steuergeheimnis verletzt worden, das ausdrücklich auch bei Steuerhinterziehung gelte."

Das darf ja wohl nicht wahr sein. Die Öffentlichkeit hat ja wohl das Recht zu erfahren wer sie betrügt?
Wer das fürchtet: Wie wärs mit ehrlich bleiben?

RBern

03.02.2014, 17:30 Uhr

Es ist alles so einfach:

Wer das Maul weit aufreisst, wird später von der Öffentlichkeit härter behandelt, das gilt nicht nur für Steuerdelikte.

Auch Gewerkschaftsführer, die gegen jeden Aktionär schimpften, aber als Aufsichtsratsmitglied ihr Insiderwissen ausnutzten - um mal schnell einige hunderttausend DM zu machen - wurden in der Vergangenheit zu Recht geächtet.


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