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06.08.2013

10:25 Uhr

SPD gegen „Veggieday“

„Jetzt geht es um die Wurst“

Ein fleischloser Tag in deutschen Kantinen? Für die Grünen einen gute Sache. Doch nicht nur SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück distanziert sich von dem Vorschlag – Widerspruch kommt auch aus der Lebensmittelbranche.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hält nicht so viel vom Vorstoß der Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hält nicht so viel vom Vorstoß der Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt.

BerlinDie Grünen stoßen mit ihrer Idee eines fleischlosen Tags in den Kantinen nun auch auf massiven Widerstand beim potenziellen Koalitionspartner SPD. Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, erteilte für den Fall einer rot-grünen Regierungsübernahme der Grünen-Idee eine klare Absage. „Ich weiß nicht, was die Freunde von den Grünen geritten hat, aber zwischen Werben und Zwang besteht ein unterschied. Kein Gesetzgeber hat mir vorzuschreiben, ob ich fleischlos oder etwas mit Fleisch esse“, sagte Kahrs Handelsblatt Online. „So einen Unsinn wird es mit der SPD nicht geben.“

Jeder Mensch entscheide selbst, wie er sich ernährt. „Man kann Tipps geben, Gefahrstoffe verbieten, aber Gängelung geht nicht“, sagte Kahrs weiter. „Es kann gerne überall auch fleischlose Gerichte geben, aber die Wahlfreiheit muss gegeben sein. Was ich wann esse, entscheide ich selber.“

Nach den Vorstellungen der Grünen soll ein sogenannter Veggieday in den Kantinen einmal in der Woche an die Tradition eines fleischlosen Freitags anknüpfen und die Gesundheit sowie den Tier- und Klimaschutz fördern. Diese Forderung wurde bereits Ende April im Wahlprogramm festgeschrieben. In Rheinland-Pfalz haben sich SPD und Grüne schon 2011 in ihrem Koalitionsvertrag „im Sinne des Klima- und Tierschutzes“ für einen fleischlosen Tag in der Woche ausgesprochen.

Fakten zum Fleischkonsum in Deutschland

Fleischproduktion

Die weltweite Fleischproduktion ist nach Angaben des WWF um 400 Prozent angestiegen: Von 1961 bis 2009 ist die Produktion von 70 Millionen Tonnen auf 300 Millionen Tonnen gewachsen.

Quelle: WWF

Jahresverbrauch

Durchschnittlich lag der Fleischbrauch pro Kopf in Deutschland im Jahr 2010 bei 88,2 Kilogramm.

Tagesverbrauch

Durchschnittlich verzehren die Deutschen pro Tag rund 166 Gramm Fleisch.

Empfohlene Tagesmenge an Fleisch

Aus ernährungspsychologischer Sich liegt die empfohlene Tagesmenge an Fleisch bei rund 86 Gramm.

Risiken beim Fleischkonsum

Bereits wenn die empfohlene Tagesdosis an Fleisch um 50 Gramm überschritten wird, erhöht sich das Risiko an Diabetes Typ II zu erkranken um 25 - 40 Prozent.

Welche Tiere essen die Deutschen?

Durchschnittlich verzehrt ein Deutscher in seinem Leben vier Kühe und Kälber, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Truthähne, 46 Schweine und 945 Hühner.

Geflügel

Im Jahr 2010 wurden 683.114.084 Hühner, Truthähne und anders Geflügel geschlachtet.

Schweine

Im Jahr 2010 wurden in Deutschland rund 58.413.677 Schweine geschlachtet.

Artgerechte Tierhaltung

Der Anteil des Schweinefleisches auf dem deutschen Markt, dass aus artgerechter oder ökologischer Tierhaltung stammt, beträgt laut WWF 0,5 Prozent.

Genutzte Fläche

Wenn der Fleischkonsum in den OECD-Ländern um 30 Prozent reduziert werden würde, stünden 30 Millionen Hektar Fläche mehr zur Verfügung.

Quelle: WWF

Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück distanzierte sich von seinem Wunschpartner Grüne - mit einem ironischen Satz: „Die haben noch nicht mitgekriegt, dass es jetzt um die Wurst geht.“ Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der „Passauer Neuen Presse“: „Wir sollten in den Kantinen gesündere Kost anbieten und den Fleischkonsum verringern.“ Zwangslösungen seien aber nicht dienlich.

Widerspruch kommt auch von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Wir sind gegen jede Form der Bevormundung“, sagte der Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“. „Fleisch und Wurst gehören zu einer ausgewogenen Ernährung nun einmal dazu.“ Jeder sollte selbst entscheiden, was er esse und worauf er lieber verzichte. In den Kantinen werde am ehesten an der Qualität gespart – auch weil der Staat Catering-Firmen und Kantinen-Anbietern durch den vollen Mehrwertsteuersatz das Leben schwer mache. „Würden diese Unternehmen steuerlich begünstigt, könnten sie stärker auf Qualitätssicherung setzen“, sagte Möllenberg.

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Nach dem Wunsch der Grünen sollten Kantinen künftig ein mal pro Woche auf Fleisch verzichten. Das sorgt für heftige Diskussionen im Netz: Über Bevormundung und den Sinn hinter dem Vorschlag.

Kommentare (52)

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alteliebe

06.08.2013, 08:25 Uhr

Prinzipiell ist es ja gut nicht so viel Fleisch zu essen, aber das möchte ich doch bitte selbst entscheiden können. Wie kommt man denn auf solche abstrusen Ideen? Außerdem gibt es in deutschen Kantinen meist auch immer ein vegetarisches Gericht und so hat jeder zumindest die Möglichkeit sich auch für ein solches zu entscheiden.

Rumor

06.08.2013, 08:30 Uhr

Woran erinnert dieser "veggieday"? An nichts anderes als den "Eintopftag" der Nazis.

Wer den Leuten diktieren will, was sie essen sollen, zeigt deutlich wess Geistes Kind er ist, wenn es darum geht in persönlichste Bereiche des Menschen angemaßte Zugriffsrechte zu erzwingen.

Die Grünen legen abermals die Maske ab und outen sich als eine Partei, die mit Liberalität und persönlichen Freiheitsrechten alsolut nichts zu tun hat.

Unwählbar.

Account gelöscht!

06.08.2013, 08:39 Uhr

Eine Diskussion über dieses Thema ist mir einfach zu dumm.

Die Dame sollte sich mit der Abschaffung der kalten Steuerprogression befassen; das wäre viel sinnvoller.
Ansonsten sollte die Spitzenpolitikerin wie alle anderen von dort auch; einfach die Klappe halten.

Sinnvolle Ergebnisse erwarte ich weder von der einen, noch von der anderen Seite.

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