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11.07.2013

08:58 Uhr

SPD-Idol

Nazi-Schatten über Niedersachsens erstem Regierungschef

Lange Zeit gab es Gerüchte: Niedersachsens erster Regierungschef Kopf soll eine unrühmliche Nazi-Vergangenheit gehabt haben. Eine Historikerin hat dies nun bewiesen und unrühmliche Details zutage gebracht.

Hinrich-Wilhelm Kopf (1893-1961) in seinem Arbeitszimmer in Hannover im Jahr 1951: Ein Mann mit brauner Vergangenheit. dpa

Hinrich-Wilhelm Kopf (1893-1961) in seinem Arbeitszimmer in Hannover im Jahr 1951: Ein Mann mit brauner Vergangenheit.

HannoverVier Jahre lang hat die Göttinger Historikerin Teresa Nentwig gebraucht, um das SPD-Idol Hinrich-Wilhelm Kopf zu entzaubern. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist eindeutig und erschütternd zugleich: Der Mitbegründer und erste Ministerpräsident des Landes Niedersachsen war zwischen 1939 und 1942 in Verbrechen der Nationalsozialisten verstrickt.

Als Generaltreuhänder der „Haupttreuhandstelle Ost“ half Kopf den Nazis beim Raub von jüdischem und polnischem Privateigentum. Und nicht nur das – für seine Verdienste bei der „Entjudung“ und „Deutschmachung“ des besetzten Polens erhielt Kopf satte Provisionen.

Der 1961 gestorbene Kopf ist kein Einzelfall – nicht in Niedersachsen, wo laut einer Studie aus dem vergangenen Jahr 204 von 755 Abgeordneten in der Nachkriegszeit eine Mitgliedschaft in der NSDAP und damit ein brauner Schatten nachgewiesen wurde. Und auch bundesweit nicht. 2011 erklärte das Bundesinnenministerium, dass alleine 26 frühere Bundesminister Mitglied der NSDAP oder anderer Organisationen wie SS oder SA gewesen waren.

„Kopf hat ja als Landesgründer unbestritten Verdienste erworben, die will ich ihm ja gar nicht nehmen“, sagt die Historikerin Nentwig. „Aber wir dürfen nicht den Fehler machen, etwas aus zu großer Hochachtung vor einer Person zu beschönigen oder unter den Tisch fallen zu lassen. Das sind wir schon den Opfern schuldig.“

Namhafte Politiker, darunter auch der amtierende Ministerpräsident Stephan Weil, fordern jetzt eine lückenlose Aufarbeitung. Neben den Verbrechen sorgt auch Kopfs vehementes Leugnen seiner Vergangenheit für Ärger. „Sagen wir es klipp und klar: Kopf hat den Landtag angelogen“, ärgert sich Weil.

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