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01.02.2017

13:40 Uhr

SPD im Stimmungshoch

Jetzt ist Schulz

VonHeike Anger

Die Umfragen für die SPD gehen deutlich nach oben. Die Genossen schwärmen vom designierten Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Die Parteistrategen grübeln indes, wie sich der Schulz-Effekt verlängern lässt.

Designierter SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz: Der Zug rollt. dpa

SPD-Vorstandsklausur - Pressekonferenz

Designierter SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz: Der Zug rollt.

BerlinEin Papp-Martin ist in der SPD-Parteizentrale derzeit ein beliebter Pilgerort. Die fast lebensgroße Figur des neuen Kanzlerkandidaten stand zur Antrittsrede von Martin Schulz am vergangenen Sonntag vor einer Leinwand. So konnte jeder Genosse und Fan sich danebenstellen und ein „persönliches“ Foto mit „dem Martin“ schießen. Jetzt residiert die Figur in der „Kampa17“, der gerade eröffneten Wahlkampfzentrale im Willy-Brandt-Haus. Immer wieder kommen Mitarbeiter und posieren mit dem designierten SPD-Kanzlerkandidaten und Parteichef in spe.

Die Stimmung ist außerordentlich gut im Berliner Willy-Brandt-Haus. Zum Wochenbeginn tingelte Schulz durch das ganze Haus, um sich persönlich vorzustellen. Auch seine jüngsten Interviewaussagen dürfte von den Mitarbeitern aufmerksam registriert werden: „Ich bin ein ausgesprochener Teamspieler. Ich verstehe mich als Erster unter Gleichen“, gab er bei den Zeitungen der Funke Mediengruppe zu Protokoll. „Basta“ gehöre nicht zu seinem Stil. Da kennen die Parteisoldaten der Sozialdemokratie ja ganz andere Chefs.

Dafür steht SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

Präsenz

Schulz verdankt seinen Aufstieg in Brüssel Eigenschaften, die ihm Freunde und Gegner gleichermaßen zuschreiben: Ehrgeiz, Arbeitseifer, klare Sprache, Machtbewusstsein. Vor allem als EU-Parlamentspräsident und als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der Europawahl 2014 schärfte er nicht nur sein eigenes Profil, sondern gab Europa eine starke Stimme. Der Christsoziale Manfred Weber würdigte Schulz zum Abschied aus Brüssel als kraftvollen und durchsetzungsstarken Europäer.

Klare Botschaften

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat gilt als Politiker, der Streit nicht aus dem Weg geht. Zuletzt übte er zum Beispiel heftige Kritik am EU-Mitgliedsland Ungarn und dessen Referendum zur Flüchtlingspolitik. Wachsenden Nationalismus und Rechtspopulismus verurteilte er scharf und verlangte Einsatz für das europäische Gesellschaftsmodell gegen die „Feinde der Freiheit“. Seine eigene Partei mahnt er, normalen Menschen zuzuhören und auf ihre Nöte einzugehen. Die Krise der EU trieb ihn um – wobei er gerne die Brüsseler Perspektive einnahm und vor allem den Streit der Mitgliedsstaaten kritisierte.

Anpacken

Obwohl das Amt als EU-Parlamentspräsident eher zeremoniell angelegt ist, präsentierte sich Schulz als Macher. Ein Beispiel: der Handelspakt Ceta mit Kanada. Im Herbst überzeugte er die vom Streit mit der Wallonie völlig entnervte kanadische Ministerin Chrystia Freeland, ihre Abreise zu verschieben und sich noch ein letztes Mal mit ihm zu treffen. Fernsehkameras standen bereit, das Überraschungsgespräch im Morgengrauen zu dokumentieren. Letztlich wartete Kanada die europäischen Kapriolen dann geduldig ab, und das Abkommen kam doch noch zustande.

Allianzen

In Brüssel und Straßburg stand Schulz für die informelle große Koalition mit der Europäischen Volkspartei und deren Vorsitzendem Weber. 2014 unterzeichneten beide einen Pakt, der Schulz bei der Wiederwahl zum Parlamentspräsidenten EVP-Stimmen sicherte. Dafür sollte er im Januar 2017 seinen Posten für einen EVP-Kandidaten räumen. Es ging aber nicht nur um Personal: Die beiden größten Fraktionen sahen den Pakt als Mittel, in Europa stabil und effizient Politik zu machen und der EU-Kommission zu Mehrheiten zu verhelfen.

Machtanspruch

Kleinere Parlamentsfraktionen wie die Grünen oder Linken fühlten sich in der Ära Schulz an den Rand gedrängt und ignoriert. Auch wurden Schulz Eigenmächtigkeiten vorgeworfen – sowohl inhaltlich, wenn er für das Parlament sprach, als auch bei der Besetzung von Spitzenposten im Haus. Etliche Abgeordnete zeigen sich nun erleichtert, dass neue Zeiten anbrechen.

Auch die Umfragen sorgen unter den Genossen natürlich für gute Laune. Direkt nach der Entscheidung für Schulz als Kanzlerkandidat kam der aktuelle Insa-Meinungstrend mit 26 Prozent. Das war das beste Ergebnis für die SPD seit zweieinhalb Jahren und ein Plus von fünf Prozentpunkten. Sofort war vom „Schulz-Effekt“ die Rede.

Nun sieht auch die jüngste Forsa-Umfrage vom Mittwoch die SPD bei 26 Prozent. Die Partei erreicht damit den höchsten Wert seit der Bundestagswahl 2013 – ebenfalls mit einem Plus von fünf Punkten.

Die Parteistrategen wollen diese Stimmung nun gerne konservieren – und setzen dabei auch auf das Internet. Unter #jetztistschulz macht die SPD im Internet für Schulz mobil – ein Slogan, der schon bei der Europawahl 2014 zum Einsatz kam. Es kursiert auch wahlweise #zeitfuermartin oder #martinkannkanzler. Auch die Wahlkampfplattform „kampa17.de“ ist schon scharfgeschaltet.

Kommentare (25)

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Herr Michael Müller

01.02.2017, 14:01 Uhr

Die Freude geht noch stärker zurück als sie anstieg, wenn die Deutschen erkennen, dass ein Schulz, egal ob als Kanzler oder Vizekanzler, noch mehr Europa für Deutschland bedeutet!

Mit Schulz als Kanzler oder Vizekanzler verliert Deutschland noch mehr Eigenständigkeit innerhalb Europas und der zunehmende Sozialismus lähmt unsere Wirtschaft. Die DDR im XXL-Format wird kommen!

Account gelöscht!

01.02.2017, 14:02 Uhr

Mit Schulz und der euphorischen SPD sieht man jetzt schon, wie sie nicht auf dem Boden der Tatsachen sind.

Allerdings ist das bei den anderen Parteien und vor allem bei der Kanzlerin genauso zu spüren, die sich immer mehr von der Realität und von uns Bürger weg entfernt haben und "nur" aus ihren Büros im Elfenbeintrum das Land führen wollen.

Wir Bürger müssen in der Realität leben, die tagtäglich für viele Menschen in Zukunft sprichwörtlich mehr Opfer in allen Facetten abverlangen wird.

Und was macht die Politik?

Aha, wir sind solidarisch und beten zusammen und denken an die Opfer und deren Verwandten.

Ist doch auch was. Und beten tun sie auch noch.

Herr Holger Narrog

01.02.2017, 14:03 Uhr

Die Sachpunkte des Herr Schulz richten sich alle gegen die Deutsche Normalbevölkerung, mehr Umverteilung, Sonderabgaben zugunsten überschuldeter Länder Südeuropas. Er befürwortet eine intensivere Einwanderung/Umvolkung. Insofern handelt es sich um einen seelischen Feelgoodfaktor zugunsten von Schulz.

-Was spräche dagegen Schulz ins Dschungelcamp zu schicken?
- Ein Besuch im IS Trainingscamp würde ihm helfen einige der neuen Einwohner besser zu verstehen.

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