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24.04.2012

09:51 Uhr

SPD-Kandidat Albig

„Starke Piraten gefährden Rot-Grün“

VonDietmar Neuerer

ExklusivAm 6. Mai wird im nördlichsten Bundesland ein neue Landtag gewählt. Im Interview sagt der Spitzenkandidat der schleswig-holsteinischen SPD, Albig, wie er das Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU für sich entscheiden will.

Kiels Oberbürgermeister und SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig. dpa

Kiels Oberbürgermeister und SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig.

Herr Albig, im Grunde genommen sind Sie ja schon der Gewinner der Wahl in Schleswig-Holstein, weil Sie in jedem Fall in der Regierung sind – entweder mit der CDU zusammen oder in einem Dreierbündnis mit den Grünen und dem Südschleswigschen Wählerverband (SSW). Wie fühlt man sich angesichts dieser Aussichten?

Torsten Albig: Wenn das für die Beschreibung Gewinner reichen würde, hätten Sie recht. Es würde aber mein Gewinner-Gen nicht befriedigen, wenn ich mit der CDU in der Regierung sein müsste. Aber es stimmt:  ohne die SPD wird es keine Regierung geben. Gewonnen haben wir aber erst dann, wenn wir eine Regierung anführen und wenn uns das mit den Grünen gemeinsam gelingt.

Die Bildung einer rot-grünen Koalition wird allerdings nicht einfach werden. Das liegt an der Stärke der Piratenpartei, die laut Umfragen sicher im Kieler Landtag sein wird. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Das sehe ich mit großer Sorge. Wenn die Piraten zweistellig in den Landtag einziehen sollten, dann gefährdet das Rot-Grün. Die rot-grüne Aufgabe muss jetzt in den verbleibenden Tagen bis zur Wahl sein, offensiv für einen Politikwechsel zu werben. Rot-Grün bekommen die Bürger nur, wenn sie nicht Piraten wählen. Wer es allerdings für einen Moment schick findet, orange zu wählen, der nimmt in Kauf, dass Schleswig-Holstein dann fünf Jahre von einer großen Koalition regiert wird.

Ist der Erfolg der Piraten aus Ihrer Sicht nur ein Hype oder müssen wir uns darauf einstellen, dass sich die Parteienlandschaft in Deutschland tatsächlich in einem Umbruch befindet, bei dem möglicherweise die FDP kaum noch eine Rolle spielt?

Es gibt keinen Piraten-Hype. Dass die Piraten so stark sind, entspringt eher einem Lebensgefühl, einer spontanen Stimmung. Das hat ja nichts mit Veränderungswillen zu tun. Die Piraten wollen ja gar nicht regieren. Sie sind aus dem Nichts aufgetaucht und nehmen die für sie günstige Stimmung auf, ohne genau zu wissen, was sie mit dem Zuspruch anfangen sollen.

Was lernen wir daraus?

Wir lernen, dass das Parteiensystem in Deutschland viel volatiler wird und dass mediale Einflüsse eine viel stärkere Rolle spielen, als wir uns das bisher vorstellen konnten. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Piraten in Schleswig-Holstein ihre Umfragewerte in kürzester Zeit verdoppeln konnten.

Kommentare (17)

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Holzauge

24.04.2012, 10:32 Uhr

Demographie, Infrastruktur, Gesundheitswesen, Staatsverschuldung, Abkehr von der sozialen Marktwirtschaft, Altersversorgung...

Wo stehen wir heute besser da als vor 50 Jahren ?

Warum sollte der Bürger denen seine Stimme geben die das zu verantworten haben, die man ungelogen als "Volksverweser" bezeichnen könnte ?

Account gelöscht!

24.04.2012, 10:58 Uhr

"Basis-Demokratie gefährdet alle etablierten Block-Parteinen"

Account gelöscht!

24.04.2012, 11:06 Uhr

Starke Piraten gefährden Rot-Grün ...
Gut so!

So ist es nun mal, wenn die Pest(rot/grün) gegen Kollera(schwarz/gelb) antritt.

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