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09.03.2017

12:18 Uhr

SPD-Kanzlerkandidat privat

Was in Schulz' Tagebuch steht

VonHeike Anger

In seinen Reden gibt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz immer wieder Details über sein Privatleben preis: Er spricht über seinen Lieblingsklub, sein neues Berliner Büro – und zitiert aus seinem Tagebuch.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz: „Ich liebe meine Frau“. dpa

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz: „Ich liebe meine Frau“.

BerlinSeit fast 40 Tagen ist Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidat nominiert. Seitdem hat er öffentlich angekündigt, die Agenda 2010 zurückdrehen zu wollen, Managergehälter zu deckeln, Steuerflucht zu bekämpfen und die Milliardenüberschüsse des Staates in Investitionen zu stecken.

Doch bei seinen Auftritten gewährt er immer wieder auch Einblicke in sein Privatleben, sein Umfeld und seine persönlichen Vorlieben. So erfährt der Wähler etwa, dass Schulz Anhänger des 1. FC Köln ist oder dass in seinem neuen Berliner Büro eine kleine Statue von Willy Brandt steht – eine Mini-Ausgabe der überlebensgroßen Brandt-Skulptur von Rainer Fetting, die das Atrium der SPD-Zentrale ziert.

Fast schon als Standardpassage kann Schulz‘ Abriss über den eigenen Fall und Werdegang gelten. Er sei „Sohn einfacher Leute“, hebt er in seinen Reden dann an. „Meine Mutter war eine katholische, konservative Hausfrau, mein Vater war Polizist, der elfte Sohn eines Saarländischen Bergmanns“, erzählte er. „Meine Mutter war auch eine Mitbegründerin der CDU in meiner Heimatstadt“, erklärte er neulich. „Noch kurz vor ihrem Tod habe ich ihr gesagt: Clara, das ist der Beweis dafür, dass auch große Frauen nicht frei von Irrtümern sind.“

Martin Schulz – ein Politikerleben

Startschuss

1974 tritt Martin Schulz in die SPD ein.

Bürgermeister

1987 bis 1998 war der gelernte Buchhändler Bürgermeister der Stadt Würselen bei Aachen.

EU-Parlament

Ab 1994 war Martin Schulz Mitglied des Europäischen Parlaments.

In der Partei

Seit 1999 gehört er dem SPD-Parteivorstand und dem Parteipräsidium an.

In Straßburg und Brüssel

Von 2004 bis 2012 ist Schulz Vorsitzender der Sozialistischen Fraktion im Europaparlament.

Präsident

Seit 2012 stand er als Präsident dem EU-Parlament vor – im November 2016 kündigt er seinen Wechsel in die Bundespolitik an.

Spitzenkandidat

Nach dem Rückzug von Parteichef Sigmar Gabriel soll Schulz die SPD in den Bundestagswahlkampf 2017 führen.

Dann spricht er über seine jungen Jahre: „Ich war ein begeisterter Fußballspieler und deshalb lieber auf dem Sportplatz als auf der Schulbank.“ Als hier zuletzt zustimmendes Klatschen aufkam, fügte er gleich hinzu, es seien offenbar „Gesinnungsgenossen“ im Saal.

Als junger Mann seien seine Fußballträume jedoch zerplatzt und in dieser Zeit habe er „die Orientierung“ verloren. Damit deutet Schulz seine damalige Alkoholsucht an. „Ich weiß, was es bedeutet, wenn man vom Weg abkommt, aber ich weiß auch, wie gut es sich anfühlt, wenn die Familie und Freunde einen wieder aufrichten und man dadurch eine zweite Chance bekommt“, erklärt der SPD-Kanzlerkandidat stets.

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Er sei stolz darauf, eine Buchhändlerlehre absolviert zu haben, berichtet der 61-Jährige gerne. Er schwärmt dann von dem kleinen Buchladen, den er eröffnete, den es immer noch gibt und der „gut sortiert“ sei. Einmal sagt er: „Ich bin Buchhändler von Beruf“, dann stutzt er und korrigiert: „Also heute bin ich Politiker von Beruf, aber ich habe einen ordentlichen Beruf gelernt.“

Überhaupt die Literatur. Bei seinem Auftritt in Lübeck, der ersten Station seiner „Zeit für mehr Gerechtigkeit“-Tour, schwärmte Schulz natürlich von Thomas und Heinrich Mann. Diese beiden Schriftsteller, „Heinrich noch mehr“, hätten ihn durch sein ganzes Leben begleitet. „Als Literaturfreund nach Lübeck zu kommen, ist so wie wenn man nach oben fährt“, erklärte er, „ein emotionaler Moment“.

Kommentare (8)

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Herr Tom Schmidt

09.03.2017, 12:42 Uhr

Das ist doch Schulz' Hauptthema: Schulz!

Alles wird dabei so ausgelegt, dass es Schulz als Person in die richtige Relation setzt.... natürlich mit dem ganz Großen!

Account gelöscht!

09.03.2017, 13:20 Uhr

Schulz spricht immer von anderen Parteien von "Rattenfängern"....dabei ist der Schulz der größte Wählerverführer, denn die SPD seit langen wieder hat.
365 Tage bei einen Tageskostenpauschalsatz von über 300 EUR....Schulz ist einer, der seinen eigenen Geldbeutel und seine eigene Macht im Kopf hat und das auf Kosten von naiven Menschen, die immer noch die SPD wählen.

Herr Thomas Behrends

09.03.2017, 13:36 Uhr

Im Herbst 2017 zur Bundestagswahl wird es die große Götterdämmerung bei SPD und CDU geben. Dann nämlich, wenn Millionen enttäuschte und ehemalige Wähler von Sozis und Konservationen der AfD ihre Stimme geben.

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