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01.09.2015

10:41 Uhr

SPD-Kanzlerkandidaten

Jacke wie Hose

VonRüdiger Scheidges

Eine Umfrage gibt Steinmeier bessere Noten als Gabriel: Doch wer Kanzlerkandidat wird, ist im Grunde egal. Denn in jedem Fall wird es für die SPD wieder eine Schlappe geben, meint unser Korrespondent Rüdiger Scheidges.

Kein Grund zur Freude: Weder Steinmeier (links) noch Gabriel hätten wohl eine Chance gegen Angela Merkel. ap

Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel

Kein Grund zur Freude: Weder Steinmeier (links) noch Gabriel hätten wohl eine Chance gegen Angela Merkel.

So sang- und klanglos Frank-Walter Steinmeier 2009 im Bundestagwahlkampf untergegangen ist, so sehr arbeitet er sich anscheinend wieder in die Pole-Position zurück, um im nächsten Bundestagswahlkampf erneut eine todsicher böse Schlappe gegen die Kanzlerin einzufahren: Die Mehrheit der Bürger traut nach einer Umfrage eher Außenminister Frank-Walter Steinmeier als SPD-Chef Sigmar Gabriel zu, für die Sozialdemokraten die Kanzlerschaft zu erringen.

Steinmeier erhielt in der Emnid-Umfrage 51 Prozent der Stimmen, Gabriel als zweitplatzierter 34 Prozent. Unter SPD-Anhängern liegt Steinmeier mit 70 Prozent vorn, Gabriel muss sich hier gar den zweiten Platz mit 52 Prozent mit der nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore teilen. Also: Bye-Bye Sigmar?

Steinmeier wird seit der Neuauflage der Großen Koalition von etwas getragen, was in der Geschichte der Bundesrepublik stets wirkte: vom Amt des Außenministers. Fast jeder deutsche Außenminister rangierte in Umfragen ganz, ganz oben in diesen Skalen der Beliebtheit bei den Bürgern.

Der Außenminister macht im Kreis der Mächtigen zumeist Bella Figura (wenn er nicht gerade entsetzlich schwäbelt oder kein Englisch kann), er gilt den Leuten mehr als (Krisen-)Manager denn als Politiker und sitzt sozusagen permanent und gut ausgeleuchtet im Schaufenster der Regierung.

Er ist der Liebling der TV-Anstalten und dabei stets in guter Gesellschaft mit ach so wichtigen Kollegen aus aller Welt zusammen! Wenn das nicht was hermacht.

Bundestagswahl 2017: Wer aus der SPD könnte Kanzler?

Bundestagswahl 2017

Wer aus der SPD könnte Kanzler?

Sie halten sich bedeckt, wiegeln ab, geben sich uninteressiert am wichtigsten Amt der Republik. Noch. Denn die Kanzlerdebatte in der SPD gewinnt an Fahrt. Wer könnte Gabriel gefährlich werden? Ein Tauglichkeits-Check.

Ganz im Gegensatz zu einem Wirtschaftsminister, einem roten zumal. Er ist, auch in der gesamten Geschichte der Republik, die Garantie für Unzufriedenheit und Streit: Er muss tagtäglich Kompromisse eingehen, sich also mit einer Vielzahl von Menschen und Lobbies herumschlagen, auf diese und jene Powergroup und dann auch noch die eigene Partei Rücksichten nehmen. Am Ende steht er dann doch als Flickschuster da.

Während der Außenminister in der Außenpolitik in Wahrheit nur der Botschafter der der Kanzlerin ist (sie allein hat letztendlich das Sagen, er lebt von nur geborgter Autorität!) muss sich der Vizekanzler und SPD-Parteichef und Rivale fast zwangsläufig in die Nesseln setzen. Unentwegt. Er wirkt wie ein Unruheherd auf die Leute, die viel lieber Ruhe haben: Lieb‘ Sigmar, magst ruhig sein!

Kommentare (9)

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Herr Tom Schmidt

01.09.2015, 11:17 Uhr

Schon traurig, vor allem wenn man bedenkt, dass gerade in der Aussenpolitik wir ein massives Problem haben. Die Ukrainekrise hat Europa mit verbockt (wenn auch der Hauptschuldigen woanders sitzt). Die Flüchtlingskrise war auch absehbar, im Vorfeld hat Europa und Deutschlands nichts gegen die Lage unternommen (eigentlich waren uns die Leute ja egal). Sigi Pop hat sich auf das Thema Waffenexporte reduzieren lassen (und auch das hat er nicht gewuppt).

Ab wann ist eigentlich dann so ein Wahlergebnis keine Niederlage mehr, sondern einfach nur normal für die Partei?

Herr Jürgen Bertram

01.09.2015, 11:23 Uhr

wer als Arbeiter noch SPD wählt, hat nicht alle Tassen im Schrank!

Die Interessen der "Werktätigen" werden von dieser Partei seit ewigen Zeiten nicht mehr vertreten...........

Herr Win Boes

01.09.2015, 11:34 Uhr

Wer wird Kanzler. Ist doch egal, wer von der SPD antritt. Eine Partei, die ihre Klientel, die Arbeitnehmer mit Füßen tritt, ja verachtet, mit Steuern und Abgaben belastet, wie nie zuvor, hat gar kein Recht einen Kanzler zu stellen. Steinmeier und Gabriel sollten aus der Partei hinausgeworfen werden.

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