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18.06.2013

17:14 Uhr

SPD-Linke kritisiert Kahlschlag

„Commerzbank-Jobabbau ganz im Sinne von Merkel“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer geplante Kahlschlag bei Deutschlands zweitgrößter Bank stößt in der Politik teilweise auf scharfe Kritik. Die Grünen halten den massiven Job-Abbau für unvermeidlich. Die SPD-Linke gibt der Kanzlerin dafür die Schuld.

Eine Commerzbank-Filiale. Reuters

Eine Commerzbank-Filiale.

BerlinDie grundsätzliche Einigung über einen Stellenabbau bei der Commerzbank hat bei SPD und Grünen ein unterschiedliches Echo ausgelöst. „Ich begrüße es, dass es zu einer Einigung zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretung bezüglich des unvermeidbaren Stellenabbaus gekommen ist“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, Handelsblatt Online.

Auch der SPD-Finanzexperte Carsten Sieling hält es für unabwendbar, dass wohl konzernweit mehr als 5000 Jobs gestrichen werden sollen.  Er kenne die Eckpunkte des Konzepts zwar noch nicht. „Aber die Erfahrung zeigt: wenn das Management unter Druck ist, muss die Belegschaft bluten“, sagte Sieling Handelsblatt Online.

Der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, machte Bundeskanzlerin Angela Merkel (VDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) für den massiven Jobabbau bei der Bank verantwortlich. „Der Vorgang erstaunt nicht und ist ganz im Sinne von Merkel, Rösler &Co.“, sagte Stegner Handelsblatt Online. „All das zeigt, dass Bankenrettung wie überall auf dem Rücken der Arbeitnehmerschaft stattfindet.“ Daher sei endlich einen Politikwechsel in Deutschland nötig mit schärferer  Banken- und Finanzmarktkontrolle. „Die Wirtschaft ist für die Menschen da, nicht umgekehrt“, betonte Stegner. „Das hat Schwarz-Gelb nie begriffen. Auch deshalb gehören die abgewählt.“

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Das Handelsblatt hatte berichtet, dass das teilverstaatlichte Institut und der Betriebsrat sich nach monatelangen Verhandlungen auf den Umfang der Einschnitte geeinigt haben. Die Bank wollte die Informationen nicht kommentieren. Im Januar hatte das Institut den Abbau von 4000 bis 6000 Vollzeitstellen angekündigt. Ende März hatte die zweitgrößte deutsche Bank noch rund 54.000 Voll- und Teilzeitbeschäftigte.

Noch fehlt dem Vernehmen nach wohl noch die endgültige Unterschrift des Betriebsrats. Dieser will am Dienstag und Mittwoch über das Sparprogramm beraten. Eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi bezeichnete die Zahl und die dahinter stehende Strategie als unerklärlich. Ausführlich will sich Verdi nach der Sitzung des Gesamtbetriebsrats am Mittwoch äußern.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

18.06.2013, 17:40 Uhr

.................................
COMMERZBANK
SANIERUNG IST NICHT KAHLSCHLAG
.................................
auch das handelsblatt sollte -
soweit es möglich ist - sachlich
bleiben..
..
der stellenabbau ist teil des
sanierungsprogrammes und wird
in zusammenarbeit mit dem be-
triebsrat und der geschäfts -
leilung durchgeführt.
..
die SPD sollte sich nicht all-
zu weit aus dem fenster lehnen.
..
ich erinnere nur an die NRW -
landesregierung und deren anteil
an dem niedergang der WEST LB
..
bekanntlich stellte die SPD den
ministerpräsidenten und war größ-
te regierungspartei..
..

Nachwuchs

18.06.2013, 18:49 Uhr

Wieso ist der betriebsrat unbedingt für Mitarbeiterentlassungen? Wieso weigert sich der betriebsrat für die Mitarbeiter zu sein und stimmt jeder enormen Boni-Regelung für das versagende Management zu? Es riecht sehr nach Bestechungs-/Schmiergelder für den Betriebsrat, nach meiner Meinung? Wieder versagt der Betriebsrat und kommt seinen Verpflichtungen, für die Mitarbeiter da zu sein, nicht nach!

RDA

18.06.2013, 19:35 Uhr

Die spannende Frage ist doch: Wofür braucht man eigentlich genau Großbanken, wofür braucht man Landesbanken? Besser wäre es, sämtliche Großbanken und Landesbanken in regionale Genossenschaften zu überführen, an denen Bund, Länder und Gemeinden Mehrheitsanteile halten. Außerdem sollte man einen radikalen Schritt gehen und Banken alle Geschäfte verbieten und im zweiten Schritt eine klare Liste von Geschäften aufstellen, die erlaubt sind. Damit verhindert man besser als mit allen anderen Maßnahmen, dass spekulative Blasen und versteckte Bilanzrisiken entstehen.

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