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20.03.2017

13:08 Uhr

SPD mit Wahlkampf wie in den USA

Martin Schulz geht bei Obama in die Lehre

VonKlaus Stratmann

Lauter, pathetischer, symbolträchtiger – das ist das Motto der großen Parteitage in den USA. Die SPD will das Show-Prinzip auch im deutschen Wahlkampf etablieren. Die Kür von Martin Schulz war erst der Anfang.

Martin Schulz

„Wer in diesem Land hart arbeitet, der hat unseren Respekt verdient“

Martin Schulz: „Wer in diesem Land hart arbeitet, der hat unseren Respekt verdient“

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BerlinWer den Einmarsch der Hauptakteure Martin Schulz und Sigmar Gabriel verfolgt, muss den Eindruck gewinnen, ein Boxkampf stehe bevor. Schulz und Gabriel bahnen sich über Minuten den Weg durch die Delegierten in Richtung Bühne. Sie werden beklatscht und schütteln Hände. Über eine Reihe von Großleinwänden können alle Parteitagsteilnehmer jedes Detail verfolgen. Ein warmes Rot liegt über der Halle, einem alten Ziegelbau mit langer Industrietradition. Mit lauter Musik wird der Weg der beiden Stars in Richtung Bühne untermalt, immer wieder werden Gesichter jubelnder Genossen auf die Großleinwände projiziert.

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Martin Schulz ist mit 100 Prozent der gültigen Stimmen zum neuen SPD-Chef gewählt worden. In seiner Rede hatte Schulz die soziale Gerechtigkeit und den Kampf gegen Populisten in den Vordergrund gestellt.

Die Genossen haben einen enormen Aufwand betrieben, damit dieser Parteitag noch ein wenig bunter, glänzender und moderner rüberkommt. Der Aufbau der Technik dauerte fünf Tage. 140 Leute haben daran gearbeitet, für die insgesamt 3.000 Gäste des Parteitage die richtige Atmosphäre zu schaffen. Das Material dafür fand in zehn Sattelschleppern Platz. 170 Lautsprechen sorgten für den guten Ton, fast zwölf Kilometer Kabel für Strom- und Signalleitungen wurden verlegt.

Geht's nicht etwas schlichter? Nein, sagen die Genossen. Die Ansprüche an die Veranstaltungstechnik, an Ton und Beleuchtung würden ständig steigen, heißt es weiter. „Die Leute wollen eine perfekte Show sehen. Das lässt sich mit den Mitteln der 70-er Jahre nicht erreichen“, sagt ein Verantwortlicher. Und die Konkurrenz schläft nicht. Weder CDU und CSU noch die Grünen organisieren ihre Parteitage heute noch so wie vor dreißig oder vierzig Jahren. Lauter, pathetischer, symbolträchtiger – das ist das Motto der großen Parteitage, die sich in weiten Teilen amerikanischen Gepflogenheiten angenähert haben.

„Die Leute wollen eine perfekte Show sehen“, sagt ein Verantwortlicher des SPD-Parteitags. dpa

Poppiges Pappschild

„Die Leute wollen eine perfekte Show sehen“, sagt ein Verantwortlicher des SPD-Parteitags.

Natürlich geht das alles nur, wenn auch die Hauptakteure mitziehen. Schulz beherrscht die Show perfekt. Ausladende Gesten mit den Armen, wohl gesetzte Pausen, dazu eine Stimme, die - je nach Bedarf - mal energisch, mal gefühlvoll klingt. 

Selbstverständlich steht Martin Schulz am Rednerpult nicht vor einer sterilen Rückwand. Nein, hinter ihm haben die Organisatoren noch eine Tribüne für viele Dutzend Zuschauer aufgebaut. Ziel ist es, deren Begeisterung über die Schulz-Rede zu transportieren.

So ist der Parteitag eine perfekte Inszenierung – bis hin zum unglaublichen Ergebnis von 100 Prozent Zustimmung für den neuen SPD-Chef Schulz.

Martin Schulz – ein Politikerleben

Startschuss

1974 tritt Martin Schulz in die SPD ein.

Bürgermeister

1987 bis 1998 war der gelernte Buchhändler Bürgermeister der Stadt Würselen bei Aachen.

EU-Parlament

Ab 1994 war Martin Schulz Mitglied des Europäischen Parlaments.

In der Partei

Seit 1999 gehört er dem SPD-Parteivorstand und dem Parteipräsidium an.

In Straßburg und Brüssel

Von 2004 bis 2012 ist Schulz Vorsitzender der Sozialistischen Fraktion im Europaparlament.

Präsident

Seit 2012 stand er als Präsident dem EU-Parlament vor – im November 2016 kündigt er seinen Wechsel in die Bundespolitik an.

Spitzenkandidat

Nach dem Rückzug von Parteichef Sigmar Gabriel soll Schulz die SPD in den Bundestagswahlkampf 2017 führen.

Nur einmal gerät Schulz während seiner Parteitagsrede ein wenig aus dem Takt: Die Regie blendet während einer Redepassage zur Familienpolitik auf der Großleinwand hinter ihm aus dem Publikum einen jungen Vater mit einem Kleinkind auf dem Arm ein. „Mann, da bin ich glücklich“, sagt Schulz, als ihm ein Zurufer das Raunen der Zuschauer angesichts des großformatig eingeblendeten Kindes erläutert. „Ich hab' gedacht, ich hätte etwas Falsches gesagt.“

Dem Vater ruft er zu: „Junge oder Mädchen? Egal, wird aufgenommen.“ Die Lacher hat er auf seiner Seite. Oder war auch diese kleine Begebenheit gar kein Zufall? In der Partei winkt man ab: Natürlich sei die Situation nicht geplant gewesen. 

Kommentare (34)

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Account gelöscht!

20.03.2017, 13:26 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Frau Lana Ebsel

20.03.2017, 13:48 Uhr

Was für ein Hampelmann. Die SPD scheint mittlerweile als Gesamtkunstwerk das Wahlvolk für so blöde zu halten, um sich von dem blenden zu lassen.

Frau ke Schludewig

20.03.2017, 13:49 Uhr

Erst verurteilen sie Trump, dann wollen Sie ihn kopieren.
Erbärmliche eigene Kreativität....sehr erbärmlich!

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