Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.12.2013

02:35 Uhr

SPD-Mitgliedervotum

Unerwartet viele Genossen beteiligen sich

Bereits über 300.000 SPD-Mitglieder haben sich am Votum über den Eintritt in die große Koalition beteiligt. Am Donnerstag endet die Brief-Abstimmung. Allerdings sind auch die Kosten höher als erwartet.

Hohe Beteiligung: Kurz vor Ende der Abstimmungsfrist haben bereits über 300 000 SPD-Mitglieder an dem Votum über den Eintritt in die große Koalition mitgemacht. dpa

Hohe Beteiligung: Kurz vor Ende der Abstimmungsfrist haben bereits über 300 000 SPD-Mitglieder an dem Votum über den Eintritt in die große Koalition mitgemacht.

BerlinKurz vor Ende der Abstimmungsfrist haben sich bereits über 300.000 SPD-Mitglieder an dem Votum über den Eintritt in die große Koalition beteiligt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen. Damit zeichnet sich eine sehr hohe Beteiligung bei der erstmaligen Mitgliederabstimmung über den Eintritt in eine Koalition auf Bundesebene ab.

Insgesamt sind knapp 475.000 Mitglieder stimmberechtigt. Bis spätestens Donnerstag, 24 Uhr, müssen die Briefe mit einer Zustimmung oder Ablehnung des mit der Union ausgehandelten Koalitionsvertrages im Postfach des SPD-Vorstands eingetroffen sein.

Die Wahlbeteiligung liegt schon jetzt bei über 63 Prozent und könnte am Ende über 70 Prozent betragen. Die Kosten des Votums sind höher als ursprünglich angenommen. Statt der zunächst angegebenen Kosten von einer Million Euro beläuft sich die Summe für den Versand des Koalitionsvertrags, Briefwahl, Auszählung, Logistik, Werbung und Regionalkonferenzen auf über 1,6 Millionen Euro, erfuhr die dpa.

Für das 150-jährige Jubiläum der deutschen Sozialdemokratie wurden bereits rund 3,8 Millionen Euro ausgegeben, so dass zusammen mit den 23 Millionen Euro für den Wahlkampf in diesem Jahr fast 29 Millionen Euro für diese drei Komplexe ausgegeben wurden. „Ein Minus müssen wir nicht verzeichnen“, sagte Schatzmeisterin Barbara Hendricks. „Wir haben durch strikte Kostenkontrolle erreicht, in unserem geplanten Budget zu bleiben“, betonte Hendricks.

Auf 32 Regionalkonferenzen wirbt die Partei seit Ende November um die Zustimmung der Basis. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel gab sich zuversichtlich, dass eine Mehrheit erreicht werden kann. Am Freitagabend werden alle Abstimmungsbriefe zu einem alten Postbahnhof in Berlin-Kreuzberg gebracht, wo noch in der Nacht zu Samstag mit der Öffnung begonnen werden soll.

Die SPD in Zahlen

Mitglieder

Die SPD hatte Ende Oktober 473.048 Mitglieder. Der Höchststand wurde mit 1,261 Millionen 1923 in der Weimarer Republik erreicht. Das Durchschnittsalter liegt heute bei rund 59 Jahren.

Ortsvereine

Derzeit gibt es rund 9000 Ortsvereine. Nach der Wiedervereinigung waren es in den 1990er Jahren bis zu 10.000.

Teures Jahr

Schatzmeisterin Barbara Hendricks muss 2013 viel Geld locker machen: 23 Millionen Euro soll der Bundestagswahlkampf gekostet haben, über zwei Millionen die Feiern zum 150-jährigen Bestehen der deutschen Sozialdemokratie. Und eine Million wird der Mitgliederentscheid über den Eintritt in die große Koalition kosten.

99,7 Prozent

Das beste Ergebnis bei Wahlen zum SPD-Chef nach 1945. Kurt Schumacher schaffte das 1947 und 1948. Das schlechteste Ergebnis bisher waren die 62,6 Prozent von Oskar Lafontaine bei der Kampfabstimmung 1995 in Mannheim gegen Rudolf Scharping.

Bis zu 40.000 Briefe können pro Stunde geöffnet werden, so dass am Vormittag die Auszählung beginnen könnte. Bis spätestens 18 Uhr soll Gabriel das Ergebnis verkünden. Am Sonntag wollen Union und SPD dann offiziell die Aufteilung der Bundesministerien und die Namen für die einzelnen Posten bekanntgeben.

Geplant sind weiter 14 Ministerien, von denen die CDU fünf plus den Kanzleramtschef, die CSU drei und die SPD sechs bekommen könnte. Für den 17. Dezember ist die Wiederwahl von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Deutschen Bundestag geplant.

Am Sonntagvormittag tagt um 11 Uhr der SPD-Vorstand, um 17 Uhr treffen sich das CDU-Präsidium in Berlin und der CSU-Vorstand in München. Spätestens danach dürfte Klarheit über das mögliche Kabinett einer schwarz-roten Koalition herrschen.

Bei der SPD werden derzeit vor allem Gabriel (Wirtschaft/Energie), Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier (Außen), Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann (Innen oder Justiz), Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (Familie), Generalsekretärin Andrea Nahles (Arbeit/Soziales) und Hendricks (Entwicklung) als mögliche Ministeranwärter gehandelt.

Von

dpa

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.12.2013, 09:16 Uhr

Wi jetzt, die Kosten fü die Abstimmung sind höher als erwartet. Wussten man nicht vorher wieviel Briefe verschickt werden udn konnte das genau berechnen? Oder hat die Führung auf eine geringe Beteiligung, ausschließlich der Zustimmer, gesetzt? Wie auch immer, wer sich so verrechnet, sollte nicht regieren dürfen.
Da die SPD Führung bisher so großzügig mit Geld umging, fehlt nun der Partei das geld für einen Wahlkampf sollte es zu Neuwahlen kommen. Das gilt es für die führung zu vermeiden, auch deshalb riskieren die unsere Freiheit, unsere Demkratie, den Fortbestand dieser Partei.Nicht ausßer Acht lassen sollte man auch die schönen Posten und Positiönchen dieser Führung, die ein mieses Wahlergebnis eingefahren hatte und einen schlechten Koalitionsvertrag aushandelte, auch wenn beides schön geredet wird.

RumpelstilzchenA

11.12.2013, 09:26 Uhr

Hohe Beteiligung ergibt viel Spielraum für Manipulationen. Überlasst mal den Hamburger Genossen das Auszählen, die haben mit so etwas viel Erfahrungen...

Account gelöscht!

11.12.2013, 09:30 Uhr

Super, schon die erste Fehlprognose fuer das zukuenftige Wirtschaftsministerium. Aber keine Angst, der Steuerzahler wirds schon richten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×