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10.05.2013

15:53 Uhr

SPD-Schattenkabinett

IG-Bau-Chef ist Steinbrücks Arbeitsminister in spe

Peer Steinbrück bastelt an seinem Schattenkabinett. Arbeit und Soziales soll IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel übernehmen – ein scharfer Kritiker der Agenda-2010. Für Netzpolitik ist eine Design-Professorin vorgesehen.

Klaus Wiesehügel könnte Deutschlands neuer Arbeitsminister werden. dpa

Klaus Wiesehügel könnte Deutschlands neuer Arbeitsminister werden.

BerlinNach den Zerwürfnissen der Schröder-Ära sucht die SPD wieder den Schulterschluss mit den Gewerkschaften: SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück holt IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel in sein Schattenkabinett. Der 60-jährige Gewerkschaftler soll die Themen Arbeit und Soziales abdecken und eine Brücke zum Gewerkschaftslager schlagen. Für Innenpolitik soll Thomas Oppermann zuständig sein, für das Thema „Vernetzte Gesellschaft“ ist die Design-Professorin Gesche Joost vorgesehen.

Die Berufung Wiesehügels war zunächst durch einen Bericht der „Bild“ bekannt geworden, am Freitag bestätigte die SPD die Personalie und nannte zwei weitere. Wiesehügel ist eine Besetzung mit Signalwirkung: Als Bundestagsabgeordneter der SPD von 1998 bis 2002 hatte er zu den schärfsten internen Kritikern von Schröders Reform-Agenda 2010 gehört. Er war damals Mitinitiator eines parteiinternen Mitgliederbegehrens gegen das Reform-Paket. Auch gegen die von der Großen Koalition von Union und SPD beschlossene „Rente mit 67“ machte Wiesehügel zusammen mit den anderen DGB-Gewerkschaften massiv Front.

Steinbrücks Hintermannschaft

Kleines Team von Vertrauten

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat ein kleines Team von Vertrauten um sich geschart, die ihn beraten sollen – und die Krisenmanagement betreiben müssen, wenn der Kandidat mit seinen lockeren Sprüchen für Wirbel sorgt. Zum Teil gehörten Steinbrücks Berater bereits zum engen Kreis um Altkanzler Gerhard Schröder und Ex-Parteichef Franz Müntefering.

Andrea Nahles

Nach Kompetenzgerangel übernimmt Generalsekretärin Andrea Nahles die Hauptverantwortung für die gesamte Wahlkampagne. Enge Vertraute Steinbrücks verlieren bisherige Zuständigkeiten. Steinbrücks Kampagnenleiter Heiko Geue wird von einigen im Willy-Brandt-Haus kritisch beäugt.

Rolf Kleine

Rolf Kleine ist ein alter Hase des Berliner Politikbetriebs. Der gelernte Redakteur arbeitete lange in verschiedenen Positionen für die „Bild“-Zeitung. Ende 2011 verließ er den Springer-Konzern, um als Head of Public Affairs die politische Kommunikation des Immobilienkonzerns Deutsche Annington zu verantworten. Rolf Kleine ist 52 und gilt als meinungsstark, erfahren und gut vernetzt.

Kleine arbeitete unter anderem bei den „Westfälischen Nachrichten“, der Nachrichtenagentur ddp und der „Berliner Zeitung“. Insgesamt 17 Jahre schrieb er für Springer, zuletzt mehrere Jahre vor seinem Ausscheiden als Co-Leiter des Hauptstadtbüros. „Bild“ hatte damals mitgeteilt, Kleine gehe auf eigenen Wunsch.

Kleine war regelmäßig Gast in Talkshows und Fernsehmagazinen, so auch bei N24 im „Politischen Quartett“. Titel einer Jubiläumssendung vor fast genau 10 Jahren, im April 2003: „Lust am Untergang - Stürzt die SPD ihren Kanzler?“ Die Deutsche Annington, die Kleine nun wieder verlässt, gehört nach eigenen Angaben mit rund 180 000 eigenen Wohnungen und etwa 2400 Mitarbeitern zu den führenden deutschen Wohnungsunternehmen.

Hans-Roland Fäßler

Der Medienprofi gilt als sehr gut vernetzt. Anders als Donnermeyer ist er nicht in der Parteizentrale angesiedelt, sondern soll von außen Steinbrück den Weg zu führenden Medienvertretern ebnen. Fäßler war erst für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dann für die Medienkonzerne Gruner & Jahr und Bertelsmann tätig. Zu seinen Freunden zählt der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, der inzwischen nicht mehr der SPD angehört. Fäßler soll hinter dem verunglückten Internetportal „PeerBlog" gestanden haben.

Matthias Machnig

Thüringens Wirtschaftsminister gilt als einer der wichtigsten politischen Berater Steinbrücks. Machnig leitete 1998 und 2002 erfolgreich die Wahlkämpfe Gerhard Schröders. Auch mit Müntefering arbeitete er eng zusammen, als dieser erst Generalsekretär und später dann Parteichef war. Nach 2002 war Machnig zeitweise für die Consulting-Firma BBDO tätig, die zahlreiche deutsche Konzerne berät, später für das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton. Auch Machnig arbeitet als externer Ratgeber für Steinbrück, weswegen er sein Regierungsamt in Erfurt weiter ausübt.

Heiko Geue

Heiko Geue ist Steinbrücks Kampagnenleiter. Wegen dieser Funktion ließ er sich von seinem bisherigen Posten als Finanzstaatssekretär in Sachsen-Anhalt beurlauben. Ein Rückkehrrecht ist jedoch rechtlich umstritten. Auf Veranlassung von Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) verlor Geue daher seinen Job. In der Ära Schröder war Geue einer der Architekten der Agenda 2010 gewesen. Damals war er unter anderem als persönlicher Referent von Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier tätig. In der Zeit der großen Koalition koordinierte Geue den Leitungsstab des Bundesfinanzministeriums für den damaligen Ressortchef Steinbrück. Geue ist mit Steinbrücks Büroleiterin Sonja Stötzel liiert.

Timo Noetzel

Der Politikwissenschaftler gehört seit Anfang Februar zu Steinbrücks Mannschaft. Noetzel soll für den Kandidaten kampagnenfähige Themen identifizieren. Er war bisher Leiter des Politik- und Analysestabs der Münchner Sicherheitskonferenz sowie Vorstandsmitglied der Berliner Denkfabrik „Stiftung neue Verantwortung".

Torsten Schäfer-Gümbel

Steinbrück selbst nennt den hessischen SPD-Chef als Berater in Finanzmarktfragen. Der eher dem linken Parteiflügel zugerechnete „TSG" gehört aber wohl nicht zum engeren Umfeld des Kandidaten.

Jarmila Schneider

Mit ihr gehört neuerdings auch eine Frau zu Steinbrücks Beraterstab. Jarmila Schneider unterstützt seit Mitte Februar als zweite Pressesprecherin den Hauptsprecher Donnermeyer. Sie war bisher Sprecherin der bayerischen SPD.

Wiesehügel ist gelernter Betonbauer und arbeitete bis 1974 beim Baukonzern Hochtief. Nach dem Besuch der Sozialakademie in Dortmund wurde er Gewerkschaftssekretär. Seit 1995 führt er die IG Bau.

Thomas Oppermann ist seit 2007 parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag und gilt als ausgewiesener Innenpolitiker.

Gesche Joost ist Professorin für Design und leitete Projekte des Forschungslabors T-Labs der Deutschen Telekom. Sie gehört seit Jahren zu Steinbrücks Beratungsstab und soll sich in seinem Kabinett um Themen kümmern wie eine „gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität oder die Neuregelung des Urheberrechts“.

Steinbrück hatte angekündigt sein Schattenkabinett zwischen Mai und Juli schrittweise vorstellen. Es soll zur Hälfte aus Frauen bestehen.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

10.05.2013, 07:19 Uhr

Die Rente mit 67 bekämpfte er .....
Die Zeitarbeit befürwortet er .....

Gerade auf dem Bau kennen wir Billiglöhner , Arbeitszeiten von 60 Wochenstunden und eine sich rasant ausbreitende Zeitarbeit .
Mit dieser Personalie ist die Richtung ,die eine eventuelle rot/grüne Regierung einschlägt fundamentiert .

Marc

10.05.2013, 09:11 Uhr

Es ist immer wieder interessant zu lesen mit welchem Werdegang es möglich ist Minister zu werden. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Wähler das erkennt.

ein_Liberaler

10.05.2013, 09:38 Uhr

Das Kabinett der Schatten kann gerne im Dunkelen bleiben. Norbert Röttgen kennt schließlich auch keiner mehr, seit er aus dem Bundeskabinett rausgeflogen ist.

Steinbrück könnte maximal Katastrophenschutzminister werden und dann mit seinem "Schattenkabinett" verschiedene Katastrophenübungen veranstalten. Das war es dann aber auch. Herrn Steinbrück möchte ich nicht mal als "Deich-grafen" an Oder und Elbe.

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