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01.01.2008

11:46 Uhr

SPD-Spitzenkandidat

Michael Naumann: Der Herausforderer

Mit Michael Naumann hat die SPD einen Exoten ins Rennen um das Bürgermeisteramt geschickt. Seine Wahlkampferfahrung ist gleich null, er tut sich schwer in der direkten politischen Konfrontation. Regierender Bürgermeister könnte er am Ende dennoch werden.

Michael Naumann gibt sich wenige Tage vor der Wahl zuversichtlich. Foto: dpa dpa

Michael Naumann gibt sich wenige Tage vor der Wahl zuversichtlich. Foto: dpa

HB HAMBURG. Ex-Kulturstaatssekretär, Verleger und Zeit-Herausgeber: Michael Naumann hat eine durchaus bunte Biographie. Nur als Vollblutpolitiker ist er bisher nie in Erscheinung getreten. Für die seit Jahren zerstrittene Hamburger SPD soll er jetzt dennoch deren ehemaliges Stammland wieder erobern. Bisher sieht es damit besser aus, als gedacht. Allerdings leistet sich der vom Publizisten zum Wahlkämpfer gewandelte Intellektuelle immer wieder Patzer, die seine Genossen an der Alster zur Verzweiflung bringen.

Zum Beispiel beim Thema Rauchverbot. Zusammen mit den anderen Fraktionen hat die SPD in der Bürgerschaft für ein solches Verbot gestimmt. Ihr Spitzenkandidat machte unterdessen Wahlkampf mit der Forderung nach Rauchfreiheit in Eckkneipen. Oder das Thema Elbphilharmonie, die in Hamburgs neuer Hafen-City entstehen soll. Während schon längst entschieden war, dass diese über eine schon bestehende Station ans U-Bahnnetz angeschlossen werden soll, forderte Naumann noch immer den Verzicht auf den Neubau einer eigenen Haltestelle.

Dennoch ist Naumanns Kampf, Bürgermeister in Hamburg zu werden, nicht aussichtslos. Zwar liegt er bei den persönlichen Umfragewerten deutlich hinter Amtsinhaber Ole von Beust (CDU), allerdings könnte ein rot-grünes Bündnis durchaus eine Mehrheit erreichen - je nachdem, ob FDP und Links in die Bürgerschaft einziehen.

Naumann tourt bereits seit fast einem Jahr wahlkämpfend durch Hamburg. Seinen Bekanntheitsgrad hat der Ex-Kulturstaatsminister von Gerhard Schröder so auf mehr als 90 Prozent erhöht. Sein Hauptthema ist die soziale Gerechtigkeit. Einen Wahlkampf, der sich nur mit dem Mindestlohn beschäftigt, lehnt Naumann aber ab. "Mindestlohn ist nur eine Metapher für die schlechter werdenden Einkommensverhältnisse der gesamten arbeitenden Bevölkerung in Deutschland", sagte er. Deshalb halte er einen Wahlkampf für zielführend, der "nicht allein auf sozialpolitische, sondern den gesamten Mittelstand betreffenden Bildungsfragen abhebt." Dabei hat Naumann bereits millionenschwere Wahlversprechen abgegeben, wie ein kostenloses Kindergartenjahr oder kostenlose Kita-Mittagessen. Unklar ist die Finanzierung dieser Pläne.

Dass er oft als "Schöngeist" ohne große Finanzkenntnisse beschrieben wird, ärgert den 66-Jährigen mächtig. Schließlich habe er auch schon den renommierten Rowohlt-Verlag geleitet.

Privat beschäftigt sich Naumann gleichwohl gern mit Anspruchsvollem. Sein bevorzugter Lesestoff sind die alten Philosophen, aber auch Romane und Biografien. Befreundet ist er unter anderem mit den Regisseuren Peter Zadek und Jürgen Flimm sowie Literaturnobelpreisträger Günter Grass, der auch aktiv Wahlkampf für Naumann macht. Auch der Hamburger Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) gibt ihm zudem "gute Ratschläge".

Naumann kämpft bei der Bürgerschaftswahl nach eigener Aussage für ein rot-grünes Bündnis. Sollte er am 24. Februar verlieren, will er weiter in der Politik bleiben. "Dann werde ich in die Bürgerschaft gehen und mich dort zum Wohl der Stadt einbringen", sagte er.

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