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06.09.2013

15:33 Uhr

SPD und Grüne

Das Ende der rot-grünen Machtträume

VonDietmar Neuerer

Angela Merkel kann schon einmal den Sekt kalt stellen. Die Aussichten von SPD und Grünen schwinden zusehends. In Umfragen kommen beide nicht vom Fleck. Warum dringen die rot-grünen Frontleute bei den Wählern nicht durch?

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (l) und der Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Trittin: Die Regierungsaussichten schwinden. dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (l) und der Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Trittin: Die Regierungsaussichten schwinden.

BerlinGerade noch schien ein Wende hin zum Besseren in greifbarer Nähe. Doch die Pluspunkte, die SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im TV-Duell gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für sich verbuchen konnte, wurden nur wenige Tage später vom grünen Wunschkoalitionspartner zunichte gemacht. Im ARD-„Deutschlandtrend“ fielen die Grünen auf den bisher niedrigsten Zustimmungswert in der laufenden Legislaturperiode – und das gut zwei Wochen vor der Bundestagswahl.

Der Befund ist umso bitterer für die SPD, weil Steinbrück tatsächlich dabei ist, Boden gut zu machen. Auch wenn die Kanzlerin im Direktvergleich vor ihm liegt, so konnte der ehemalige Bundesfinanzminister Steinbrück dennoch sechs Prozent zulegen und käme damit bei einer Direktwahl des Kanzlers auf 34 Prozent. Für Merkel würden sich 54 Prozent entscheiden. Noch besser sieht es für Steinbrück im Politikerranking des „Deutschlandtrends“ aus. Hier konnte er sich sogar um zwölf Prozentpunkte verbessern und erreicht mit 47 Prozent Zustimmung den sechsten Platz, sein bester Wert seit Dezember 2012. Von Merkel ist Steinbrück jedoch immer noch meilenweit entfernt. Immerhin 70 Prozent der Befragten zeigten sich zufrieden mit der Arbeit der Kanzlerin.

Insofern ist Steinbrück auf starke Grüne angewiesen. Da er für sich selbst festgelegt hat, nur in einer rot-grünen Koalition Kanzler zu werden, andere Machtkonstellationen für ihn also keine realistische Option darstellen, müssten die beiden Lager noch deutlich mehr Wähler mobilisieren. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Im Gegenteil: Die rot-grünen Machtträume beginnen sich zusehends zu zersetzen.

Die grünen Vorkämpfer wollen davon naturgemäß nichts wissen, sie reden sich die Lage schön. Am Donnerstag traten die Anführer Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt sowie der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann gemeinsam mit SPD-Kandidat Steinbrück vor die Presse und beschworen die rot-grüne Zukunft, als lägen sie derzeit nicht weit hinter Schwarz-Gelb. Man werde gewinnen, die Umfragen täuschten, die vielen Unentschiedenen brächten die Wende, so der Tenor.

Die Steuerpläne, die auch viele Anhänger erschreckt hatten, erwähnten die Grünen mit keinem Wort. Erst auf Nachfrage sagte Kretschmann, man hoffe eben, „dass Ehrlichkeit belohnt wird“.

Die Spitzenkandidatin der Südwest-Grünen, Kerstin Andreae, reagierte ernüchtert auf den Umfrageeinbruch. „10 Prozent sind nun wirklich nicht das, was ich mir für uns Grüne wünsche am 22. September.“ Es gehe um richtig was bei dieser Wahl, etwa ob die erneuerbaren Energien vorangetrieben oder neue Kohlekraftwerke gebaut werden. „Ich bin deshalb optimistisch, dass wir Grüne bei einer schärferen Auseinandersetzung noch punkten können“, sagte die Vize-Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion Handelsblatt Online. „Bis jetzt haben wir eine Einschläferungskampagne der Kanzlerin erlebt.“

Kommentare (119)

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W.Steinberger

06.09.2013, 15:42 Uhr

Weil wir genug haben von grüner Zwangsbeglückung !
Deshalb AfD !

ines

06.09.2013, 15:45 Uhr

Also, mit der Ankündigung von Steuererhöhungen in den Wahlkampf zu gehen, und dann zu glauben, man wird gewählt, ist ja schon nicht mehr optimistisch zu nennen....

Account gelöscht!

06.09.2013, 15:47 Uhr

Da können Sie ja weiter für rot-grün trommeln, bis Sie schwarz sind, Herr Neuerer. Aber im Ernst: Wer wählt Parteien, die die absolute Transferunion wollen und letztlich ein "politisches Projekt" näher steht als die Menschen?

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