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16.06.2013

13:59 Uhr

SPD-Wahlkampf

Steinbrück verwarnt Gabriel

Drei Monate vor der Bundestagswahl liegen bei der SPD die Nerven blank: Spitzenkandidat Peer Steinbrück fordert von Parteichef Sigmar Gabriel die volle Loyalität ein - woran es seiner Meinung nach zuletzt mangelte.

Kein Herz und eine Seele? Parteichef Sigmar Gabriel (r.) hatte Steinbrück bei der Kanzlerkandidatur den Vortritt gelassen, fährt ihn aber immer mal wieder in die Parade. dpa

Kein Herz und eine Seele? Parteichef Sigmar Gabriel (r.) hatte Steinbrück bei der Kanzlerkandidatur den Vortritt gelassen, fährt ihn aber immer mal wieder in die Parade.

BerlinZwischen SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und seinem Parteichef Sigmar Gabriel knirscht es drei Monate vor der Bundestagswahl. Unmittelbar vor dem Parteikonvent am Sonntag rief Steinbrück seine Partei zur Bündelung aller Kräfte auf und forderte dabei ganz ausdrücklich auch die Unterstützung von Gabriel ein. "Ich erwarte deshalb, dass sich alle - auch der Parteivorsitzende - in den nächsten 100 Tagen konstruktiv und loyal hinter den Spitzenkandidaten und die Kampagne stellen", sagte er dem "Spiegel".

Dabei nahm Steinbrück Bezug auf eine Auseinandersetzung in der SPD-Fraktion Bezug und erklärte: "Situationen wie am vergangenen Dienstag dürfen sich nicht wiederholen". Nach Angaben aus SPD-Fraktionskreisen war es am Dienstag an zwei Punkten zu Diskussionen gekommen, die Steinbrück offenbar als Schwächung seiner Position interpretierte.

Steinbrücks Hintermannschaft

Kleines Team von Vertrauten

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat ein kleines Team von Vertrauten um sich geschart, die ihn beraten sollen – und die Krisenmanagement betreiben müssen, wenn der Kandidat mit seinen lockeren Sprüchen für Wirbel sorgt. Zum Teil gehörten Steinbrücks Berater bereits zum engen Kreis um Altkanzler Gerhard Schröder und Ex-Parteichef Franz Müntefering.

Andrea Nahles

Nach Kompetenzgerangel übernimmt Generalsekretärin Andrea Nahles die Hauptverantwortung für die gesamte Wahlkampagne. Enge Vertraute Steinbrücks verlieren bisherige Zuständigkeiten. Steinbrücks Kampagnenleiter Heiko Geue wird von einigen im Willy-Brandt-Haus kritisch beäugt.

Rolf Kleine

Rolf Kleine ist ein alter Hase des Berliner Politikbetriebs. Der gelernte Redakteur arbeitete lange in verschiedenen Positionen für die „Bild“-Zeitung. Ende 2011 verließ er den Springer-Konzern, um als Head of Public Affairs die politische Kommunikation des Immobilienkonzerns Deutsche Annington zu verantworten. Rolf Kleine ist 52 und gilt als meinungsstark, erfahren und gut vernetzt.

Kleine arbeitete unter anderem bei den „Westfälischen Nachrichten“, der Nachrichtenagentur ddp und der „Berliner Zeitung“. Insgesamt 17 Jahre schrieb er für Springer, zuletzt mehrere Jahre vor seinem Ausscheiden als Co-Leiter des Hauptstadtbüros. „Bild“ hatte damals mitgeteilt, Kleine gehe auf eigenen Wunsch.

Kleine war regelmäßig Gast in Talkshows und Fernsehmagazinen, so auch bei N24 im „Politischen Quartett“. Titel einer Jubiläumssendung vor fast genau 10 Jahren, im April 2003: „Lust am Untergang - Stürzt die SPD ihren Kanzler?“ Die Deutsche Annington, die Kleine nun wieder verlässt, gehört nach eigenen Angaben mit rund 180 000 eigenen Wohnungen und etwa 2400 Mitarbeitern zu den führenden deutschen Wohnungsunternehmen.

Hans-Roland Fäßler

Der Medienprofi gilt als sehr gut vernetzt. Anders als Donnermeyer ist er nicht in der Parteizentrale angesiedelt, sondern soll von außen Steinbrück den Weg zu führenden Medienvertretern ebnen. Fäßler war erst für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dann für die Medienkonzerne Gruner & Jahr und Bertelsmann tätig. Zu seinen Freunden zählt der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, der inzwischen nicht mehr der SPD angehört. Fäßler soll hinter dem verunglückten Internetportal „PeerBlog" gestanden haben.

Matthias Machnig

Thüringens Wirtschaftsminister gilt als einer der wichtigsten politischen Berater Steinbrücks. Machnig leitete 1998 und 2002 erfolgreich die Wahlkämpfe Gerhard Schröders. Auch mit Müntefering arbeitete er eng zusammen, als dieser erst Generalsekretär und später dann Parteichef war. Nach 2002 war Machnig zeitweise für die Consulting-Firma BBDO tätig, die zahlreiche deutsche Konzerne berät, später für das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton. Auch Machnig arbeitet als externer Ratgeber für Steinbrück, weswegen er sein Regierungsamt in Erfurt weiter ausübt.

Heiko Geue

Heiko Geue ist Steinbrücks Kampagnenleiter. Wegen dieser Funktion ließ er sich von seinem bisherigen Posten als Finanzstaatssekretär in Sachsen-Anhalt beurlauben. Ein Rückkehrrecht ist jedoch rechtlich umstritten. Auf Veranlassung von Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) verlor Geue daher seinen Job. In der Ära Schröder war Geue einer der Architekten der Agenda 2010 gewesen. Damals war er unter anderem als persönlicher Referent von Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier tätig. In der Zeit der großen Koalition koordinierte Geue den Leitungsstab des Bundesfinanzministeriums für den damaligen Ressortchef Steinbrück. Geue ist mit Steinbrücks Büroleiterin Sonja Stötzel liiert.

Timo Noetzel

Der Politikwissenschaftler gehört seit Anfang Februar zu Steinbrücks Mannschaft. Noetzel soll für den Kandidaten kampagnenfähige Themen identifizieren. Er war bisher Leiter des Politik- und Analysestabs der Münchner Sicherheitskonferenz sowie Vorstandsmitglied der Berliner Denkfabrik „Stiftung neue Verantwortung".

Torsten Schäfer-Gümbel

Steinbrück selbst nennt den hessischen SPD-Chef als Berater in Finanzmarktfragen. Der eher dem linken Parteiflügel zugerechnete „TSG" gehört aber wohl nicht zum engeren Umfeld des Kandidaten.

Jarmila Schneider

Mit ihr gehört neuerdings auch eine Frau zu Steinbrücks Beraterstab. Jarmila Schneider unterstützt seit Mitte Februar als zweite Pressesprecherin den Hauptsprecher Donnermeyer. Sie war bisher Sprecherin der bayerischen SPD.

So habe Gabriel "mit einer vielleicht etwas unglücklichen Wortwahl" eine Debatte über die SPD-Wahlkampführung angezettelt und dabei fehlenden Angriffsgeist gegen den politischen Gegner kritisiert, berichtete ein Teilnehmer. Ausdrücklich auf Steinbrück habe er das aber nicht bezogen. Laut "Spiegel" sagte Gabriel: "So Leute, jetzt reden wir mal über den Wahlkampf, wir sind noch nicht im Wahlkampfmodus."

Unstimmigkeiten habe es auch bei der Diskussion über die geplante europäische Bankenunion gegeben. Auch hier habe es Stimmen gegeben, die Steinbrücks Linie in Hinblick auf Bedingungen für direkte Bankenhilfen des ESM nicht hätten folgen wollen. Dabei habe Gabriel dem Spitzenkandidaten nicht ausdrücklich den Rücken gestärkt.

Gabriel will von einem Zerwürfnis jedoch nichts wissn. Die politische Ehe zwischen den beiden sei „ziemlich lebendig, meistens fröhlich“, sagte Gabriel am Sonntag zum Auftakt eines Parteikonvents in Berlin. „Es gibt zwischen uns keine Streitereien“, versicherte er den 200 Delegierten.

Gelegentlich gebe es im Wahlkampf schon mal Spannungen und Reibungen. „Reibung erzeugt Wärme“, sagte Gabriel. Mit Blick auf eine Aussage Steinbrücks im „Spiegel“, Gabriel müsse loyal zu ihm stehen, sagte Gabriel: „Wenn der Kanzlerkandidat mal meint, er müsse den Parteivorsitzenden in den Senkel stellen müssen, dann darfst Du das auch“, sagte er an die Adresse Steinbrücks.

Sein Heimatverband steht auf jeden Fall geschlossen hinter Gabriel: Auf dem Landesparteitag in Walsrode im Harz hatten am Samstag 98,2 Prozent der Delegierten für Gabriel als Spitzenkandidaten der niedersächsischen Sozialdemokraten für die Bundestagswahl gestimmt.

Kommentare (26)

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Account gelöscht!

16.06.2013, 12:25 Uhr

Auf Steinbrücks rechten Nachttisch steht vermutlich ein Bild von Angela Merkel und auf dem linken Nachttisch ein Bild von Gabriel und der Roth Hand in Hand vom SPD Parteitag. Steinbrück will nicht Kanzler werden, aber die Linken betteln förmlich bei SPD und Grünen an und darauf werden sich beide Parteien nach der Wahl berufen. Entweder eine direkte Beteiligung oder eine Minderheitsregierung mit Duldung der Linke. Das will Steinbrück nicht, dass geht schief und dann wäre Steinbrück ein gescheiterter Kanzler. Darum muss die CDU auch keinen Wahlkampf machen, die Mehrheit Haben R/G/L.
Nachdem dann R/G/L gescheitert sind kommt die Große Koallition mit den Grünen und der Abschied von Hundertausenden Wählern, wenn nicht Millionen.

WahlerImLand

16.06.2013, 12:45 Uhr

... der unendlichen Klingeltöne. Wo bitte schön, darf und kann man unterschreiben?

btw

16.06.2013, 12:45 Uhr

Eine Verwarnung: was für eine wundervolle Kanzlerschaft man davon wohl zu erwarten hat.

Kann irgendjemand bitte einmal Steinbrück Kanzler erklären, bevor er es wird?

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