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16.01.2009

12:46 Uhr

Speicher

Gasstreit zehrt an den Vorräten in Europa

Während sich Russland und die Ukraine noch immer über die Gaslieferungen streiten, sind die europäischen Speicher mittlerweile fast zur Hälfte leer. Die Energieversorger versuchen, die Kunden zu beruhigen. Derweil fordert Kiew von der EU, für die Wiederaufnahme des Gastransits zu bezahlen.

Erdgasspeicher des Versorgers Wingas in Rehden. Foto: Wingas Pressebild

Erdgasspeicher des Versorgers Wingas in Rehden. Foto: Wingas

rüd/HB DÜSSELDORF. Der noch immer ungelöste Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine zehrt an den Vorräten in den deutschen Gasspeichern. Nach Angaben der europäischen Gasspeicherorganisation Gas Storage Europe (GSE) in Brüssel waren die 46 deutschen Speicher am Montag dieser Woche nur noch zu 59 Prozent gefüllt. Mitte Dezember waren es noch 78 Prozent.

Die GSE vertritt 31 Gasspeicher-Betreiber und veröffentlicht wöchentlich die Füllstände, basierend auf Angaben der Mitgliedsorganisationen. In Deutschland sind es die BEB Speicher GmbH, Eon Ruhrgas, RWE Energy, EnBW, EWE, Bayerngas und VNG.

Bei RWE gibt man sich gelassen. "Wir sind gut aufgestellt für diese Jahreszeit", sagte eine Sprecherin zu Handelsblatt.com "Im Moment gibt es keine Sorge um die Versorgungssicherheit." Ähnlich äußerte sich die VNG. "Die Versorgung ist stabil", sagte eine Sprecherin. Der ostdeutsche Versorger beziehe sein Gas vor allem aus einer Pipeline über Weißrussland und Polen, so dass der Lieferstopp aus der Ukraine kaum ins Gewicht falle. Zwar bediene sich die VNG momentan aus den Gasspeichern, dies sei jedoch für diese Jahreszeit üblich, so die Sprecherin. Die durch den Gasstreit fehlende, "geringe Menge", könne man mit zusätzlichen Bestellungen aus Norwegen ausgleichen.

Auch Wingas, ein Gemeinschaftsunternehmen der BASF-Tochter Wintershall und dem russischen Gaskonzern Gazprom, versucht zu beruhigen. Die Krise habe "praktisch keine Auswirkungen", da auch Wingas den größten teil seiner Importe über Weißrussland und Polen beziehe, sagte ein Sprecher zu Handelsblatt.com. Der Speicher im niedersächsichen Rehden, mit 4,2 Mrd. Kubikmetern der größte in Deutschland, sei mit einem Stand von drei Vierteln "nach wie vor gut gefüllt".

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wollte sich zu den aktuellen Füllmengen in den Speichern nicht äußern. Die Verbraucher hätten aber nichts zu befürchten, die Versorgung sei sicher. Die Ausfälle bei russischem Gas würden teilweise durch höhere Liefermengen aus anderen Ländern oder über andere Transportwege ausgeglichen, sagte ein BDEW-Sprecher in Berlin.

Deutschland verfügt über die höchste Gas-Speicherkapazität in Europa. In 46 unterirdischen Anlagen können rund 20 Mrd. Kubikmeter Gas gespeichert werden. Dies entspricht rund einem Viertel des Verbrauchs im Jahr 2007. Geplant oder bereits im Bau sind 15 weitere Speicher mit etwa 3,5 Mrd. Kubikmeter Kapazität. Die größten Gasspeicher sind neben Rehden der Standort Epe in Nordrhein-Westfalen mit 2,75 Mrd. Kubikmetern und Dötlingen in Niedersachsen mit 1,62 Mrd.

Unterdessen hat die Ukraine der Europäischen Union nahe gelegt, vorübergehend die Zahlung des technischen Gases zu übernehmen. Das könnte eine Lösung sein, sagte Vize-Regierungschef Grigori Nemyrja der "Welt". Das technische Gas wird benötigt, um die Verdichterstationen entlang der Transitstrecke zu betreiben. Es ist damit eine Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Gastransits. Auf diese Weise könne wieder Gas in den Westen geliefert werden, bis sich Kiew und Moskau über den Gaspreis geeinigt hätten, fügte Nemyrja hinzu. Pro Tag müssten dafür rund 21 Mio. Kubikmeter Gas fließen. Zum Preis, den Kiew bis Jahresende zahlte, sind dies umgerechnet rund 2,9 Mio. Euro am Tag.

Die ukrainische Führung kündigte außerdem kurzfristig für den heutigen Freitag ein Gegentreffen zu dem für Samstag in Moskau geplanten Krisengipfel an.

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