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10.07.2014

16:19 Uhr

Spionage-Skandal

US-Spionage für Merkel „Vergeudung von Kraft“

Angela Merkel sieht die US-Spionage in Deutschland vor allem als „Vergeudung von Kraft“. Es gebe dringlichere Angelegenheiten, als das ausspionieren von Verbündeten, erklärte die Kanzlerin gerade mit Blick nach Nahost.

Merkel zum Spionage-Debakel

„Ausspionieren von Verbündeten ist Vergeudung von Kraft“

Merkel zum Spionage-Debakel: „Ausspionieren von Verbündeten ist Vergeudung von Kraft“

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BerlinIn bisher ungekannter Schärfe gegenüber den USA hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag zur Spionageaffäre in Deutschland geäußert. Die Nachrichtenagentur dpa dokumentiert ihre Stellungnahme während einer Pressekonferenz mit dem Ministerpräsidenten von Moldau, Iurie Leanca, in Berlin:

„Wenn das, was jetzt im Raum steht, (...) den Tatsachen entspricht, dann will ich einfach sagen, dass - mit dem gesunden Menschenverstand betrachtet -, (...) das Ausspionieren von Verbündeten, von Alliierten, letztlich Vergeudung von Kraft ist.

Wir haben so viele Probleme, und wir sollten uns (...) auf das Wesentliche konzentrieren. Wenn ich allein nur an die Herausforderungen denke, vor denen wir in Syrien stehen (...). Wenn ich mich beschäftige mit der Abwehr von Terroristen, so gibt es riesige Problemstellungen, und die sind für mich absolut prioritär gegenüber der Frage, dass man sich jetzt als Verbündete gegenseitig ausspioniert.

Wie die NSA das Internet überwacht

Immer neue Enthüllungen

Seit Sommer 2013 kommen immer neue Details über Spionageaktivitäten von Geheimdiensten im Internet ans Licht. Sie basieren auf Dokumenten, die der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden an Journalisten übergab. Ein Überblick über die zentralen Erkenntnisse.

Prism

Prism: Der Name stand zunächst für die gesamte Affäre, umfasst aber nur einen Teil des Repertoires der NSA. Über Prism hat der Überwachungsdienst Zugriff auf Nutzerdaten großer US-Internetfirmen, darunter Google, Yahoo, Microsoft und Facebook. Ein Geheimgericht ordnet die Herausgabe der Informationen an. Das seien etwa Inhalte von Mails, Suchanfragen oder Chats, berichtete die britische Zeitung „Guardian“. Die Firmen sind zum Stillschweigen verpflichtet. Die Internetriesen streiten vor Gericht dafür, mehr Details veröffentlichen zu dürfen.

Tempora

Tempora hießt ein Programm des britischen Dienstes GCHQ. Der GCHQ arbeitet eng mit der NSA zusammen. Gemeinsam mit Australien, Neuseeland und Kanada bilden die Länder die Allianz der «Five Eyes», («Fünf Augen»), in der Informationen ausgetauscht werden. Unter dem Codenamen Tempora soll der GCHQ mehr als 200 Glasfaserkabel anzapfen, über die Daten um die Welt rasen. So habe der GCHQ Zugriff auf den Internetverkehr, der über die angezapften Kabel läuft.

Xkeyscore

Die gewaltigen Datenmengen, die die NSA sammelt, müssen irgendwie ausgewertet werden. Dazu dient die Software XKeyscore. Damit können NSA-Analysten wie Snowden die Datenberge nach Verdächtigen durchsuchen. Der deutsche Bundesnachrichtendienst setze ebenfalls eine Version von XKeyscore ein, berichtete „Der Spiegel“.

Verschlüsselung aushebeln

Wenn Daten verschlüsselt durchs Netz geschickt werden, können Geheimdienste nicht einfach so mitlesen. Doch NSA und GCHQ können Medienberichten zufolge mehrere gängige Verschlüsselungstechniken knacken oder aushebeln, darunter die oft eingesetzt SSL-Technologie. Es ist allerdings unklar, welche Techniken genau in welchem Maße für die Dienste zugänglich sind.

Anonymität aufheben

Auch das Anonymisierungsnetzwerk Tor, mit dem Nutzer ihre Spuren im Netz verwischen können, war Spionageziel der NSA. Der Geheimdienst schaffte es allerdings wohl nicht, das Netzwerk direkt zu knacken.

Überwachung ausländischer Staatschefs

Nicht nur Angela Merkels Handy geriet offenbar ins Visier der NSA. Der „Guardian“ berichtete, der Nachrichtendienst habe Telefone von 35 Spitzenpolitikern überwacht. Auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und ihr mexikanischer Kollege Enrique Peña Nieto seien ausgespäht worden.

Angriff auf Google und Yahoo

Die NSA konnte laut der „Washington Post“ den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren der beiden Internet-Riesen abgreifen. In den Rechenzentren werden Informationen aus E-Mail-Diensten, Suchanfragen oder Dokumente der Nutzer gespeichert. Inzwischen sollen die Daten auch zwischen den Rechenzentren verschlüsselt unterwegs sein.

Und darin sehe ich eventuell einen sehr unterschiedlichen Ansatz (...) was die Aufgabe von Geheimdiensten in Zeiten nach Ende des Kalten Krieges ist. Im Kalten Krieg mag das ja so gewesen sein, dass man sich gegenseitig misstraut hat. Wir leben heute im 21. Jahrhundert. Und wir müssen uns fragen, was die Dienste im 21. Jahrhundert für Aufgaben haben. Wir haben völlig neue asymmetrische Bedrohungen. Ich glaube, dass es in diesen Zeiten, die ja sehr viel unübersichtlicher sind, sehr entschieden darauf ankommt, dass Vertrauen entsteht zwischen Verbündeten. Und mehr Vertrauen (...) bedeutet nach meiner festen Auffassung mehr Sicherheit. (...)

Deshalb muss nach meiner Auffassung nicht das technisch Machbare überall gemacht werden, so dass man vielleicht zum Schluss den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Sondern es muss eine Konzentration auf das Wesentliche erfolgen, damit wir wirklich effizient arbeiten können. Und die Fälle, die jetzt in Rede stehen, sind für mich Fälle, wo eben nicht das Wesentliche getan wird, sondern wo man sozusagen alles, was technisch machbar ist, und was man immer schon gemacht hat, und was man mit den Ressourcen, die man hat, noch machen könnte, einfach tut, ohne sozusagen mal zu ordnen, was die eigentlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind.“

Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr Manfred Zimmer

10.07.2014, 16:54 Uhr

"Angela Merkel sieht die US-Spionage in Deutschland vor allem als „Vergeudung von Kraft“"

Wie bitte?
Hat Frau Merkel etwa ihren Eid vergessen - Schaden vom deutschen Volk abzuwenden?

Für uns im Westen waren die Grundrechte nicht nur heilig sondern auch schützenswert. Und jetzt behauptet diese Frau, das sei "Vergeudung von Kraft".

Sie sollte sorgfältiger mit ihrer Wortwahl umgehen und keine Ost-West-Hetze betreiben.

Willi Brand ist damals wegen weniger zurück getreten. Sie sollte sich ein Beispiel nehmen und endlich ihre Ostvergangenheit hinter sich lassen.

Diese Entwicklung hier tut der Bundesrepublik nicht gut und ich hoffe, dass sich die ehemaligen DDR-Bürger von der restlichen Bundesrepublik nicht abspalten wollen. Sie sind aufgefordert IM Erika die Leviten zu lesen, ihr Anstand beizubringen und dort hin zu bringen, wo sie her gekommen ist.

Unerhört, was sich diese Frau leistet!

Herr Wolfgang Trantow

10.07.2014, 20:03 Uhr

Würden wir nicht hemmungslos den Islam unterstützen, bräuchten die USA und nicht ausspionieren! Wer zahlt denn die raketebn auf Israel? Deutschland!

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