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17.02.2017

13:24 Uhr

Spitzelvorwürfe gegen Ditib

Sechs Imame aus Deutschland abgezogen

Die türkische Religionsbehörde Diyanet soll sechs Imame aus Deutschland abgezogen haben. Grund seien die Spitzel-Vorwürfe gegen den Moscheeverband Ditib. Sie sollen Anhänger der Gülen-Bewegung denunziert haben.

Ditib Moscheeverband

Polizei durchsucht Wohnungen von islamischen Geistlichen

Ditib Moscheeverband: Polizei durchsucht Wohnungen von islamischen Geistlichen

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AnkaraIm Zusammenhang mit den Spitzel-Vorwürfen gegen den Moscheeverband Ditib hat die türkische Religionsbehörde Diyanet nach eigenen Angaben insgesamt sechs Imame aus Deutschland abgezogen. Diese Geistlichen hätten ihre Kompetenzen überschritten, sich aber nicht strafbar gemacht, betonte Diyanet-Präsident Mehmet Görmez am Freitag in Ankara. Betroffen seien auch jene Imame, deren Wohnungen am Mittwoch durchsucht wurden. Die Geistlichen seien allerdings schon vor den Durchsuchungen zurückgerufen worden. Sie seien auf ihre früheren Dienststellen in der Türkei zurückgekehrt.

Görmez räumte ein, dass diese Imame Informationen über mutmaßliche Anhänger der Gülen-Bewegung in Deutschland in die Türkei übermittelt hätten. „Jene, die in ihren Schreiben Informationen über Personen weitergegeben haben, wurden sofort als Zeichen des guten Willens auf ihre ursprünglichen Posten zurückbeordert.“ Es sei daher inakzeptabel, dass weiterhin eine „Kampagne“ gegen Ditib und Diyanet geführt werde. Görmez betonte: „Es gibt keine Spionagetätigkeit.“ Die türkische Führung macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich.

Ditib und seine Bindung an die Türkei

Dachverband der Islam-Vereine

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) ist der Dachverband der rund 900 türkisch-islamischen Vereine in Deutschland. Er wurde 1984 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Köln. Nach eigenen Angaben vertritt Ditib rund 70 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime.

Aus- und Weiterbildung von Imamen

Der Verband begreift sich als eine überparteiliche Organisation, die sich zum Grundgesetz bekennt. Er engagiert sich unter anderem in der Integrationsarbeit sowie der Aus- und Weiterbildung von Imamen. Diese werden aus der Türkei entsandt und von Ankara bezahlt.

Aufgaben des Vorsitzenden

An der Spitze des Vereins steht der Theologe Nevzat Yasar Asikoglu. Der Vorstandsvorsitzende ist traditionell der Religionsattaché der türkischen Botschaft in Berlin. Zugleich vertritt er das staatliche Präsidium für Religiöse Angelegenheiten der Türkei (Diyanet) in Deutschland, das dem türkischen Ministerpräsidenten unterstellt ist.

Kritik

Kritiker bemängeln die enge Bindung von Ditib an die politischen Interessen von Staatschef Recep Tayyip Erdogan.

Der Diyanet-Chef warf den deutschen Behörden vor, sie hätten die Wohnungen nur auf Druck der Medien und der Politik durchsucht. Das zeige sich daran, dass die „Razzien“ zu einem Zeitpunkt erfolgt seien, zu dem die Imame bereits in die Türkei zurückgekehrt gewesen seien. Wegen der Spitzel-Vorwürfe hatten Ermittler am Mittwoch die Wohnungen von vier Imamen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchsucht. Dabei wurden nach Angaben der Bundesanwaltschaft Datenträger, Kommunikationsmittel und Unterlagen sichergestellt.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Old Harold

17.02.2017, 13:41 Uhr

Bravo!

(Das ist genauso wirkungsvoll, wie die Ausweisung von Militärattachés aus ausländischen Botschaften, wegen des Verdachts der Spionage, und dient ausschließlich der Volksverdummung!)

Herr Peer Kabus

17.02.2017, 14:40 Uhr

Da diese Islamisten keinen diplomatischen Schutzstatus haben, hätte man die wegen Spionage für eine ausländische Macht (angehende Großmacht) in U-Haft nehmen können - wenn man gewollt hätte, was aber wegen des "Flüchtlingspakts" mit dem neuen "Führer" offensichtlich nicht gewollt war.

Oder sind immer noch nicht genügend Haftplätze verfügbar? Ein weiter nach wie vor unterdrücktes Thema bei der inneren Sicherheit und ein wesentlicher Grund, warum ständig Straftäter immer wieder auf die Gesellschaft losgelassen werden.

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