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29.01.2016

15:55 Uhr

Spitzenforschung

Deutsche Elite-Unis brauchen mehr Zeit und Geld

VonBarbara Gillmann

Der Staat fördert mit der „Exzellenzinitiative“ die Top-Hochschulen. Das Programm läuft aus, soll aber verlängert werden. Gutachter warnen nun vor Einschnitten – und fordern mehr Zeit und Freiheiten für die Unis.

Der Schweizer Wissenschaftsmanager Dieter Imboden (l-r), die Bremer Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU): Plädoyer für eine weitere Förderung der Spitzenforschung an deutschen Hochschulen. dpa

Kommission legt Gutachten vor

Der Schweizer Wissenschaftsmanager Dieter Imboden (l-r), die Bremer Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU): Plädoyer für eine weitere Förderung der Spitzenforschung an deutschen Hochschulen.

BerlinZehn Jahre lang haben die deutschen Universitäten mit den besten Forschungsleistungen insgesamt fast fünf Milliarden Euro erhalten, damit sie noch besser und international sichtbarer werden. Nun ist unklar, wie es weitergehen soll, da das Programm 2017 ausläuft. Deshalb hatten die Bildungspolitiker von Bund und Ländern eine zehnköpfige Wissenschaftler-Kommission gebeten, den bisherigen Erfolg zu bewerten und vor allem Empfehlungen für die Zukunft abzugeben.

Kommissionschef Dieter Imboden – Schweizer Wissenschaftsmanager und Umweltphysik-Professor der ETH Zürich – hat nun in Berlin ein prägnantes 50-seitiges Gutachten vorgelegt. Seine Kernbotschaft: Gebt den Top-Universitäten auf jeden Fall genauso viel Geld wie jetzt, also rund 500 Millionen Euro pro Jahr. Die große Koalition hatte erwogen, das Budget auf 400 Millionen zu kürzen.

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Der Staat fördert mit der „Exzellenzinitiative“ die führenden Hochschulen. Das Programm läuft 2017 aus, noch wird über eine Verlängerung gerungen. Dabei fürchtet die Wissenschaft eine Einflussnahme der Politik.

Der Rat der Wissenschaftler an die in Legislaturperioden denkenden Politiker lautet: Habt Geduld! „Die deutschen Universitäten haben sich auf den Weg gemacht, aber das Ziel ist noch weit“, sagte Imboden bei der Präsentation des Gutachtens in Berlin. Statt überstürzt ein neues Konzept für die neue Exzellenzinitiative zu stricken, sollten sie lieber das bisherige Programm um zwei Jahre verlängern.

Das Grundgerüst des Anschlussprogramms will Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) mit ihren Länderkollegen dennoch bis April entwerfen - damit es Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten im Juni absegnen können. Der Bund kommt bisher für drei Viertel der Mittel auf.

Imboden machte der Politik sehr deutlich, warum selbst die besten deutschen Unis noch nicht an der Weltspitze mitspielen können: „Selbst wenn man das gesamte Jahresbudget der Exzellenzinitiative von rund 500 Millionen Euro nur einer einzigen Elite-Uni gäbe – beispielsweise der RWTH Aachen – hätte diese auch nur das Budget der ETH Zürich oder von Oxford in Großbritannien – aber immer noch doppelt so viele Studenten“. Die RWTH hat heute rund 800 Millionen jährlich zur Verfügung, die ETH rund 1,3 Milliarden. Top-Unis der USA spielen in einer ganz anderen Liga: So beträgt das Budget des MIT rund 2,4, das von Stanford fast vier Milliarden Euro.

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