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08.03.2011

14:28 Uhr

Spitzentreffen in Berlin

„Benzingipfel“ ringt um E10-Lösung

Über die Absatzprobleme beim Biosprit E10 bahnt sich ein Koalitionsstreit an. Grund sind unterschiedliche Auffassungen darüber, wie die Krise bewältigt werden kann. Im Zentrum der Kritik: Umweltminister Röttgen.

Biosprit - von der Politik gewollt, von den Bürgern gemieden. Quelle: dpa

Biosprit - von der Politik gewollt, von den Bürgern gemieden.

BerlinDie Bundesregierung will die Informationen für Autofahrer über den umstrittenen Biosprit E10 an den Tankstellen verstärken. Das geht aus einer Vorlage für den „Benzingipfel“ am Dienstag nach Angaben aus Regierungskreisen hervor. Damit sollen Auto- und Mineralölwirtschaft stärker in die Pflicht genommen werden.

Rund drei Millionen Autos vertragen das Superbenzin nicht, dem zehn Prozent Ethanol aus Getreide und Zuckerrüben beigemischt wird.

Unklar war, ob ein befristetes Aussetzen der Strafen für die Mineralölindustrie im Gespräch ist, falls der Bio-Anteil im Sprit wegen der Probleme von E10 nicht erreicht wird. Eine Sprecherin von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) wies diese Überlegungen zurück. Aus anderen Regierungskreisen hieß es wiederum, die Möglichkeit der vorübergehenden Aussetzung solle unter der Bedingung stehen, die Aufklärung zu verbessern.

Die Bundesregierung und Spitzenvertreter der Mineralöl- und Automobilbranche trafen sich am Mittag in Berlin, um einen Ausweg aus der Absatzkrise beim Biosprit E10 zu suchen. Die Regierung will die Einführung dem Vernehmen nach nicht stoppen, auch wenn sich Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) vor dem Treffen offen zeigte für eine befristete Aussetzung.

Röttgen machte vor dem Treffen die Mineralölindustrie für das „Kommunikationschaos“ verantwortlich, das die Autofahrer massenhaft davon abhält, den neuen Sprit mit zehn Prozent Ethanolbeimischung zu tanken. Nun müsse Klarheit an der Tankstelle geschaffen werden, sagte Röttgen. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) pflichtete ihm bei: „Letztlich geht es um Information.“ Industrie und Autohersteller müssten das leisten, sagte sie. Ferner müsse die Frage der Rechtssicherheit auf dem Gipfel geklärt werden. Die Aussagen der Autohersteller zur Unbedenklichkeit der Verwendung von E10 müssten rechtsverbindlich sein, verlangte Aigner. Wirtschaftsminister Brüderle sprach von einer „Atempause“, bekannte sich aber grundsätzlich zur Einführung von E10-Sprit.

Brüderle sagte dem RBB-Inforadio, die weitere Nutzung von Kraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen sei wünschenswert. Er hatte die Beteiligten und diverse Verbände eingeladen, nachdem die Mineralölwirtschaft Ende vergangener Woche vorübergehend erklärt hatte, aus Kapazitätsgründen nicht die ausreichende Menge an E5-Super Plus bereitstellen zu können, das die Autofahrer entgegen den Erwartungen massenhaft tanken wollen, weil sie dem E10-Super nicht trauen. E10 ist zurzeit nur an 45 Prozent der Tankstellen im Angebot. Obwohl es für 93 Prozent der Autos unschädlich ist, scheuen viele Autofahrer davor zurück, ihren Tank mit dem neuen Benzin zu befüllen.

Kommentare (6)

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poolliter

08.03.2011, 14:20 Uhr

Und wenn wir das Zeug dann später immer noch nicht tanken wollen, kommen dann Wasserwerfer und Polizisten mit Pfeffersprays an jede Tankstelle? Holt doch lieber gleich Herrn Heiner Geisler!

Spopi

08.03.2011, 14:33 Uhr

Mann, habe wir Autofahrer und Kunden eine Macht, wenn wir den Konzernen ihre minderwertige Brühe nicht abkaufen. Ich stelle mir gerade vor, was passieren würde wenn wir die beiden größten Mineralölkonzerne Total und Shell boykottieren würden. Ob dann sogar der Öl- und Benzinpreis fällt ??!!

ManfredWinter

08.03.2011, 14:37 Uhr

Wesentlicher Boykottgrund ist nicht die nur geringe Unverträglichkeit sondern der deutliche Mehrverbrauch (lt. Praxistests +5%) und Minderleistung des Motors und mithin keinerlei Ökonutzen bei erheblichen Mehrkosten.

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