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08.01.2015

15:28 Uhr

Spitzentreffen in Dresden

AfD flirtet mit Pegida

AfD und Pegida hätten „inhaltliche Schnittmengen“, stellt Parteivize Petry nach einem gemeinsamen Treffen fest. Eine Expertin fürchtet derweil: Der Anschlag von Paris könnte anti-islamische Stimmungen weiter anheizen.

Nach erstem offiziellem Treffen

AfD sieht gemeinsame Ziele mit Pegida

Nach erstem offiziellem Treffen: AfD sieht gemeinsame Ziele mit Pegida

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Düsseldorf/BerlinDie rechtskonservative AfD bewegt sich auf die islamfeindliche Bewegung Pegida zu. „Wir haben festgestellt, dass es offensichtlich inhaltliche Schnittmengen gibt“, erklärte die AfD-Parteivorsitzende Frauke Petry am Donnerstag in Dresden. Dies sei das wesentliche Ergebnis des ersten offiziellen Treffens mit sieben Vertretern der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) am Mittwochnachmittag. „Wir haben viele gemeinsame Schnittmengen bei den Themen Einwanderungs- und Asylpolitik festgestellt“, teilte auch Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel mit. „Wir sind uns darüber hinaus einig, dass wir beim Thema Innere Sicherheit immensen Nachholbedarf haben“.

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

Der Generalsekretär der Berliner CDU, Kai Wegner, reagierte mit scharfer Kritik auf das Treffen. „Die AfD entwickelt sich zur Hilfstruppe von Pegida“, sagte Wegner dem handelsblatt (Online-Ausgabe). Er erinnerte daran, dass verschiedene Verfassungsschutzbehörden bestätigt hätten, dass Pegida von Rechtsradikalen unterwandert sei. „Wenn die AfD jetzt zeitgleich von inhaltlichen Schnittmengen spricht, zeigt sie damit ihr wahres Gesicht: Populismus und das Schüren von Ängsten.“

Petry wandte sich erneut gegen die Vorbehalte der meisten Parteien, die Pegida Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorwerfen. „Das halten wir für falsch“, sagte Petry.

Pegida hatte das Attentat auf die Redaktion der französischen satirischen Zeitschrift „Charlie Hebdo“ mit zwölf Toten als Beleg dafür gewertet, dass Islamisten nicht demokratiefähig seien, sondern auf Gewalt und Tod als Lösung setzten. „Unsere Politiker wollen uns aber das Gegenteil glauben machen“, erklärte die Organisation auf ihrer Facebook-Seite weiter. Auf Pegida-Kungebungen wandten sich Redner nicht nur gegen radikalisierte Muslime, sondern gegen den Islam im Allgemeinen. So wurden etwa muslimische Bestattungsriten kritisiert.

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Vielen Dank, Pegida!

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Nach Ansicht der Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor könnte sich nach dem Anschlag hierzulande die Stimmung mit anti-islamischen Tendenzen weiter aufheizen. Die barbarische Tat könne auch „Wasser auf die Mühlen der Scharfmacher auf beiden Seiten“ in Deutschland sein, sagte Kaddor, die auch Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bunds in Köln ist. Auftrieb bekommen könnten islamische Fundamentalisten einerseits und Islamgegner wie die Pegida andererseits.

Für den kommenden Montag rief Pegida zu einer weiteren Demonstration in Dresden auf. Die Teilnehmer des „12. Großen Abendspaziergangs“ sollten mit Trauerflor für die Terroropfer von Paris erscheinen. Die Stadt Dresden und das Land Sachsen mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) an der Spitze riefen für diesen Samstag zu einer Kundgebung vor der Frauenkirche auf, um ein Zeichen „für Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Dialog im Miteinander“ zu setzen.

Kommentare (31)

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Account gelöscht!

08.01.2015, 13:29 Uhr

Die AfD geht im Gegensatz zu den grün-sozialistischen etablierten Bundestagsparteien auf die Bürger und Bürgerinen zu, sprechen mit den Menschen/Volk und grenzen diese nicht pauschal aus.
Das nennt man echte Volks-Demokratie!
Im Gegensatz zu der grün-Sozialistischen Diktatur in der Politik- und Medienlandschaft von Merkel-Deutschland!

x. skeptiker

08.01.2015, 13:46 Uhr

Was mich wirklich schockiert ist, daß bei den meisten Berichten mit Bezug zum Attentat in Paris die Kommentarfunktion gesperrt ist. Da sind Journalistenkollegen brutal ermordet worden von islamistischen Fanatikern und die Journalisten des Handelsblattes (sowie der übrigen Systempresse) haben nichts anderes zu tun als die politische Korrektheit hoch zu halten. Dies ist dem entsprechenden Hinweistext zur Sperrung der Kommentarfunktion deutlich zu entnehmen. Die französischen Journalisten sind gestorben, weil sie politische Korrektheit und damit Zensur sowie Selbstzensur vehement ablehnten! Was tut das Handelsblatt (und die restliche Systempresse)? Es besudelt das Andenken der französischen Journalistenkollegen mit seiner exzessiven Durchsetzung von politischer Korrektheit durch Sperrung der Kommentarfunktion. Was seid ihr bloß für gehirngewaschene Leute? Habt ihr überhaupt kein Ehr- oder Schamgefühl mehr? Ist linkslastige politische Propaganda und Hetze gegen Andersdenkende alles was für euch noch zählt? Wenn das so ist, dann habt ihr die Bezeichnung "Lügenpresse" wahrlich verdient!

Herr Alexander Knoll

08.01.2015, 13:52 Uhr

PEGIDA und Volk in einen Topf zu werfen ist gelinde gesagt gewagt. Gott sei Dank ist Pepita nicht das Volk, soviel sie auf den Strassen das auch behaupten mögen. PEGIDA ist ein kleiner Haufen von Rechtspopulisten und politisch verirrten. Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung von Links bis CDU scheint mit PEGIDA nichts am Hut haben zu wollen. In keiner Stadt in Deutschland lockt PEGIDA mehr als ein paar Leute auf die Strasse: Ausnahme Dresden. [...]

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