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27.05.2012

15:31 Uhr

Spott im Netz

Verhaltenes Echo auf Grass-Gedicht

Günter Grass legt nach: In seinem neuen Gedicht „Europas Schande“ prangert er Europas Umgang mit Griechenland an. Die Reaktionen waren verhalten. Man solle Grass einfach nicht mehr so ernst nehmen.

Der deutsche Schriftsteller Günter Grass. dapd

Der deutsche Schriftsteller Günter Grass.

BerlinSkulpturen und Säulen, Alexis Sorbas und Sirtaki - und jetzt Schulden und Spardiktat. Der griechischen Tragödie widmet Günter Grass (84) sein neues politisches Gedicht „Europas Schande“. Darin macht der Literaturnobelpreisträger den „Rechthaber Macht“ für das Leiden der griechischen Bevölkerung verantwortlich - also die Macher von Spar- und Reformauflagen. Hatte der Autor sich vor knapp zwei Monaten mit seinem Israel-Gedicht harscheste Kritik zugezogen, so erhebt er jetzt die These: Die Sparauflagen sind Gift für Griechenland. Doch das Echo darauf ist auffallend schwach. Dagegen sorgt ein Bericht über ein angebliches Fake des Gedichts für erheblichen Wirbel im Netz.

Schon bei seinem Israel-Gedicht hatte Grass angekündigt: „Ich schweige nicht mehr.“ Mit Lyrik sucht der 84-Jährige eine kleine Form, um sich auszudrücken. Dabei sieht er sich in guter Tradition des politischen Gedichts in der deutschen Literatur. Deutlich wird: Grass lässt sich nicht mundtot machen. Der Eklat um das Israel-Gedicht „Was gesagt werden muss“ hat ihn nicht verstummen lassen.

In seiner Abrechnung mit Europas Griechenlandpolitik würdigt der Dichter die kulturhistorische Bedeutung des Landes mit seinen antiken Schätzen. Dabei stellt diese niemand in Abrede. Kein Wort verliert Grass jedoch über das neuzeitliche Wirtschaftsdrama, das im Grunde damit begann, dass sich Athen den Zutritt zum Euroclub mit frisierten Zahlen erschlich. Kein Wort über das Schummeln danach, das das Anwachsen des Schuldenbergs verschleierte. Kein Wort zum desolaten Verwaltungsapparat, zu Vettern- und Misswirtschaft der führenden Parteien - kein Wort zu den hausgemachten Problemen, die den Mittelmeerstaat in die Pleite führten.

Stattdessen hebt Grass auf die Folgen der Hilfsauflagen ab. Er vergleicht die bittere Medizin des Sparens, das zu Gehaltseinbußen und Stellenabbau führt und normale Bürger arbeitslos und ärmer werden lässt, gar mit einem Giftbecher: „Sauf endlich, sauf! schreien der Kommissare Claqueure, doch zornig gibt Sokrates Dir den Becher randvoll zurück“, schreibt er unter Anspielung auf den Philosophen, der nach dem Todesurteil den Schierlingsbecher getrunken hatte.

Diese Sicht stößt bei dem Europapolitiker Gunther Krichbaum (CDU) auf Unverständnis. „Insgesamt sollte man Günter Grass nicht mehr ganz so ernst nehmen“, sagte der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag im Deutschlandradio Kultur. Grass' Kritik „geht an der Wirklichkeit völlig vorbei“. Griechenland sei enorm geholfen worden. Andere Leser reagierten im Internet mit Spott. „Am meisten Schiss bei einem EM-Aus der deutschen Mannschaft habe ich vor dem anschließenden Gedicht von Grass“, schreibt beispielsweise ein Nutzer auf Twitter.

Kommentare (9)

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RD1

27.05.2012, 16:19 Uhr

„Geistlos verkümmern wirst Du ohne das Land, dessen Geist Dich, Europa, erdachte.“

Solange Europa nicht so geistlos verkümmert wie Grass es ist, dann ist es ja gut.

Das Leben ist eben kein Wunschkonzert.

OlafH

27.05.2012, 16:49 Uhr

Ach Jünter, hättest Du geschwiegen, Du wärst ein .....

Wer versorgt den Jünter eigentlich noch mit Tinte. Seine
letzte hatte er doch schon - nach eigener Aussage - gegen
Israel verballert.
Jetzt kommen wahrscheinlich nur verschrubelte Limericks.

KWG

27.05.2012, 17:39 Uhr

Der Einfachheit halber hier der direkte Link http://grossburgwedel.blogger.de

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