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24.05.2013

12:31 Uhr

Spott im Netz

Was von der Rösler-Reise bleibt

VonJonas Jansen

Rösler beim Joggen, Rösler vor der Golden Gate Bridge, Rösler vor Straßenbahnen: Der Wirtschaftsminister lässt keine Gelegenheit aus, lässig von seiner Reise ins Silicon Valley zu berichten. Das geht nach hinten los.

DüsseldorfAlle grinsen etwas peinlich berührt. Philipp Rösler macht ein kurzes Video mit der Vine-App. Er schwenkt sein Handy im Kreis. Recht belanglos, könnte man meinen. Doch ist es Ausdruck des coolen Röslers, des hippen Wirtschaftsministers, der mit deutschen Gründern durchs Gründerwunderland Silicon Valley tourt und so ganz nebenbei die neuesten Anwendungen von US-Firmen wie Twitter nutzt. #ImcoolstenLandderWelt ist sein eigener Hashtag zum coolen Deutschland, für das Rösler etwa auch bei seiner Rede vor Studenten der Stanford-Universität wirbt.

Er postet Bilder von sich Arm in Arm mit Unternehmern, wie er vor Straßenbahnen steht oder vor Flaggen posiert. Andere Bilder zeigen ihn beim Joggen mit den Gründern. Rösler zeigt sich sportlich und volksnah: Der menschliche Minister.

Doch genau diese Nähe wird dem Bundesminister, der zudem FDP-Chef und Vizekanzler in Personalunion ist, zum Verhängnis. Das Bild, auf dem Rösler den Bild-Chef Kai Diekmann umarmt, ist ein Renner in den Sozialen Netzwerken. Und ein Auslöser für Kritik von allen Seiten.

So schreibt Laura Himmelreich für stern.de: „Was man sieht, ist der Ausdruck einer politisch-publizistischen Win-Win-Situation. Kaum eine Zeitung berichtet so positiv über Rösler wie die "Bild". Und wenige andere Firmen werden so innig gepflegt vom Wirtschaftsminister wie der Axel-Springer-Verlag.“

Für die Bild-Zeitung ist Rösler schon länger Mr. Cool. Thorsten Denkler notiert auf süddeutsche.de: „Das sind eigentlich zwei Positionen, die innige Umarmungen zumindest in der Öffentlichkeit ausschließen sollten, wenn beide nicht irgendwann einmal zusammen in irgendeinem Krieg gekämpft und sich gegenseitig mehrfach das Leben gerettet haben.“ Haben sie nur nicht.

Eine Seite veräppelt die enge Beziehung der beiden mit Bildern von Mr. Burns und Kim Jong-un und der Grünen-Landtagskandidat Thomas Pfeiffer hat einen Sprechblasen-Generator erstellt, der jeden Nutzer seine eigene Interpretation der Situation erstellen lässt. Zwar hat Diekmann mit einer eigenen Seite, auf der er alle Gründer umarmt, augenzwinkernd reagiert: Doch Rösler hilft das nicht.

Denn er posiert schließlich auch Arm in Arm mit Dietrich von Klaeden, zuständig für Public Affairs bei Axel Springer. Beide kassieren dafür einen Kommentar, in dem eine Nutzerin die kritische Distanz vermisst:

Das überträgt sich ebenfalls auf die Termine mit den Branchengrößen der USA. Rösler postet ein Bild mit der Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. Und wird daraufhin ermahnt:

Dabei hat die Reise für die beteiligten Gründer vor allem Vorteile: Sie können neue Kontakte knüpfen, Netzwerke stärken und sich präsentieren. Die prominente Unterstützung des Ministers hilft dabei. Doch die Rösler-Show kann Konsequenzen haben, wie auch Jens Tönnesmann für die Wirtschaftswoche schreibt. So ärgern sich auch einige Unternehmer:

Und doch zielt die Kritik vorbei: Natürlich ist es ärgerlich für die Start-Ups, dass sie in der Aufmerksamkeit untergehen. Die Selbstdarstellung Röslers, die schon mit den berühmten Times-Square-Fotos des Ex-Ministers Guttenberg verglichen wird, ist zurecht ein Thema. Das finden auch die Twitter-Nutzer. So reagierte manch einer mit Häme auf die Twitter-Nachrichten Röslers:

Auch an den Besuchen des Ministers bei den Start-Ups und den Branchengrößen hagelte es Kritik:

Manche zweifelten gar den Nutzen der Reise an, bevor sie begonnen hatte:

Doch auch wenn in der Öffentlichkeit das Bild eines urlaubenden, bemüht coolen Wirtschaftsministers hängen bleibt - für die Gründer scheint sich die Reise gelohnt zu haben. Immerhin.

Und der Minister selbst hat auch etwas mitgenommen vom „Spirit des Silicon Valley“:

Kommentare (17)

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Lustreise-a-la-FDP

24.05.2013, 12:47 Uhr

Rösler unterstreicht mit seiner Reise, dass ihm die USA wichtiger sind, als Unternehmensgründungen in Deutschland.

Im Prinzip gleicht seine Reise einem USA-Ausflug mit Lustreisen-Charakter. Dazu nimmt man sich noch ein paar Kumpels aus der Politik und Lobbygruppen mit. Einschlägige Presse für ein paar Fotos und ne Story darf natürlich nicht fehlen.

Bezahlen darf das dann der Steuerzahler!

Die Lobbypartei FDP ist ohnehin erledigt. Themen, wie Brüderles "Räuber Hotzenplotz und Vampire" belegen den degenerierten Zustand des sogenannten Spitzenpersonals der FDP.

Die einen werden über das Milchbubi-Niveau nie erwachsen werden, die anderen bedienen ihre Lobby auf Kosten der Steuerzahler und dann sind da noch die Alten, die Märchen vom Räuber Hotzenplotz erzählen, weil sie vielleicht langsam in das Stadium der Altersdemenz übertreten und sich in der neuen aktuellen Welt nicht mehr zurecht finden.

Nur einem bleibt sich die FDP treu. Sie hat nicht mehr das Zeug zum Mitregieren oder eine Daseinsberechtigung im Deutschen Bundestag.

Rösler - genießen Sie Ihren Trip. Bald werden Sie arbeiten müssen und der Diätensegen wird eingestellt. 5% zu erreichen, kann manchmal sehr schwer werden. Der FDP verschenkt niemand mehr seine Stimme.

Das haben nur die dummen Niedersachsen gemacht. Eine Wiederholung ist ausgeschlossen!

Account gelöscht!

24.05.2013, 13:16 Uhr

Sie haben vollumfänglich Recht! Die FDP wird bald ausgemustert...

Und genau DARUM fährt der kleine Rösler nach Ami-Land... will er sich doch schon mal um seine künftige Karriere kümmern. So nach dem Motto:

"Wenn ich in den verbleibenden Monaten noch was für dich drehe, bekomme ich doch bestimmt auch einen Beratervertrag, ja?!"

Das durchsichtigste an der Politik (und den Politikern) ist ihre unverschämte DUMMHEIT oder auch ihre dumme UNVERSCHÄMTHEIT!

Revisor

24.05.2013, 13:30 Uhr

Mein Gott.

Kein Schwein würde diesem "Ereignis" hinterherpfeifen, wenn nicht die Presse gerade nichts Besseres zu tun hätte, darüber "vollumfänglich" zu berichten und jeden Furz (= Twittermeldung) von x-beliebigen Geltungssüchtigen auch noch abdruckt.

Der Rösler auf Besuch in Silikon-Valley und die Presse bedankt sich für den Mitflug im Bundes-Airbus mit Hofberichterstattung.

Andersherum wird ein Schuh draus: Wenn die antichambrier-geilen Journalisten einfach zuhause blieben, würde kein Schwein das mitkriegen, den Rösler kennt in den USA keine Sau....., und das Ganze erst garnicht stattfinden. Wetten?

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