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10.08.2012

14:27 Uhr

„Sprengstoff für den Generationenvertrag“

Pflege-Engpass wird zum Konjunkturrisiko

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Wirtschaft schlägt angesichts neuer Zahlen zum Bedarf an Pflege-Fachkräften Alarm. Der Mangel an Personal könnte die Konjunktur hart treffen, sollte jetzt nicht gegengesteuert werden. Ansatzpunkte gibt es bereits.

Eine Pflegehausbewohnerin in einem Seniorenzentrum in Hamburg. dpa

Eine Pflegehausbewohnerin in einem Seniorenzentrum in Hamburg.

DüsseldorfDer Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat sich besorgt über den Fachkräftemangel im Pflegebereich geäußert. Der Engpass sei „deutlich spürbar - und er wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks Handelsblatt Online. „Fast sieben von zehn Betrieben aus dem Bereich der Gesundheits- und sozialen Dienstleistungen sehen im Fachkräftemangel ein großes Risiko für ihre Geschäftsentwicklung - in der Gesamtwirtschaft gilt das nur für etwas mehr als jedes dritte Unternehmen“, gab Dercks in diesem Zusammenhang zu bedenken.

Alarm schlägt auch Klaus Zimmermann, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA).  Am Bereich Pflege zeige sich exemplarisch, dass Deutschland ein Gesamtkonzept zur Bewältigung der demografischen Herausforderungen fehle. „Die Alterung unserer Gesellschaft wird in ihrer historischen Dimension noch immer unterschätzt, obwohl die Folgen dramatisch sind“, sagte Zimmermann Handelsblatt Online. „Wird die Frage einer überzeugenden Betreuung und Pflege im Alter nicht überzeugend gelöst, ist dies letztlich Sprengstoff für den Generationenvertrag.“

Zuvor hatte die Bundesagentur für Arbeit (BA) von einem gravierenden Mangel an examinierten Altenpflegern gesprochen. Die Zahl der Stellenangebote habe sich von 2007 bis jetzt um 216 Prozent gesteigert, sagte Vorstandsmitglied Raimund Becker in einem Interview. Auf jedes dieser Stellenangebote kämen rechnerisch nur 0,3 arbeitslose Altenpflegefachkräfte. "Wir brauchen also unbedingt umfassende Maßnahmen gegen diesen Mangel." Derzeit dauere es in der Altenpflege im Schnitt 115 Tage, um eine offene Stelle zu besetzen, so Becker.

IZA-Chef Zimmermann zitierte Expertenschätzungen, wonach die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland von derzeit 2,5 Millionen bis 2050 auf rund vier Millionen steigen sollen. Entsprechend könne sich der Bedarf an Pflegefachkräften bis dahin auf bis zu 2,1 Millionen Beschäftigte mehr als verdoppeln. Derzeit arbeiteten rund  970.000 Menschen im Pflegebereich. Schon jetzt fehlten aber bereits mindestens  30.000 Beschäftigte,  bis 2020 würden 220.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt, so Zimmermann. „Deshalb genügt es nicht, angesichts des eklatanten und wachsenden Mangels an Pflegekräften eine Umschulung und Weiterqualifizierung etwa von Arbeitslosen zu fordern, weil viele von diesen die Voraussetzungen für eine solche anspruchsvolle Aufgabe gar nicht erfüllen.“

Kommentare (20)

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Tabu

10.08.2012, 14:56 Uhr

Deutschland deine Ur-und Großelterngeneration..
Das haben sie nie und nimmer verdient,so zu enden..
Aber typisch..nutzloses altes Fleisch,einst fleißig
und aufbauend,Werte schaffend,paßt nicht mehr in die
Spaß und Partygesellschaft..Die Rücklagen in den
Rentenkassen dieser Generation fremdverbraucht und
nun dürfen sie dahin vegetieren..

Account gelöscht!

10.08.2012, 15:04 Uhr

Da die Bundesregierung gerade das Volksvermögen verschenkt - weil "alternativlos" - werden wir im Alter alle dahinvegetieren müssen. Bestenfalls.

wutbayer

10.08.2012, 15:19 Uhr

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Der Rest ist nutzloses Gesabbere von von Interessenverbänden.

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