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03.04.2012

20:00 Uhr

Spritpreis-Debatte

Kartellamt prüft Einkaufspreise der Tankstellen

Das Kartellamt will prüfen, ob große Ölkonzerne einzelne Tankstellen bevorzugt beliefern. Mit den aktuellen Preisanstiegen für Benzin und Diesel hat dies wenig zu tun. Daher hilft als Reaktion nur geringerer Verbrauch.

Schäuble gegen höhere Pendlerpauschale

Video: Schäuble gegen höhere Pendlerpauschale

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BerlinFür Ferdinand Dudenhöffer ist die Aufregung um die höchsten Benzinpreise aller Zeiten ein Sturm im Wasserglas. „Das Kartellamt produziert seit 30 Jahren nur heiße Luft“, sagt der auf Automobilforschung spezialisierte Professor der Universität Duisburg-Essen. Jedes Jahr zu Ostern gebe es diese Debatten, die einzige echte Lösung werde aber nicht energisch genug angegangen.

Nun will das Kartellamt zwar konkret gegen die Ölmultis vorgehen, wie Behördenchef Andreas Mundt in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ betont - doch zunächst geht es nur darum, ob die Konzerne freien Tankstellen Kraftstoff teurer verkauft haben als an Endkunden ihrer eigenen Tankstellen. Zudem soll geprüft werden, ob die Konzerne - wie in Westaustralien praktiziert - am Vortag einen festen Spritpreis für ihre Tankstellen angeben müssen, der dann 24 Stunden gilt. Mundt prüft, die freien Tankstellen davon auszuklammern, diese könnten dann den Preis billiger anbieten, was den Wettbewerb stärken würde.

Doch bringt das etwas? Bisher blieb es oft bei Ankündigungen. Preise einzufrieren oder eine „Spritpreispolizei“ würden eher dazu führen, dass „die Spritpreise höher als niedriger sind“, betont Autoexperte Dudenhöffer. Die einzige echte Preisbremse wäre, dass nicht wie bisher von den 42,9 Millionen Autos in Deutschlands 98,6 Prozent Benzin- oder Diesel-Pkw sind. „Nur mit mehr alternativen Antrieben kommen wir aus dieser Situation“, sagt Dudenhöffer.

Fallbeispiele zu einer erhöhten Pendlerpauschale

Annahmen für die Berechnung

Der Bund der Steuerzahler (BdST) hat beispielhaft errechnet, welche Entlastung eine Erhöhung der Pendlerpauschale von 30 auf 40 Cent mit sich bringen würde. BdST-Präsident Karl Heinz Däke nennt eine Anhebung in dieser
Größenordnung „sinnvoll und angemessen“. Drei Fallbeispiele haben die Experten untersucht, die sich jeweils auf Beschäftigte mit 230 Arbeitstagen im Jahr beziehen.

Fallbeispiel I

Ein Single mit einem Jahresbruttoeinkommen von 30 000 Euro, der täglich 40 Kilometer (eine Strecke) zur Arbeit fährt, zahlt bei einer Entfernungspauschale von 30 Cent 3763 Euro Steuern im Jahr. Bei einer Entfernungspauschale von 40 Cent sinkt die Steuerlast auf 3488 Euro - macht 275 Euro mehr netto im Jahr.

Fallbeispiel II

Die Familie eines verheirateten Alleinverdieners mit zwei Kindern und 70 000 Euro Jahresbrutto, der 30 Kilometer zur Arbeit pendelt zahlt bei 30 Cent Entfernungspauschale im Jahr 11 843 Euro Steuern. Steigt die Entfernungspauschale auf 40 Cent, zahlt die Familie noch 11 614 Euro und wird dadurch um 229 Euro entlastet.

Fallbeispiel III

Die Doppelverdiener-Familie verheiratet, zwei Kinder, er mit 35 000 Euro Jahresbrutto und 25 Kilometern Arbeitsweg, sie mit 20 000 Euro Jahresbrutto und 15 Kilometern Arbeitsweg zahlt bei einer Entfernungspauschale von 30 Cent im Jahr 6858 Euro Steuern. Bei einer Entfernungspauschale von 40 Cent zahlt die Familie 271 Euro weniger.

Auch die Grünen machen sich für neue Wege und spritsparendere Modelle stark. Sie halten nichts von einer höheren Pendlerpauschale, die derzeit bei Politikern von Union und FDP hoch im Kurs steht. „Weg vom Öl“ lautet der Slogan. Zumal eine höhere Pauschale durch neue Preisrunden an der Zapfsäule rasch wieder aufgefressen werden könnte. Denn statt 50 US-Dollar wie noch vor wenigen Jahren kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent derzeit bereits 125 Dollar.

Spritpreise: Autofahrer wollen vom Gas gehen

Spritpreise

Autofahrer wollen vom Gas gehen

Die Politik regt sich über streigende Benzinpreise aus. Eine diskutierte Erhöhung der Pendlerpauschale würde die Preissteigerung aber nicht wettmachen. Das Kartellamt kündigt derweil eine Untersuchung an.

Viele Bürger in Deutschland steigen nun häufiger um: Carsharing nimmt zu, Mitfahrzentralen berichten von einem 25-Prozent-Plus und mit 10,9 Milliarden Fahrten gab es 2011 einen Rekord bei Bussen und Bahnen. Die Pauschale deckt schon lange nicht mehr auch nur annähernd die Kosten für diejenigen, die mit dem Auto zur Arbeit fahren. Sollte sie die gleiche Entlastung wie noch 1991 bringen, müsste sie nach einer Bundestagsuntersuchung 74 statt 30 Cent betragen. 5 bis 10 Cent mehr würden das Preisproblem kaum lösen.

Kommentare (11)

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Politik_der_hohen_Preise

03.04.2012, 20:09 Uhr

"Weg vom Öl" lautet der Slogan.

Und sind wir endlich weg vom Öl, dann besteuert die Politik den Strom für die Privatverbraucher und die Elektroautos mit 100 Prozent. Dann sind wieder die Nächsten Schuld, aber ganz bestimmt nicht die Politiker.

fondsberater

03.04.2012, 20:54 Uhr

Deutschland hat auf nationale Wirtschaftspolitik verzichtet (warum weiß kein Mensch). Darunter fällt auch nationale Energiepolitik. Wer nicht weiß was das ist, soll sich mal in Frankreich, Italien, Österreich etc. umsehen. Deutschland ist einfach nur Doof-Land das zur Plünderung Supra-nationaler Konzerne freigegeben ist und nie eigene Interessen verfolgt hat. Eine Niederlage für die Wirtschaftspolitik - aber nicht nur für die.
Ich erinnere: eine der ersten Verfügungen der Merkel-Regierung war die Abschaffung von Bio-Diesel. Soll mir keiner sagen, daß damit der Nahrungmittelanbau verdrängt wird. Ich mache regelmäßig Investoren - Reisen nach Rumänien; daher kam regelmäßig der Raps, der in Deutschland weitervearbeitet wurde. Heute stehen da ca. 1/3 der Landwirtschaftsflächen leer. Ich gratuliere den Grünen für Ihren Propaganda-Sieg! Frau Merkel sollte auch die nächste Kanzlerin werden. Ein blödes Volk braucht einen blöden Kanzler.

txc123

03.04.2012, 21:05 Uhr

Da hilft das ganze Gejammere nichts. Tanken müssen halt alle und bei den Preiseanstieg gibt es immer zwei Gewinner (die Ölmultis und den Bund). Gegenwehr würde vielleicht mit einem Boykott funktionieren, aber nicht alle bokottieren sondern nur einen - wie damals bei Shell. Mal sehen wie lange das derjenige von den fünf duchhält. ;)

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