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09.11.2012

11:20 Uhr

Stadtwerke

Honorar-Affäre schadet Steinbrücks Ansehen

Der SPD-Kanzlerkandidat büßt an Zustimmung ein, wie die Zahlen des ARD-Deutschlandtrends zeigen. In Bochum läuft derweil die Suche nach einem Schuldigen für die Honorar-Panne beim Promi-Talk der Stadtwerke.

Die Honorar-Debatte hat Peer Steinbrück ordentlich zugesetzt. dapd

Die Honorar-Debatte hat Peer Steinbrück ordentlich zugesetzt.

DüsseldorfDie Chance, sich endlich wieder zur Tagespolitik äußern zu dürfen, packte Peer Steinbrück am Freitag beim Schopf. So ließ der SPD-Kanzlerkandidat vor den Debatten im Bundestag kaum ein Thema aus: Er kündigte Widerstand gegen das Betreuungsgeld an, kritisierte die schwarz-gelben Haushaltsbeschlüsse, während er für die Abschaffung der Praxisgebühr lobende Worte fand.

Einen persönlichen Schlussstrich zog er auch in der Diskussion um sein 25.000-Euro-Honorar für seinen Auftritt beim „Atrim-Talk“ der Stadtwerke Bochum. Er kündigte an, das Geld nun doch noch spenden zu wollen, um dadurch ein Zeichen für ein „gütliches“ Ende zu setzen. Gänzlich uneigennützig kommt dieser Entschluss nicht daher: Denn die Honorar-Debatte hat seinem öffentlichen Ansehen geschadet.

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Das belegen die Zahlen des ARD-Deutschlandtrends für den Monat November. Danach büßt Steinbrück gegenüber dem Vormonat neun Punkte ein und kommt auf eine Zustimmung von 50 Prozent. Bei einer Direktwahl des Regierungschefs würden sich 53 Prozent für Kanzlerin Angela Merkel entscheiden (+4 im Vergleich zum Vormonat), 36 Prozent für Steinbrück (-2).

Aber auch das Image der Stadtwerke Bochum hat unter der Affäre mehr als nur einen Kratzer bekommen. Von den acht prominenten Rednern sollen nur zwei ihr Honorar gespendet haben, obwohl die Stadtwerke den „Atrium-Talk“ als Charity-Event öffentlich beworben haben. Vertraglich fixiert wurde die Spendenpflicht zwischen den Stadtwerken als Sponsor und der Hellen GmbH, der Agentur, die den 90.000-Euro-Treff zweimal im Jahr organisiert hat, aber nicht. Ein „Riesenfehler“ sei es gewesen, sich nur auf mündliche Absprachen zu verlassen, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Wilmert heute.

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Während die Stadt ein straffes Sparprogramm fährt, zahlt der Stadtwerke-Konzern horrende Honorare an Gastredner. Das halten Politiker aus der Ruhrgebietsstadt für unangemessen – und fordern ein Ende des „Atrium-Talks“.

Vor der ersten Veranstaltung im Frühjahr 2008 hatte Wilmert das Event noch als „Leuchtturmprojekt, das unser Engagement auch in der Region bekannt macht und Bochums gesellschaftliche Wertschätzung nach außen trägt“, in höchsten Tönen gelobt. Jetzt soll der „Atrium-Talk“ eingestampft werden. Das verkündete Ottilie Scholz (SPD), Bochums Oberbürgermeisterin und Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzende, als Ergebnis der Krisensitzung von Donnerstag. Personelle Konsequenzen an der Konzernspitze schloss sie jedoch aus.

Über die vertraglichen Vereinbarungen zwischen den Stadtwerken und der Hellen GmbH soll nun am Dienstag gesprochen werden, wenn der Aufsichtsrat das nächste Mal tagt. Dann will sich auch erst Agenturchef Sascha Hellen äußern, der neben dem „Atrium-Talk“ auch den „Steiger Award“ organisiert.

Da viele in Bochum der Hellen GmbH derzeit den „Schwarzen Peter“ für die Honorar-Panne zuschieben, ist seine Sicht der Dinge von großem Interesse. Die Worte, mit denen er seine Arbeit auf der eigenen Internetseite bewirbt, müssen sich für die Stadtwerke-Verantwortlichen wie eine Drohung lesen: „Als Profis wissen wir, was erwartet wird“, heißt es dort.

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Kommentare (40)

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emsch

09.11.2012, 11:44 Uhr

Warum einen Schuldigen suchen der die Wahrheit über den sogenannten "HERRRN Steinbrück" an den Tag bringt?¿!! Als Kanzler ist er so oder so nie tragbar!!

wolf

09.11.2012, 11:46 Uhr

Ist es die Person, die diese Nebentätigkeit erhält oder ist es das vom Wähler verliehene Amt das diese Nebentätigkeit erhält? Sind es die MdB s die die Reden dieser Politiker vorbereiten?
Für mich sind diese Nebentätigkeiten mit sehr faden Beigeschmack. Ein Politiker sollte keine Nebentätigkeiten neben seinem Amt ausüben, da eine Differnzierung zur Befangenheit nicht ausgeschlossen werden kann.

R.Rath

09.11.2012, 11:55 Uhr

Man hat Herrn Steinbrück bis zu der "Atrium-Talk-Affaire" zwar als geschäftstüchtigen Vortragsreisenden wahrgenommen, der mit seinen Vorträgen ein nettes "Zubrot" verdient hat, ihm aber nicht die Chuzpe zugetraut, das Talk-Geld bei einer Charity-Veranstaltung in die eigene Tasche zu stecken. Dass er dabei nicht alleine steht, macht die Sache auch nicht besser.
Nun gut, nach anfänglicher Rechthaberei hat er eingesehen, wohl nicht zuletzt auch auf Druck von Leuten in seiner Partei, die nicht jegliche Bodenhaftung verloren haben, dass es so nicht geht.
Sein Ansehen als Kanzlerkandidat ist beschädigt.
Der "König der Nebeneinkünfte" hatte eine rote Linie so ziemlich eindeutig überschritten, zumindest in den Augen derjenigen,die immer noch einen gewissen "Anstand" in der
Politik als wichtig erachten. Ein Anstand, von dem die SPD immer mal wieder gerne redet und an den sich ihre Spitzenpolitiker bitte sehr auch halten sollen.

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