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26.08.2014

08:46 Uhr

Ständige Verfügbarkeit

Nahles kündigt Anti-Stress-Verordnung an

Dauerstress und ständige Erreichbarkeit können Menschen krank machen. Das hat auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erkannt. Die Politik soll eingreifen. Doch Stress zu verbieten, ist gar nicht so einfach.

Jede Menge Arbeit, dazu der Druck, ständig erreichbar sein zu müssen. Stress kann psychische Erkrankungen auslösen. dpa

Jede Menge Arbeit, dazu der Druck, ständig erreichbar sein zu müssen. Stress kann psychische Erkrankungen auslösen.

BerlinArbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will im nächsten Jahr erste Kriterien für eine Anti-Stress-Verordnung vorlegen. „Es gibt unbestritten einen Zusammenhang zwischen Dauererreichbarkeit und der Zunahme von psychischen Erkrankungen, das haben mittlerweile auch die Arbeitgeber anerkannt. Wir haben dazu auch wissenschaftliche Erkenntnisse“, sagte Nahles der „Rheinischen Post“ (Dienstag).

Es sei allerdings eine Herausforderung, diese gesetzlich umzusetzen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin solle prüfen, ob und wie es möglich sei, „Belastungsschwellen“ festzulegen. „Wir brauchen allgemeingültige und rechtssichere Kriterien, bevor wir den Betrieben etwas vorschreiben. 2015 sollen dazu erste Ergebnisse vorliegen.“

In acht Schritten zum Burn-Out

Erster Schritt

Es beginnt alles mit dem Wunsch, sich zu beweisen. Dieser aber treibt einen in den Zwang, sich noch mehr anzustrengen, noch mehr zu leisten bzw. es allen recht zu machen. Man nimmt jeden Auftrag an, sagt immer seltener Nein. Jettet von Termin zu Termin. Und nimmt abends Arbeit mit nach Hause.

(Quelle: Lothar Seiwert, Zeit ist Leben, Leben ist Zeit)

Zweiter Schritt

Man nimmt seine eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahr. Schläft zu wenig, isst hastig oder gar nichts. Sagt den Kinobesuch mit Freunden ab.

Dritter Schritt

Man missachtet die Warnsignale des Körpers, wie Schlafstörungen, Verspannungen, Kopfschmerzen, hoher Blutdruck, flaches Atmen, Konzentrationsschwäche.

Vierter Schritt

Um wieder funktionieren zu können, greifen manche zu Drogen wie Schmerzmitteln, Schlaftabletten, Alkohol, Aufputschern.

Fünfter Schritt

Das eigene Wertesystem verändert sich. Die Freunde sind langweilig, der Besuch mit dem Kollegen im Café verschwendete Zeit. Die Probleme mit dem Partner oder Familie nimmt man einfach nicht mehr wahr. Man zieht sich zurück aus gesellschaftlichen Kontakten. Und endet oft in völliger Isolation.

Sechster Schritt

Die Persönlichkeit verändert sich. Alles dreht sich nur noch darum, zu funktionieren, zu arbeiten. Gefühle und Emotionen werden verdrängt. Man verliert den Humor, reagiert mit Schärfe und Sarkasmus, empfindet Verachtung für Menschen, die das Faulsein genießen. Man verhärtet.

Siebter Schritt

Man verliert das Gefühl für die eigene Persönlichkeit. Spürt nur noch Gereiztheit, Schmerzen, Erschöpfung, Überlastung, Angst vor einem Zusammenbruch. Und sonst nichts mehr. Keine Freude, keine Fröhlichkeit, keine Neugierde. Der Mensch funktioniert wie eine Maschine. Die Seele erstarrt.

Achter Schritt

Die wachsende innere Leere, genährt von dem Gedanken "Wenn ich nicht arbeite, was bin ich dann?", führt zur Depression, zur völligen Erschöpfung, zum Zusammenbruch, zum Ausgebranntsein.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte gesagt, er sehe bei diesem Thema vor allem Arbeitgeber und Gewerkschaften und nicht den Gesetzgeber in der Pflicht. Die stellvertretende Bundestags-Fraktionsvorsitzende Carola Reimann und Nordrhein-Westfalens SPD-Arbeitsminister Guntram Schneider hatten sich hingegen für ein Gesetz stark gemacht, das die Verfügbarkeit von Arbeitnehmern grundsätzlich regeln soll.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Herr Theo Gantenbein

26.08.2014, 10:09 Uhr

Den meisten Stress habe ich mit dem Finanzamt. Dort sollte Schäuble mal eingreifen

Herr Manfred Zimmer

26.08.2014, 10:10 Uhr

Ich verstehe die Aufregung überhaupt nicht. Ständige Bereitschaft ist Arbeit und als solche in der Arbeitszeitordnung geregelt.

Die Ministerin hat nicht eine Regelung zu schaffen, die evt. eine andere Interpretation denkbar erscheinen lassen könnte, sondern auf die Durchsetzung der Arbeitszeitordnung zu bestehen.

Herr Ylander Ylander

26.08.2014, 10:21 Uhr

Einfach grotesk, was eine Frau Nahles für Vorstellungen hat, sie, die das normale Arbeitsleben nicht wirklich kennen dürfte.

Stress beseitigen per Verordnung, man könnte darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre, diese Realitätsferne in der Parteipolitik.

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