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06.03.2013

04:23 Uhr

Stahlindustrie

Drei Prozent mehr Lohn und Gehalt

Auszubildende erhalten eine höhere Vergütung und bekommen einen höheren Zuschuss zur Altersversorgung. Die IG Metall mit drei Prozent Lohnerhöhung zufrieden, hatte aber zu Beginn fünf Prozent gefordert.

Ein Teilnehmer einer Kundgebung von Stahlkochern. Diese werden drei Prozent mehr Lohn erhalten. dpa

Ein Teilnehmer einer Kundgebung von Stahlkochern. Diese werden drei Prozent mehr Lohn erhalten.

BerlinBei den Tarifverhandlungen für die 75.000 Beschäftigten der nordwestdeutschen Stahlindustrie haben die IG Metall und die Arbeitgeber am frühen Mittwochmorgen einen Durchbruch erzielt. Nach zehnstündigen Verhandlungen teilte die Gewerkschaft in Düsseldorf mit, die Stahlarbeiter würden ab dem 1. März 2013 um drei Prozent höhere Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen erhalten. Die Quote der Anspruchsberechtigten auf Altersteilzeit werde für die Laufzeit von vier auf fünf Prozent angehoben. Beschäftigte, die künftig einen Altersteilzeitvertrag abschließen, bekämen einen zwei-prozentigen statt bisher ein-prozentigen Inflationsausgleich für die Abfindungszahlungen zum Rentenübergang.

Für die Auszubildenden, die ab sofort Altersvorsorgewirksame Leistungen in Anspruch nehmen, sei eine Verdoppelung des Arbeitgeberbeitrags auf 26,59 erreicht worden, teilte die IG Metall nach der dritten Verhandlungsrunde weiter mit. Der Anfang des Jahres ausgelaufene Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung sei verlängert worden.

Die großen Tarifrunden in 2013

Metall- und Elektroindustrie

Erste IG-Metall-Bezirke haben die bis Ende April laufenden Verträge bereits gekündigt. Die Verhandlungen beginnen in der zweiten Märzhälfte. Der Gewerkschaftsvorstand will am 15. März in Frankfurt/Main abschließend über die Forderungen entscheiden. Die Branche hat nach Angaben des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall rund 3,7 Millionen Beschäftigte. Das WSI-Tarifarchiv nennt etwa 3,4 Millionen Beschäftigte (Stand September 2012).

Bauhauptgewerbe

Die Verhandlung für die nach übereinstimmenden Gewerkschafts- und Arbeitgeberangaben etwa 750 000 Beschäftigten beginnen am 20. Februar in Wiesbaden.

Deutsche Bahn AG

Der Tarifvertrag für die DB lief Ende 2012 aus. Verhandelt wird nach Angaben der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) voraussichtlich ab Ende Januar für rund 130 000 Beschäftigte, der Arbeitgeberverband BDA nennt 135 000 Beschäftigte. Die EVG verhandelt nach eigenen Angaben auch für 20 000 Beschäftigte bei den Bahnen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) mit. Deren Vertrag läuft Ende Januar aus.

Volkswagen AG

Die IG Metall hat die Tarifverträge für die Beschäftigten der westdeutschen VW-Werke und der VW-Finanztochter zu Ende Juni gekündigt (Gewerkschaft: 102 000 Beschäftigte, BDA: 100 000). Die Verhandlungen sollen im Mai beginnen.

Versicherungsgewerbe

Kündigungstermin Ende März (WSI: etwa 173 000 Beschäftigte im Innendienst, BDA: 160 000).

Deutsche Post AG

Kündigungstermin Ende März (WSI: etwa 128 000 Beschäftigte, BDA: 130 000).

Eisen- und Stahlindustrie

Hier laufen Ende Februar die Tarifverträge in Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen und im Tarifgebiet Ost (WSI: etwa 100 000 Beschäftigte; BDA: 93 000) aus, im Saarland Ende Mai (WSI: etwa 12 000 Beschäftigte, BDA: 15 000).

Zeitarbeit

Kündigungstermine sind Ende Oktober. Die DGB-Tarifgemeinschaft verhandelt mit dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Die Branche hatte laut Bundesagentur für Arbeit im Herbst 2012 knapp unter 800 000 Beschäftigte.

Druckindustrie

Kündigungstermin Ende Dezember (WSI: etwa 156 000 Beschäftigte, Bundesverband Druck und Medien: etwa 155 000).

Chemische Industrie

Hier laufen Ende 2013/Anfang 2014 die Verträge für mehr als 500 000 Beschäftigte aus.

Der IG-Metall-NRW-Bezirksleiter Knut Giesler sprach von einem guten Ergebnis: "Wir haben die Altersteilzeit verbessert, gute Regelungen zur Beschäftigungssicherung erneuert und uns bei der Altersvorsorge der Auszubildenden voll durchgesetzt. Insgesamt eine faire, ordentliche Lösung." Die IG Metall hätte bereits umfassende Warnstreiks geplant, die mit dem jetzt erzielten Verhandlungsergebnis ausgesetzt seien. Die Tarifkommission werde am Donnerstag über den Verhandlungsstand informiert. Eine Entscheidung über die Annahme des Ergebnisses werde erst nach umfassender Diskussion in den Betrieben erfolgen.

Tarifsteigerungen nach Branchen in 2012

Platz 1

Das Investitionsgütergewerbe mit einem Plus von 3,3 Prozent.

Platz 2

Das Grundstoff- und Produktionsgütergewerbe mit einem Plus von 3,0 Prozent.

Platz 3

Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft mit einem Plus von 2,9 Prozent.

Platz 4

Das Nahrungs- und Genussmittelgewerbe mit einem Plus von 2,8 Prozent.

Platz 5

Der Handel mit einem Plus von 2,7 Prozent.

Platz 6

Private Dienstleistungen, Organisationen ohne Erwerbszweck mit einem Plus von 2,5 Prozent.

Platz 7

Das Baugewerbe mit einem Plus von 2,5 Prozent.

Platz 8

Verkehr und Nachrichtenübermittlung mit einem Plus von 2,3 Prozent.

Platz 9

Gebietskörperschaften, Sozialversicherung mit einem Plus von 2,2 Prozent.

Platz 10

Das Verbrauchsgütergewerbe mit einem Plus von 2,1 Prozent.

Platz 11

Energie- und Wasserversorgung, Bergbau mit einem Plus von 2,1 Prozent.

Platz 12

Kreditinstitute, Versicherungsgewerbe mit einem Plus von 2,0 Prozent.

Die IG Metall hatte für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Lohn verlangt. Zudem forderte sie, dass mehr Stahlkocher in Altersteilzeit gehen können und Auszubildende höhere Zuschüsse für die Altersvorsorge erhalten. Betroffen sind rund 100 Betriebe in Nordrhein-Wesftalen,Niedersachsen und Bremen. Darunter sind Werke von ThyssenKrupp, Salzgitter und ArcelorMittal.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

06.03.2013, 08:32 Uhr

Drei Prozent über 15 Monate sind 2,4% pro Jahr.
Bei z. B. € 3.500 brutto kommen auf dieser Basis 1,8% netto mehr heraus.
Ein typischer DGB-Abschluss: bestenfalls bleiben die preisbereinigten Nettolöhne gleich, meist aber sinken sie.
Mit solchen Ergebnissen schädigen wir die Binnenkonjunktur, die immer noch 60% zum BIP beiträgt.

NaNa

06.03.2013, 09:29 Uhr

@Peligro

Zur Binnenkonjunktur gehören auch die Investitionen der Unternehmen und die Geräte und Maschinen kommen in der Regel nicht aus China wie unsere Konsumgüter. Als kann man durch zu hohe Lohn- und Gehaltsforderungen diese Investionen abwürgen, an denen auch Arbeitsplätze hängen.

Es gibt immer zwei Seiten der Medaille.

Account gelöscht!

06.03.2013, 10:37 Uhr

Das ist wieder mal so typisch für unsre Gewerkschaften der letzten 15 Jahre.
Diese 3% sind eine Lahnummer. Hat man Pech, rutscht man in einen höhere Steuertarif und untrm Strich bleibt absolut nichts
Unser Gewerkschaften sind längst Teil der Politik geworden und vertreten den Arbeitnehmer nicht mehr wirklich

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