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28.07.2012

11:11 Uhr

Standortvorteil

Deutschlands Trumpf ist die Industrie

VonDirk Heilmann, Thomas Ludwig, Thomas Sigmund

Seine derzeitige Stärke verdankt Deutschland vor allem der Industrie, die noch vor wenigen Jahren als „old economy" verschmäht wurde. Dazu kündigt Umweltminister Altmaier eine Revision der Energiewende an.

Opel-Mitarbeiter kontrollieren die Schweißnähte am Zafira-Tourer. dpa

Opel-Mitarbeiter kontrollieren die Schweißnähte am Zafira-Tourer.

Berlin/Brüssel/DüsseldorfEs war Gerhard Schröder, der im August 2002 auf Konfrontation zu den Propheten der Dienstleistungsgesellschaft ging: "Wir können nicht davon leben, uns gegenseitig die Haare zu schneiden", sagte der damalige Bundeskanzler in einer Feierstunde zum 40. Jubiläum des Bochumer Opel-Werks. Wer glaube, die "Old Economy" nicht mehr zu brauchen, der irre sich.

Zehn Jahre später ist zwar die Zukunft des Opel-Werks in Bochum unsicherer denn je. Doch insgesamt steht der Industriestandort Deutschland in voller Blüte - gerade auch die Autohersteller und deren mittelständische Zulieferer. Die hiesigen Exporteure liefern pro Monat Waren für fast 100 Milliarden Euro auf die Weltmärkte. Die Industrie, in der jeder fünfte Beschäftigte arbeitet und die für rund ein Viertel der Wirtschaftsleistung steht, boomt - am Boden liegen Finanzdienstleister.

"Heute zahlt es sich aus, dass Deutschland den Grabreden auf die Old Economy widerstanden hat", sagte Industriepräsident Hans-Peter Keitel dem Handelsblatt. Überall in Europa, wo derzeit über die Schuldenkrise geklagt wird, sind die Deindustrialisierung und die Exportschwäche als Hauptursache zu nennen.

Zschaber zündelt: Deutschlands Stärke ist die Industrie

Zschaber zündelt

Deutschlands Stärke ist die Industrie

Um die deutschen Industrieunternehmen beneidet uns die ganze Welt. Sie sind der Grund dafür, dass uns die Euro-Krise weniger hart trifft als andere. Jetzt liegt es an der Politik, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Auch wenn die deutsche Europapolitik weiter angefeindet wird, Deutschlands starke Industrie gilt als Vorbild. Die Briten, die seit den 80er-Jahren allein auf den Finanzplatz London gesetzt hatten, investieren wieder in neue Autofabriken. Frankreichs Regierung will den auf rund 14 Prozent abgesunkenen Industrieanteil wieder erhöhen und kämpft - wie aktuell beim angeschlagenen Autobauer PSA - um jeden Standort, zur Not auch mit Subventionen.

Und auch den Schuldenstaaten Südeuropas empfiehlt EU-Industriekommissar Antonio Tajani das deutsche Rezept: "Realwirtschaft, Unternehmen und das produzierende Gewerbe müssen wieder in den Mittelpunkt der Politik gerückt werden", sagte der Italiener.

Auch die Bundesregierung fordert eigene Anstrengungen der Krisenstaaten, um möglichst schnell wieder von den Milliardenhilfen der Euro-Partner unabhängig zu werden. "Wir müssen alles tun, um eine schleichende Deindustrialisierung Europas zu verhindern", mahnt Wirtschaftsminister Philipp Rösler.

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Peter Altmaier sieht die Energiewende als Chance, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Im Interview prognostiziert er, dass sie neue Jobs bringen wird und sagt, woran es bisher hapert und was er ändern will.

Kommentare (32)

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Rainer_J

28.07.2012, 11:28 Uhr

Die wollen die Grünen aber durch sehr hohe Stromkosten abschaffen. Dann sind wir Griechenland 2.0!

Oelblase

28.07.2012, 11:41 Uhr

In 2008 wurden zwischen 8 Uhr und 20 Uhr 140 €/MWh bezahlt.
Heute sind es 59 €/MWh.

Das sind keine erfundenen Zahlen, sondern die Wahrheit, die jeder an der EEX nachsehen kann.

[...]

+++Beitrag von der Redaktion editiert+++

Account gelöscht!

28.07.2012, 11:47 Uhr

Die deutsche Industrie ist doch eh durch und durch multinational und auf die Ein-Euro-Job Sklavenarbeit kann man auch getrost verzichten. Da geht man doch lieber mit 50 in die Rente wie man es uns in Griechenland oder Irland vormacht.

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