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25.10.2016

15:21 Uhr

Statistisches Bundesamt

Zahl der Sozialhilfe-Empfänger 2015 gestiegen

Fast 400.000 Menschen haben zum Jahresende 2015 Sozialhilfe bezogen. Die Zahl der Leistungsberechtigten lag bei rund 398.000. Sie stieg demnach im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent.

Immer mehr Menschen brauchen Unterstützung vom Staat. dpa

Sozialhilfe

Immer mehr Menschen brauchen Unterstützung vom Staat.

WiesbadenFast 400.000 Menschen in Deutschland haben nach Angaben des Statistischen Bundesamts zum Jahresende 2015 Sozialhilfe bezogen. Die Zahl der Leistungsberechtigten lag bei rund 398.000, wie die Behörde am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Sie stieg demnach im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent.

Den Angaben zufolge lebten 66 Prozent der Empfänger in Einrichtungen wie Wohn- oder Pflegeheimen. Sie waren demnach im Durchschnitt 55 Jahre alt. 34 Prozent lebten den Statistikern zufolge überwiegend in Einpersonenhaushalten außerhalb solcher Einrichtungen. Sie waren demnach mit durchschnittlich 44 Jahren deutlich jünger.

Armut in Deutschland

Welche Daten zur Situation von Alleinerziehenden enthält die Studie?

Die Zahl der Alleinerziehenden steigt seit Jahren: Inzwischen ist jede fünfte Familie eine Ein-Eltern-Familie. 2,3 Millionen Kinder wachsen damit bei Alleinerziehenden auf, überwiegend bei der Mutter (89 Prozent). Von diesen Müttern sind 61 Prozent erwerbstätig. Weil sie sich neben dem Beruf meist ohne den Partner um Haushalt und Kinder kümmern müssen, arbeiten sie oft in Teilzeit (58 Prozent), dann im Schnitt mit 29,5 Wochenstunden rund fünf Stunden mehr als Mütter in Familien mit zwei Elternteilen. Dennoch sind Alleinerziehende besonders häufig armutsgefährdet.

Sind Ein-Eltern-Familien schlechter dran als Paarfamilien?

Ja, und zwar deutlich, wie gleich zwei Indikatoren zeigen. Sie sind etwa fünfmal häufiger von Sozialleistungen abhängig. Laut Studie erhielten im vergangenen Jahr 37,6 Prozent der Alleinerziehenden Hartz-IV-Leistungen, der Anteil der Paarhaushalte mit Kindern lag bei 7,3 Prozent. Die sogenannte Armutsrisikoquote zeigt die Unterschiede ebenso klar: 42 Prozent der Alleinerziehenden bezogen 2014 ein Einkommen, das weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens entsprach. Bei Paarfamilien lag die Quote bei 10,6 Prozent.

Welche Gründe sehen die Experten für das wachsende Risiko?

Als wichtige Ursache nennt die Bertelsmann-Stiftung ausbleibende Zahlungen des getrennt lebenden Elternteils: Drei von vier Kindern erhalten nicht, was ihnen zustehe. Die Hälfte bekommt gar nichts vom Unterhaltspflichtigen, obwohl es ihnen zusteht, ein weiteres Viertel zu wenig oder unregelmäßig Geld. Auch steuerlich seien Alleinerziehende trotz erhöhter Freibeträge noch immer nicht genauso gut gestellt wie Paare mit Kindern, kritisieren Verbände. Zu kurze Kita-Öffnungszeiten und wenig Flexibilität bei Arbeitgebern machen es Alleinerziehenden zusätzlich schwer auf dem Arbeitsmarkt.

Welche konkreten Verbesserungsvorschläge gibt es?

Fachleute halten eine Reform des Unterhaltsvorschusses für einen guten Hebel. Bislang springt der Staat bei ausbleibendem Unterhalt nur sechs Jahre lang und nur für Kinder unter zwölf Jahren ein. Zusätzlich brauche es bessere Durchsetzungsmöglichkeiten gegenüber den säumigen Väter oder Müttern. Grundsätzlich sei es wichtig, Alleinerziehende in der Familienpolitik stärker anzuerkennen - nur wer sie genauer in den Blick nehme könne Kinderarmut mit gezielten Maßnahmen wirksam bekämpfen, betonen die Experten.

Von

afp

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