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01.07.2013

11:19 Uhr

Steigende Kosten

Ein politisch gewollter Strompreis

Ein Durchschnittshaushalt wird nächstes Jahr wohl die Schallmauer von 1000 Euro bei den Stromkosten durchbrechen. Neue Prognosen zeigen den Reformbedarf: Die Kosten steigen - selbst wenn kein neues Windrad ans Netz geht.

Bundesumweltminister Peter Altmaier ist mit seiner Strompreisbremse gescheitert. dpa

Bundesumweltminister Peter Altmaier ist mit seiner Strompreisbremse gescheitert.

BerlinPeter Altmaier hat zuletzt mit einer gewissen Penetranz versucht, seine bereits von der Bundeskanzlerin kassierte Strompreisbremse noch einmal ins Spiel zu bringen. Doch weil schon in den Reihen von CDU/CSU ein Kernstück, die nachträgliche Förderkürzung für bestehende Solar- und Windparks, abgelehnt wird, ist es ein recht aussichtsloses Unterfangen. Der Bundesumweltminister kann aber so möglichen rot-grünen Vorwürfen im Bundestagswahlkampf entgegenwirken, er hätte nichts gegen das drohende Ungemach getan.

Denn er weiß, dass 2014 ein weiterer Strompreisanstieg kommen wird. Dies wurde am Montag durch eine in Berlin vorgestellte Studie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace bestätigt. Das Institut ist nicht bekannt für schrille Kostenwarnungen. Aber selbst dessen Energieexperte Felix Matthes erwartet einen Anstieg der von allen Stromverbrauchern zu zahlenden Umlage zur Förderung von Windrädern, Solarparks und Biogasanlagen von 5,277 Cent je Kilowattstunde auf 6,1 Cent. Zum Vergleich: 2010 lag die Umlage erst bei 2,05 Cent. Andere Schätzungen rechnen mit bis zu 6,5 Cent Umlage - sie muss bis zum 15. Oktober von den Netzbetreibern bekanntgegeben werden.

Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden sind die Belastungen durch diese Umlage von 71 Euro (2010) auf 185 Euro (2013) gestiegen - 2014 könnten es über 215 Euro werden. Kostensteigernd kommt hinzu, dass nach einer neuen Studie für die Grünen-Fraktion die 2011 ausgeweiteten Rabatte für Unternehmen bei den Netzentgelten von rund 800 Millionen auf bis zu 1,2 Milliarden Euro steigen könnten - selbst mehrere Golfplätze wurden begünstigt. Für diese Kosten wurde eine weitere Strompreisumlage installiert.

Fragen und Antworten zur Förderung der erneuerbaren Energien

Was ist die EEG-Umlage?

Rund 45 Prozent des Strompreises machen bereits Steuern, Abgaben und Umlagen aus - im Fokus steht besonders die sogenannte EEG-Umlage. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind für Wind- und Solarparks, Biogasanlagen und Wasserkraftwerke auf 20 Jahre garantierte feste Vergütungssätze festgelegt. Daher ist mit einem raschen Sinken der Förderkosten vorerst nicht zu rechnen.

Wie werden die Vergütungssätze berechnet?

Gezahlt wird die Differenz zwischen dem garantierten Vergütungssatz für den Hersteller und dem tatsächlich am Markt erzielten Preis. Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und von Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Fördersummen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert.

Was ist das Quotenmodell?

Beim Quotenmodell müssen Energieversorger einen bestimmten Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen liefern - notfalls durch Zukauf von Ökostrom bei Betreibern von Wind- oder Solarparks. Wie sie das anstellen ist nebensächlich, Hauptsache sie erfüllen die Quote. Wenn sie die Quote nicht erfüllen, müssen sie Strafe zahlen. Bisher haben etwa Großbritannien und Schweden das Quotenmodell umgesetzt.

Alles in allem dürfte ein Durchschnittshaushalt 2014 erstmals die Schallmauer von 1000 Euro bei den jährlichen Kosten durchbrechen - auch weil die Bundesländer bei der Solarförderung harte Einschnitte verhinderten. 2010 bis 2012 explodierte so der Zubau. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Begriff Erneuerbare-Energien-Umlage etwas irreführend ist. Denn Union und FDP haben diese Umlage im Zuge der Energiewende aufgebläht. Enthalten sind auch weitere Rabatte für die Industrie, in diesem Fall bei der Ökoenergieförderung. Bis zu zwei Cent bei der Umlage gingen auf solche Umverteilungseffekte zurück, betont das Öko-Institut. Wie bei einem Rucksack wurden immer mehr Steine hineingepackt. Die Regierung will so Arbeitsplätze sichern.

Kommentare (14)

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Brasil

01.07.2013, 12:02 Uhr

Wenn ihr schon nicht auf die Strasse geht, fuer eure Rechte kaempft und der Marionettenregierung Einhalt gebietet, dann waehlt wenigstens eine Partei, die das fuer euch erledigen kann: www.neuemitte.info
Eine Partei, die nicht NUR den Euroaustritt fordert, aber zwischenzeitlich nicht mehr wirklich hinter ihrem Programmpunkt steht, sondern die Alternative mit einem kompletten Programm: www.neuemitte.info

vandale

01.07.2013, 12:21 Uhr

Wenn man den Artikel sorgfältig liest geht es den Protagonisten darum die Kosten des teuren, wertlosen und umweltschädlichen Oekostroms zu verdecken.

Man möge bedenken, dass der Verbraucher letztlich auch die von Industrie und Gewerbe bezahlten Oekostromsubventionen zzgl. Gemeinkosten, Steuern weiterbelastet erhält. Die Industrie trägt keine Oekostromkosten, sondern gibt diese mit Aufschlag weiter. Die Kosten werden intransparent.

Ein anderer Punkt der politischen "Experten" anregt sind gesunkene Börsenstrompreise durch die Einspeisung wertlosen Oekostroms. Dabei handelt es sich um Spotmengen. Betriebe und Verbraucher erhalten jedoch einen frequenzstabilen, wetterunabhängigen Strom. Das bedeutet ein Versorger benötigt fixe Lieferzusagen. Gekauft werden solche Spotmengen von Kraftwerksbetreibern die dann die eigenen Kraftwerke herunterfahren und damit Brennstoffkosten sparen sobald die Börsenpreise unter die Brennstoffkosten sinken. Nutzbar und hilfreich sind diese niedrigen Börsenstrompreise nicht wirklich.

Das gilt auch für den Satz..Die Vergütungskosten sollen die Versorger bezahlen und nicht mehr die Stromkunden. Die Versorger müssten einen bestimmten Teil ihres Portfolios mit Ökostrom abdecken. ..Am Ende bezahlt der Verbraucher.

Volkswirtschaftlich betragen die Kosten, vorraussichtliche EEG u. KWK Einspeisevergütungen 2013 ca. 25 Mrd. €, Kosten Netzausbau, 1% KfW Darlehen, Subventionen über den EKF gut 30 Mrd. €/Jahr. Man kann diese Kosten der Oekoreligion in Produktpreisen, in diversen Positionen verdecken. Bezahlt werden diese Kosten letztendlich immer vom Verbraucher.

Vandale

DausHH

01.07.2013, 12:29 Uhr

dieser aufsatz wäre eine gute gelegenheit gewesen, auf die situation der anschlüsse der offshore windparks hinzuweisen. sind die mittlerweile alle angeschlossen?
wieviel wird gezahlt, wenn ein propeller ohne kabel im meer steht??

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