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16.01.2010

12:51 Uhr

Steinbach-Debatte

Zentralrat der Juden fordert Machtwort von Merkel

VonDietmar Neuerer

ExklusivDas Thema dürfte auch beim Treffen der Koalitionsspitzen an diesem Sonntag auf der Tagesordnung stehen - der Konflikt um die Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach und ihre Rolle in der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung". Der Zentralrat der Juden in Deutschland, der dem Stiftungsrat angehört, fordert nun von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) ein Eingreifen in „die unsägliche Debatte“.

Wie wird Merkel (li.) im Fall der Vertiebenen-Präsidentin Steinbach (re.) entscheiden? dpa

Wie wird Merkel (li.) im Fall der Vertiebenen-Präsidentin Steinbach (re.) entscheiden?

DÜSSELDORF. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Machtwort im Konflikt um die Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach gefordert. "So schwer es auch fallen mag: Die Politik kann und darf sich hier nun nicht länger übervorsichtig wegducken, sie muss nun handeln und sehr klare Zeichen setzen", sagte der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann, am Samstag im Gespräch mit Handelsblatt Online. "Die unsägliche und zutiefst unwürdige Debatte muss jetzt endlich zügig beendet werden, bevor noch weiterer Schaden angerichtet wird, damit sich alle der Versöhnung und der Zukunft zuwenden können." Graumann betonte: "Es ist wahrlich allerhöchste Zeit." Der Zentralrat der Juden gehört dem 13-köpfigen Stiftungsrat der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" an.

Scharfe Kritik äußerte Graumann an Steinbachs Forderung nach einem größeren Einfluss der Vertriebenen. Der Kompromiss-Vorschlag des Bundes der Vertriebenen (BdV) sei "leider das gerade Gegenteil eines Kompromisses, nämlich ein überlauter Machtanspruch ohne Maß und Mitte", sagte der Zentralratsvize. "Völlig indiskutabel und geradezu grotesk ist vor allem die Forderung, die Politik solle sich in der Stiftung selbst entmündigen. Das darf unter gar keinen Umständen geschehen." In dieser Frage seien vielmehr "Sensibilität und Verantwortungsgefühl gefordert und kein Machtdenken".

Dem BdV dürfe auch "keinesfalls die alleinige Deutungsmacht" über deutsche Geschichte zugesprochen werden, fügte Graumann hinzu. Das Leid der Vertriebenen und das Engagement des BdV verdienten zwar, gewürdigt zu werden. "Aber nicht vergessen werden darf der brutale, verbrecherische, von schierer Mordlust triefende Überfall von Nazideutschland auf den Osten", betonte Graumann und fügte hinzu: "Die Kette von Ursache und Wirkung darf unter keinen Umständen jemals gesprengt, ja nicht einmal gelockert werden." Und zu beachten sei zudem: "Die Stiftung soll ein Werk der Versöhnung sein und keine Quelle von neuen Verletzungen."

Die Stiftung soll in Berlin eine Mahn- und Gedenkstätte gegen Vertreibung errichten. Steinbach hatte kürzlich ihre Bereitschaft erklärt, auf einen Sitz im Stiftungsrat zu verzichten, wenn im Gegenzug der Einfluss der Bundesregierung beschnitten wird und der von Steinbach geleitete Bund der Vertriebenen (BdV) ein größeres Gewicht erhält. Bislang sind für den BdV nur drei von 13 Sitzen im Stiftungsrat vorgesehen.

Kommentare (8)

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Widerstand10

16.01.2010, 20:15 Uhr

Wenn der Zentralrat der Juden an Versöhnung interessiert ist, sollte er sich nicht an der Vertreibung von Erika Steinbach durch Westerwelle
beteiligen. Kriege hat es immer gegeben und fast alle liefen ziemlich brutal ab. Auch die israelische Armee hat keine bomben die in der Luft warten, bis sich Frauen und Kinder retten können.
Die Armee Deutschland war nicht brutaler als andere Armeen, nur die Ausnahmen von Fanatikern sind schrecklicher Natur. im übrigen werden Soldaten zum
Krieg gezwungen wenn Geistesgestörte das so wollen. Daran hat sich bis in die heutige Zeit nichts geändert. Unterstützen sie Frau Steinbach in einem demokratischen Wahlverfahren und sie helfen mit
zu verhindern ,eine durch Diktatur errichtete Stiftung aufzubauen.

gostom

16.01.2010, 21:57 Uhr

Diese Diskussion in D. und unsachliche Einmischung des amtierenden Aussenmisters habe ich ehrlich gesagt, nicht verstanden. Seit Jahrzehnten fällt es auf, dass das Thema: Vertreibung in D ein Tabuthema ist. Eine Republik in der Nazzigrössen mehr Aufmerksamkeit als Opfer des Krieges erfahren ist schon ein Armutszeugnis. ich kenne viele Polen, die das Thema mit mehr Respekt gegenüber der Vertriebenen begegnen als die meisten bürger des westlichen Deutschland, die in der Regel alles wissen und vorallem besser. Aber die eigene Geschichte wohl nicht ausreichend. Es ist vielleicht nicht böswillig, man hat ihnen einfach vieles trotz Freiheit nicht zugänglich gemacht. Schade!

meyerbeer

17.01.2010, 09:03 Uhr

Warum soll der Einfluss der Vertriebenen geringer sein,als der Einfluss der Juden ?

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