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23.06.2014

16:20 Uhr

Steinbrück sagt aus

„Geschäftsmodell brach WestLB das Genick“

Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ist vor einem Untersuchungsausschuss in NRW befragt worden. Als ehemaliger Landesfinanzminister und Ministerpräsident nahm er Stellung zur Milliarden-Pleite der WestLB.

Der ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident und Finanzminister, Peer Steinbrück, stand heute vor einem Untersuchungsausschuss in NRW Rede und Antwort zur WestLB Pleite. dpa

Der ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident und Finanzminister, Peer Steinbrück, stand heute vor einem Untersuchungsausschuss in NRW Rede und Antwort zur WestLB Pleite.

DüsseldorfDie WestLB, die als einzige deutsche Großbank die Finanzmarktkrise nicht überlebt hat, ist nach Einschätzung des ehemaligen Bundesfinanzministers Peer Steinbrück (SPD) an Jahre zurückliegenden Managementfehlern gescheitert.

Die WestLB habe die Zeit bis zum Wegfall der Staatsgarantien Mitte 2005 nicht genutzt, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln, sagte er am Montag in Düsseldorf bei einer Befragung des WestLB-Untersuchungsausschusses im Landtag. Dieses Versagen habe sich fortgesetzt im Kauf von sehr vergifteten Wertpapieren.

„Diese Geschäftspolitik hat der WestLB letztlich das Genick gebrochen“, sagte Steinbrück, der als ehemaliger Landespolitiker von Abgeordneten befragt wurde. Steinbrück war von 2000 bis 2002 NRW-Finanzminister. Anschließend war er bis 2005 Ministerpräsident.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Der Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags zum milliardenschweren WestLB-Desaster hatte am Montag mit einer ganztägigen Befragung prominenter Politiker begonnen. Auf der Zeugenliste stand am Vormittag bereits der ehemalige NRW-Finanzminister Helmut Linssen (CDU).

Die WestLB wurde vor zwei Jahren zerschlagen, die Abwicklung dauert an. Für die Steuerzahler erwies sich die Landesbank als Milliarden-Desaster. Der Ausschuss soll nun durchleuchten, warum es zu den Milliardenverlusten kam und inwieweit der Niedergang der Bank auf fehlerhaftes Management, möglicherweise rechtswidriges Verhalten Einzelner, fehlende Kontrolle oder politische Einflussnahme zurückzuführen ist.

Konkret geht es bei der Befragung um die Eingliederung der landeseigenen Wohnungsbauförderungsanstalt (Wfa) in die WestLB 1992. Daraus entwickelte sich ein langer Konflikt mit der EU-Kommission, der bis vor den Europäischen Gerichtshof ging.

Die WestLB musste Anfang 2005 schließlich 1,4 Milliarden Euro Beihilfe an das Land NRW zurückzahlen, weil das eingebrachte Wfa-Kapital viel zu gering verzinst worden war. Nach dem Ausbruch des Beihilfestreits hatte die WestLB einen schweren Stand in Brüssel.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

23.06.2014, 18:12 Uhr

"Die WestLB, die als einzige deutsche Großbank die Finanzmarktkrise nicht überlebt hat, ist nach Einschätzung des ehemaligen Bundesfinanzministers Peer Steinbrück (SPD) an Jahre zurückliegenden Managementfehlern gescheitert."

Welche Funktion hatte er in dieser Zeit wahrgenommen?

Hat Peer Steinbrück jetzt ein eigenes, neues Geschäftsmodell für sich entwickelt?

Gewiss, er könnte Vorträge dazu halten. Aber welche Bank wäre bereit für sein Geschwafel über eine andere in die Pleite gegangene Bank Vortragshonrare zu zahlen?

Damals war das anders. Seine Attacken gegen die Schweiz hatten Anleger Angst in den Nacken getrieben und den deutschen Banken die Kunden erhalten. Da waren die 1 Mio. Euro an Vortragshonoraren für die Banken gut investiertes Geld.

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